Messebericht Art Hong Kong 2012

Klotzen statt kleckern

Chiara Zampetti
18. Mai 2012

Art HK12, Hong Kong International Art Fair. Vom 17. bis 20. Mai 2012

Die mit Spannung erwartete erste Ausgabe der Art Hong Kong unter dem Schutzmantel der Art Basel ist angelaufen. Seit Frühjahr 2011 hält die der Art Basel vorstehenden MCH Group 60 Prozent der Asia Art Fair, jener Firma, die vor fünf Jahren die Messe in Hong Kong ins Leben rief. Schon im nächsten Jahr wird diese unter dem Namen Art Basel Hong Kong firmieren. „Wir bestehen aus drei Messen, die eine einzigartige Marke bilden, und das soll sich auch im Namen widerspiegeln", so Magnus Renfrew, Managing Director der Art HK seit deren erster Ausgabe und seit Neuestem Managing Director aller drei Messen der Gruppe, Miami Beach inklusive. „Das Label Art Basel wird noch mehr führende europäische und internationale Entscheider nach Hong Kong ziehen. Die Stadt wird davon profitieren", meint er.

Noch nicht lange her, da existierte ein Markt für zeitgenössische Kunst in Hong Kong so gut wie gar nicht. Die Veränderungen, die die Stadt seither in diesem Sektor erfahren hat, verdanken sich auch dem Erfolg der Messe. Das Interesse an zeitgenössischer Kunst wächst stetig, ebenso wie die Zahl zeitgenössischer Galerien. Die höhere Konkurrenz wiederum hat bereits zu einem deutlichen Anstieg der Qualität der Galerieprogramme und Professionalität deren Macher geführt.

Noch befindet sich der lokale Markt zwar am Anfang, doch sein Potential ist enorm. Auf Künstler aus Hong Kong, darunter beispielsweise Lee Kit, Tsang Kin Wah oder Leung Chi Wo, werden zunehmend internationale Sammler aufmerksam. Internationale Karrieren begünstigt das. Para/Site, ein Meilenstein im sich erst anbahnenden non-profit-Ausstellungsektor der Stadt, ist auf der Messe ebenfalls vertreten und wirbt für finanzielle Beteiligung - um weitere Projekte realisieren zu können. 266 Galerien wurden aus den 700 Bewerbungen ausgewählt, die die Messe im Vorhinein erhalten hatte. Von nächstem Jahr an soll die Selektion strenger werden.

Rund 50 Prozent der Teilnehmer kommen dabei aus dem asiatischen Raum, denn ein lokaler Flair und die Mischung aus asiatischen und europäischen Künstlern möchten auch weiterhin gewährleistet bleiben. Die Qualität der angebotenen Werke ist diesjährig hoch und deutlich gestiegen.

Die Herausforderung für die teilnehmenden internationalen Galerien bleibt es derweil, das asiatische Publikum für Künstler zu begeistern, die abseits ihrer eigenen Kultur arbeiten.

Unter den ersten Verkäufen befindet sich das eben entstandene Gemälde Toy Head von George Condo, das Sprüth Magers Berlin London für 150.000 US-Dollar an einen asiatischen Sammler abgeben konnten, während Allora & Calzadillas Solar Catastrophe für 125.000 US-Dollar an einen französischen Sammler ging. „Die Sammler kommen zwar vor allem vom chinesischen Festland, Vietnam, Korea und Australien, aber die Zahl der westlichen Besucher hat zugenommen. Hong Kong ist definitiv der Ort, an dem man zu sein und zu kaufen hat“, so Annette Hoffman von der Londoner Lisson Gallery. Auch die von Hauser & Wirth gezeigten Arbeiten von Zhang Enli fanden schnell Käufer. The Curved Wires von 2012 ging für 165.000 US-Dollar an einen in Peking lebenden Sammler, gleich zwei weitere Arbeiten, The Weight oft he Average und Two Light Balls für jeweils 115.000 und 145.000 US-Dollar ebenfalls an einen Sammler aus dem asiatischen Raum.

Vielen Großgalerien mit starken Künstlernamen ist es mittlerweile gelungen, wichtige und dauerhafte Kontakte zu asiatischen Sammlern aufzubauen. Sie profitieren bisher stärker von ihrer Teilnahme als die mittelgroßen Galerien oder kleineren Galerien, die erstmals oder auch wiederholt an der Messe teilnehmen. Dass sich dies in den kommenden Jahren unter der starken Obhut der Art Basel ändern wird, ist eine Hoffnung all jener, die in diesem Jahr eventuell weniger gut abschneiden als die Topseller.


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