Messebericht: BRAFA in Brüssel

Auftakt in Brüssel

Dorothee von Flemming
25. Januar 2012

BRAFA – Brussels Antiques & Fine Arts Fair, Brüssel. Vom 21. bis 29. Januar 2012

Die Brüsseler Kunst- und Antiquitätenmesse BRAFA gönnt sich traditionell einen ausgiebigen Eröffnungsreigen. Drei Tage exklusiver Empfänge für Geladene gipfelten diesjährig gar in einem königlichen Auftritt – dem der Königstochter Prinzessin Astrid. Der dürften auch die roten Punkte ins Auge gefallen sein, die viele der 122 Aussteller aus zehn Ländern bereits während des Eröffnungsmarathons mit hochpreisigen Verkäufen hatten ansammeln können.

Sicher, seit dem Umzug ins vom Rangierbahnhof in imposanter Fin-de-siècle Architektur zum Kulturzentrum Tour & Taxis mutierte Gebäude am Hafen von Brüssel, hat sich die vor imposanten 65 Jahren gegründete, führende belgische Messe international ausgerichtet. Der Maastrichter Supermesse TEFAF Konkurrenz machen zu wollen, wäre ein vermutlich etwas zu hoch gestecktes Ziel. Doch kommt immerhin beinahe die Hälfte der Aussteller aus Frankreich – und dort bietet die Pariser Biennale des Antiquaires Händlern und Sammlern nur jedes zweite Jahr die Möglichkeit, ihre Ware feilzubieten, beziehungsweise an einem evidenten Kunstmarktereignis teilzunehmen. Und die Paris Tableau, im November 2011 erstmals abgehalten, muss sich auch ersteinmal beweisen. Rund eine Stunde Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug ist schnell gemacht und so erfreut sich die Brafa auch in diesem Jahr des deutlich gestiegenen Interesses eines französischen Publikums.

Ebenfalls nur rund eineinhalb Stunde Fahrt ist es auch nach Köln. Dennoch sind lediglich sieben Aussteller aus Deutschland auf der Messe vertreten, aus dem Rheinland gar nur die Galerie Ludorff aus Düsseldorf und Elmar Robert Medieval Art aus Köln. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die Cologne Fine Art Fair mit ähnlicher, in den letzten Jahren qualitativ deutlich angestiegener Angebotsausrichtung als gleichrangige Veranstaltung später im Jahr stattfindet. Auch Gerüchte um die Neugründung einer durch süddeutsche Händler initiierten, Kölner Kunst- und Antiquariatsmesse im Frühjahr machen zurzeit die Runde. Man muss sich neu sortieren im Dreiländereck, so scheint es. Spürbar ist dies auch ind er starken Fluktuation unter den Ausstellern: viele Stände sind mit jungen Händlern neu besetzt und auch unter den Besuchern ist ein Generationenwechsel erkennbar.

Mit Kostbarkeiten aus allen Epochen der europäischen und der Kunstgeschichte ferner Regionen in allen Preisklassen ist die BRAFA reich und elegant bestückt. Ihre besondere Qualität liegt in der beim belgischen und französischen Handel konzentrierten Stammeskunst. Hier haben die Sammler bereits kräftig zugeschlagen. Bei Patrick Didier Claes aus Brüssel gehört der vom Ekoi-Stamm in Süd-Nigeria zum Kultobjekt umgestaltete, fast zwei Meter hohe, 1.000 Jahre alte und 250.000 Euro teure Monolith zu den zahlreichen Verkäufen. Zahlreiche angeblich, leider geheim gehaltene, Erfolgserlebnisse auch bei der Galerie Dartevelle, bei der eine der nur vier bekannten Mbangani-Masken mit riesigen Augen aus dem Kongo, früher im Besitz der Universität Löwen, für 450.000 Euro zu haben ist.

Originalzeichnungen von Comic-Künstlern sind eine weitere Spezialität der BRAFA. Die letzten großen Zeichner seien unter den Comiczeichnern zu finden und eine Entdeckung für viele Sammler, konstatiert Eric Verhoest von der Brüsseler Galerie Champaka, die gemeinsam mit der Galerie 9e Art aus Paris unter dem Titel „Paris-Brüssel“ neun Meister dieses Genres ausstellt. Sein teuerstes Blatt stammt aus der Serie „Blake und Mortimer“ von E.P. Jacobs. Das vom Mitarbeiter von Hergé, dem Schöpfer von „Tim und Struppi“, gestaltete Blatt soll 125.000 Euro kosten.

Designobjekte aus dem 20. Jahrhunderts sind auf der BRAFA seit wenigen Jahren stark im Kommen und werden von rund einem Dutzend Ausstellern angeboten. Das geometrisch konzipierte Mobiliar des Lyoner Möbelmachers André Sornay kann auf dem Stand von Alain Marcelpoil bewundert werden. Darunter sind Kreationen, die für diverse Weltausstellungen als Einzelstücke in den 1930er-Jahren geschaffen wurden. Ein Esszimmertisch kostet hier 70.000 Euro, vier Lehnstühle sind für 120.000 Euro zu erstehen. Marc Heiremans aus Brüssel glänzt mit der dreißig Stücke umfassenden Musterkollektion weißen Scavo-Glases der Manufaktur Seguso in Murano. Die stattlichen Exemplare mit sandiger Struktur sind für 4.000 bis 5.000 Euro zu haben.

Barockes, erlesene Möbel, Skulpturen und Kunsthandwerk gibt es auf vielen Ständen zu bewundern, angeführt von der Galerie Steinitz aus Paris, während der belgische Tausendsassa Axel Vervoordt wieder einmal mit einer prachtvollen Mischung von Altem und Zeitgenössischem bezaubert. Auch die Wandteppiche aus der Königlichen Manufaktur De Wit, deren selten vollständige Mille-fleur-Tapisserie aus dem 16. Jahrhundert 340.000 Euro kostet, machen den besonderen Reiz der BRAFA aus. Ein mit Tafelutensilien aus vergoldetem Silber von Jean-Baptiste-Claude Odiot bestückter Picknickkoffer vom Anfang des 19. Jahrhunderts hält der Silberexperte und Vorsitzende der BRAFA Bernard de Leye auf seinem Stand für 48.000 Euro bereit.

Messeneuling Stefan Brenske, der in München mit russischen und griechischen Ikonen handelt, ist vom kenntnisreichen, interessierten belgischen Publikum angetan. Gerade hat er mehrere Ikonen der Preiskategorie von 40.000 bis 60.000 Euro verkauft - an Sammler, die bisher der modernen Kunst zugetan waren. Die Offerte der Altmeistergemälde rekrutiert sich bei unter anderen Dr. Riedl aus München aus der gehobenen Mittelklasse. Die Moderne ist rar vertreten, findet in Vater und Sohn Ludorff aber würdige Repräsentanten, die zum Beispiel mit wundervollen Noldezeichnungen, darunter der Frau vor blauem Grund für 290.000 Euro, aufwarten. Die zeitgenössische Kunst hat auf der BRAFA in diesem Jahr deutlich an Gewicht gewonnen. So bietet die Sem-Art Gallery aus Monaco die letztjährig entstandene Aluminium- und Corianskulptur Giswill von Frank Stella für 450.000 Euro an und Maruani & Noirhomme das Punktebild Biphenyl C von Damien Hirst aus dem Jahr 1995, für das man 260.000 Euro erwartet. Bewährtes mit Wiedererkennungswert zu zeigen, lautet in diesem Bereich offenbar noch häufig die Devise. Ganz im Gegensatz zum restlichen Angebot der BRAFA.


Weitere Artikel von Dorothee von Flemming


Feedback abgebenFeedback abgeben
Artikel druckenArtikel drucken