24. Januar 2006
Die Anziehungskraft ruinöser Industriearchitektur auf die freie Kunstszene ist international, so auch in Shanghai. Seit Mitte 2003 wählten dort neben chinesischen auch rund ein halbes Dutzend ausländische Galerien die vom Verfall gezeichneten Gebäude eines 40.000 Hektar großen Fabrikareals an der Moganshan Road als Showrooms. Unprätentiös nennt man sich schlicht M 50. Angesichts der für chinesische Metropolen charakteristischen Beschleunigung und der radikalen Verdrängung gewachsener Strukturen durch zumeist gesichtslose Neubauten, lässt der Besuch des Kunstquartiers an der Moganshan Road tief durchatmen. Abseits vom geschäftigen Trubel des Shanghaier Zentrums und unweit der Windungen des Suzhou River zählt das Areal mittlerweile zu den kulturellen Highlights von Shanghai und auch zwei Jahre nach der Eroberung des Areals durch die Kunstszene herrscht noch rege Aufbruchsstimmung.
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Ulrike Münter