11. Januar 2005
Eine Zierde sollte sie sein und Schmuckwerk, Auskleidung einer als trist empfundenen Wirklichkeit, ihre Überhöhung und Verklärung. Malerei, diese uralte Kunst, als Gattung so alt wie die Gattung Mensch, schien auf diese eine Aufgabe verpflichtet: eine vorgegebene Realität möglichst detailgenau zu kopieren und, wenn möglich, in der Kopie das Original noch an Schönheit, Harmonie und Wohlgeordnetheit zu übertreffen. Und Malerei, diese uralte Kunst, scheint von Anfang an gegen nichts mit größerer Vehemenz, ja Aggressivität protestiert zu haben, als gegen dieses ihr von außen aufgedrängte Amt. Ihre Unbotmäßigkeit allerdings quittierte sie mit einem sagenhaften Versprechen: Wenn man genau hinsieht, so genau vielleicht, wie ein Maler vor dem ersten Strich auf der noch tödlich leeren, chaotisch überquellenden Leinwand, bekommt man Dinge zu sehen, wie sie so noch nicht zu sehen waren.