Ludwig Seyfarth

2012
April
Dass sich die Welt ändern muss, ist allgemeiner Konsens. Doch die Berlin Biennale weiß auch keine Lösung.
Der Schwede Alexander Gutke zeigt das, was man normalerweise nicht sieht. Zum zweiten Mal stellt er nun bei Gregor Podnar in Berlin aus.
Die 7. Berlin Biennale fordert die Verbesserung der Welt mit Mitteln der Kunst. Egal, ob das obsolet ist, naiv oder großartig – mit der Umsetzung wird es noch dauern.
2011
September
Noch mehr lofttaugliche Ideenkunst? Schon wieder ein Clever-Künstler von der Städelschule? Vielleicht ist diese Zeit langsam vorbei.
August
Heute will jeder ein Kurator sein. Deshalb gibt es jetzt Studiengänge, Crash-Kurse oder Praxistests wie „based in Berlin“. Doch wo sind die Harald Szeemanns von heute?
Juni
Auf der 54. Biennale von Venedig muss Tintoretto als kunsthistorische Krücke für eine kuratorische Idee herhalten. Doch die bröckelt so wie die Holzpfähle, auf denen die Stadt gebaut ist.
Mai
Die Shortlist des Turner-Preises steht fest – und ruft eine gewisse Verwunderung hervor. Nicht unbedingt wegen Karla Black, Martin Boyce und Hilary Lloyd, deren originelle Konzeptkunst vom Kunstbetrieb abgesegnet ist. Fragen wirft vielmehr der Kandidat George Shaw auf. Seine Emaillebilder mit Vorortmotiven lassen jede Weitsicht vermissen.
April
Für die einen ist es noch Konzeptkunst, für die anderen schon Skulptur: Die schwedische Künstlerin Nina Canell besticht mit Materialien, die in Auflösung begriffen oder bereits in einen anderen Zustand übergetreten sind. Was an Laborversuche erinnert, führt allerdings nicht zu eindeutigen Beweisen – sondern versetzt Raum und Gedanken in Schwingung.
John Bock steht für überbordende, raumfüllende und grotesk auswuchernde Installationen. Doch plötzlich ist alles anders: In der Galerie Klosterfelde geht es gespenstisch still zu – bis zu dem Moment, in dem sich Türen, Fenster und Fußleisten selbstständig machen.
Februar
Mit der Ausstellung „Surreale Dinge“ feiert die Frankfurter Schirn Kunsthalle das Fremde im Vertrauten. Mit seltsamen Objekten sticht sogar mancher große Unbekannte die Prominenz um Duchamp und Dalí aus.
Mehrere Ausstellungen widmen sich derzeit dem Surrealismus. Auch die junge Kunst bezieht sich mehr denn je auf Duchamp und sein Umfeld. Deshalb hat das artnet Magazin ein Dossier erstellt, das in den nächsten Wochen das Revival des Surrealismus ins Visier nimmt – und zu erstaunlichen Erkenntnissen kommt.
2010
Juli
Julia Kissina beschwört die Geister toter Künstler und agiert als deren Medium. Damit richtet sie sich gegen ein allzu rationales Bild der Kunst.
Ironie macht geschmeidig. Sie erlaubt dem Denken Pirouetten. In widersprüchlichen Zeiten wird Ironie deshalb zur gymnastischen Übung für die Kunst.
März
Täuschung klingt nach Betrug. Eine Ausstellung im Bucerius Kunst Forum Hamburg zeigt die Geschichte des Trompe-l’Œil aber als Denksportvergnügen.
2009
September
Wie viel Philosophie verträgt die Kunstkritik? Der Sammelband „ÄSTHETIK + POLITIK“ wagt sich an die Theorien Jacques Rancières und verschluckt sich daran.
August
Robert Flecks Geschichte der Biennale von Venedig ist eine Pionierleistung. Das Buch bietet eine Fülle wichtiger und vor allem überraschender Fakten. Der Blick in die Historie lohnt.
März
In kargen Zeiten bricht die Kunst gern Tabus. Poeten loben Mörder, Komponisten den Terror. Auch die Hamburger Kunsthalle kokettiert jetzt mit dem Tod.
Februar
Wer wissen will, warum die Kunstkritik unter Artenschutz steht, schaut Kulturfernsehen. Dort regiert der Debattennarzismus der populistischen Politik.
2008
Oktober
Nicht nur die linke Praxis, auch Kunst laboriert an der Ambivalenz karnevalesker Happenings. Oft stabilisieren sie die Verhältnisse, die sie verballhornen. Ein Sammelband widmet sich einem zweischneidigen Phänomen.
September
In virtuoser Manier inszeniert der Künstler Ming Wong in der Berliner MK Galerie die Bruchstellen zwischen der Idee und dem Klischee multikultureller Vielfalt.
So komplex die künstlerische Methode von Diango Hernández ist, so kann sie auch schon einmal ganz handgreifliche Züge annehmen.
André Niebur präsentiert in der Frankfurter Galerie Eva Winkeler seine sorgfältig austarierten Balanceakte zwischen Fläche und Raum.
Die Kölner Galerieeröffnungen "Cologne Open" überraschen mit hoher Qualität.
August
Gregor Hildebrandts Installationen im Garten des Berliner Hauses am Waldsee lassen auf Ton- und Videobändern Sonnenlicht und Erinnerungen spielen.
Gülsün Karamustafa gibt in Salzburg Einblick in die Welt der heimlichen Pantermode Istanbuler Frauen und beleuchtet die orientalische Form der Identitätssuche.
Nicht lang nach der Berlin Biennale hat Thea Djordjadze ihre erste größere institutionelle Einzelausstellung, ein Arrangement als Gesamtkunstwerk.
Um die Systemtheorie ist es stiller geworden. Dabei ist sie noch immer ein hochpräzises analytisches Werkzeug im Umgang mit Kunst.
Juli
Den Spuren der "taktischen Magie" in der Kunst geht eine Ausstellung im Frankfurter Kunstverein nach und fördert Interessantes zutage.
„Dreizehn Montagsgespräche“ führte die Kunsthistorikerin Wilma Lukatsch 2005 mit dem Fluxus-Künstler Tomas Schmit. Sie sind jetzt nachzulesen.
Achim Hoops Zeichnungen bei Adamski in Berlin zeigen die Bilder, die Filme im Kopf zurücklassen. Sie sind poetische, romantische Erinnerung.
Bei Arndt & Partner in Berlin liefern sich Susan Turcot und Douglas Kolk einen ebenso temperamentvollen wie wirksamen Vergleich.
Juni
Dingen, die eigentlich nicht greifbar sind, verleiht der Düsseldorfer Bildhauer Benjamin Houlihan greifbare Gestalt, zu sehen bei Thomas Rehbein in Köln.
Mit seinen Explosionswolken-Zeichnungen bei Susanne Vielmetter in Berlin erwischt Charles Gaines den Rezipienten auf seiner Suche nach Erklärungen.
Tim Rodas Fotografien bei den art agents in Hamburg sind mehr Theater als Film, mehr Hobbykeller als Hochglanz - und darin geheimnisvoll und faszinierend.
Mit literweise Nudelsuppe bewaffnet, übt Yuri Leiderman den Widerstand gegen künstlerische Form- und Sinnsuche.
Während die Messe sich an ihrer Hektik berauscht, herrscht in den Basler Galerien Bedächtigkeit. Nicht zum Schaden der Qualität.
Mai
Der traditionelle Kunststandort Frankfurt entwickelt sich zur Nische - allerdings zu einer höchst beständigen mit beachtlichem künstlerischem Anspruch.
Thomas Demand gilt als der Kopist, der Bilder in Karton nachbildet und dann fotografiert. Erstmals ist er dabei zum Reporter geworden.
Für die Künstlerin Alex Müller sind Jacques Tati, Paul Auster und Francisco de Goya "Os". Warum? Das ist in der Kölner Galerie Vera Gliem zu erfahren.
Das Buch „Wahlverwandtschaften“ thematisiert die Klischees, mit denen Künstlerinnen aus einer männlich dominierten Kunstgeschichte ausgeschlossen wurden.
Mark Leckey ist ein Informationssammler der Popkultur. Derzeit ist der Kölnische Kunstverein seine Wohnung, die er mit seiner Welt im Kopf möbliert.
April
Stereotype begegnen uns immer und überall, auch in der Videokunst. Eine Schau im Neuen Aachener Kunstverein präsentiert Filme wie aus dem Leben.
Warum ist der Film „Der Lauf der Dinge“ von Fischli und Weiss so komisch? Jeremy Millar widmet sich dieser Frage und sucht die Quellen des Humors.
War Christoph Keller daran schuld, dass es 2003 in New York ungewöhnlich oft regnete? Die Antwort darauf ist im Kunstverein Braunschweig zu suchen.
März
Eine Kunst, die es mit allem aufnehmen will, präsentiert Catherine Sullivan in der Kölner Galerie Christian Nagel.
Ist Kunst planbar? Für die heutige Variante konzeptueller Verfremdung lässt sich die Frage bejahen. Der programmierte Kunstgriff hat Konjunktur.
Die künstlerische Praxis der Moderne wurde immer wieder totgesagt, hat aber nur ihre Funktion gewechselt. Heute ist sie ein Forschungsinstrument.
Februar
Staub ist eine unordentliche Materie. Eine Berliner Ausstellung macht ihn sich zur Wissenschaftskritik zunutze.
Was ist Malerei, die nichts sein will als das, was sie ist? In Berlin zeigt der Maler Bernd Ribbeck einen Anschlag auf die Spaßkultur der Postmoderne.
Das Neue Museum Weserburg in Bremen präsentiert die erste institutionelle Einzelschau des Minimalisten Frank Gerritz in Deutschland.
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