21. Juli 2006
Martin Schulz: Ordnungen der Bilder. Eine Einführung in die Bildwissenschaft. Wilhelm Fink Verlag, München 2005. 163 Seiten. 29,90 Euro Ein logozentristisches Vorurteil ist hier zu hinterfragen. Es besagt schlicht, dass erst durch Sprache und Schrift das zivilisatorische Projekt einer systematischen Akkumulation von Wissen und Erkenntnis möglich geworden sei. Damit solle seit dem „iconic turn“ Schluss sein: Gegen die schon in den monotheistischen Buchreligionen gepflegten Präjudizien wider das Bild rückt dessen eminente Bedeutung für die Entwicklung der menschlichen Kultur zunehmend in den Vordergrund. Nicht nur in der medial konditionierten Alltagserfahrung, sondern in der Theorie selbst. Als Bildwissenschaft tritt eine Disziplin auf, die endlich Einblick in einen zu lange schon unterschätzten Phänomenbereich gewähren möchte. „Wie sich in Bildern orientieren?“ könnte ihre Frage auch lauten. Um „Ordnungen der Bilder“ jedenfalls bemüht sich Martin Schulz und, genauer, um Ordnungen der Bildwissenschaft. In sie möchte er nämlich eine „Einführung“ geben, was der nicht ganz unbedarfte Leser angesichts des Wusts an Fraktionen und Friktionen, an Publikationen und Publicity und zuweilen einfach Unausgegorenem dankbar vermerkt. Dankbar vermerkt sei auch, dass der Autor sich vorab vor falschen Frontstellungen hütet: „Das Anliegen des Buches besteht vielmehr darin (...), die Möglichkeiten eines umfassenden Verständnisses für die Kultur der Bilder aufzuzeigen, das demjenigen für die Sprache nicht unterliegt, sondern sich von diesem unterscheidet.“ Dieser Anspruch ist gewiss kein geringer; einlösen möchte ihn Martin Schulz, indem er das weite Feld mittels dreier Grundbegriffe durchpflügt: Bild - Medium - Körper.