Marion True wegen illegaler Kunstexporte beschuldigt

Marion True und der Antikenraub

Thomas W. Eller
17. November 2005
Im Januar 2006 läuft ein Länderabkommen zwischen den USA und Italien aus, das seit 2001 die Einfuhr antiker Kunstgegenstände vom 9. Jahrhundert vor bis zum 4. Jahrhundert nach Christus aus Italien weitgehend verbietet. Auf einer Tagung des US Cultural Property Advisory Committees (CPAC) im September diesen Jahres kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Rechtsanwalt William Pearlstein, der eine Gruppe von Antikenhändlern vertritt, und Patty Gerstenblith, der Präsidentin des Lawyer’s Committee for Cultural Heritage Preservation. Pearlstein vertrat die Position, dass das Abkommen nicht verlängert werden solle, weil Italien durch Schließung einiger Freihäfen in der Schweiz und der Verhaftung des Antikenschiebers Giacomo Medici „den Krieg gegen Kunstraub gewonnen hat“, so die Art Newspaper vom Oktober 2005. Dagegen hielt Gerstenblith, dass es nur durch den Vertragsabschluss zu einer internationalen Regulierung des Antikenmarktes gekommen sei und daher eine Vertragsverlängerung unbedingt geboten sei.

Die Verhandlungen sind deshalb so prekär, weil sie gleichzeitig mit dem Gerichtsverfahren in Rom gegen die abwesende Marion True, ehemalige Kuratorin am Getty Museum, stattfinden. Das Abkommen hatte nämlich die Beweislast von italienischen Behörden, die die Restitution gestohlener Kulturgüter verlangten, auf die US-Käufer importierter Antiken verlegt.

Marion True ist angeklagt, an einer „conspiracy to receive stolen goods and archeological artefacts“ (The Art Newspaper) teilgenommen zu haben. Insgesamt fordert der italienische Staat, dem seit der der Gesetzgebung von 1939 sämtliche auf italienischem Boden gefundenen Artefakte zufallen, über vierzig Kunstwerke vom Getty Museum zurück.

Am 2. September schloss das J. Paul Getty Museum mit Italien einen Vergleich, der die Rückgabe einiger Kunstgegenstände beinhaltet, gleichzeitig aber das Museum aus weiterer Haftung entlässt. Der Prozess gegen Marion True, die aus „anderen Gründen“ ihr Amt im September niedergelegt hatte, wird dennoch weitergeführt. Nach einer jahrelangen Untersuchung ihrer Beziehungen zum Schweizer Händler Robert Hecht und zu Giacomo Medici wurden in einem Freihafen in Genf fast 4000 Kunstobjekte gefunden. Daraufhin ist Medici bereits zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden.


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