24. April 2006
China International Gallery Exposition (CIGE), China World Trade Centre, Beijing
12.–16. April 2006 Die Erwartungen waren hoch, nachdem am 31. März bei Sotheby’s in New York erstmalig das Bild eines zeitgenössischen chinesischen Künstlers – Bloodline Series: Comrade No. 120, 1998, von Zhang Xiaogang – für knapp eine Million Dollar versteigert worden war und auch die anderen chinesischen Angebote den Schätzpreis oft weit überstiegen hatten. Dass sich mit chinesischer Gegenwartskunst Geld verdienen lässt, haben auch die Regierungsvertreter – in China muss eine Kunstmesse durch das Kulturministerium genehmigt werden – verstanden.
So gab es im Vorfeld der 3. China International Gallery Exposition (CIGE) einige Aufregung: Als die Offiziellen versuchten, diverse Galerien mit „ihren Künstlern“ auf der Messe zu platzieren, trat der bisherige Organisator Dong Mengyang zurück und mehrere der prestigeträchtigsten Galerien sagten ihre Teilnahme ab. Der neu eingesetzten Direktorin Wang Yihan gelang es mit finanzieller Unterstützung taiwanesischer Galerien die Messe zu sichern, auf der sich in diesem Jahr 98 Galerien aus 14 Ländern mit fast 4000 Kunstwerken präsentierten.
Zum ersten Mal nahmen die altehrwürdige New Yorker Marlborough Gallery, die gleich mehrere Gemälde und Skulpturen von Fernando Botero, eine Picasso-Zeichnung von 1921 und ihre chinesischen Künstler Tie Ying, Wang Keping und Yun Gee zeigte, sowie die renommierte Kukje Galerie aus Seoul mit Werken von Ghada Amer, Louise Bourgeois, Candida Höfer, Gerhard Richter und bekannten koreanischen Künstlern teil. Die Messe wird vorwiegend von chinesischem Publikum besucht und chinesische Kunst verkauft sich dort am besten. Die knalligen Porträts junger Chinesinnen mit leuchtend rotem Schmollmund des Malers Feng Zhengje (ab 20.000,- US-Dollar), der hier gleich von vier Galerien vertreten wurde (Gallery Hyundai, Seoul; Marella Gallery, Beijing; Shine Art Space, Shanghai; Xin Dong Cheng Space for Contemporary Art, Beijing) waren jedenfalls nach wenigen Stunden komplett vergriffen.
Sehr zufrieden gaben sich auch die europäischen Galerien, die seit mehreren Jahren eine – durch chinesische Mitarbeiter florierende – Dependance in Beijing unterhalten. Bei Alexander Ochs, Berlin/Beijing, mit seinen Stars Yang Shaobin und Wang Guangyi sah man nur noch rote Punkte und sein Kojennachbar Urs Meile aus Luzern, der seit 2003 mit CAAW – China Art Archives & Warehouse, einer der kompetentesten Institutionen für zeitgenössische chinesische Kunst in Peking – zusammenarbeitet, war blendender Laune ob der großen Nachfrage nach seinen Künstlern.
Von den sechs deutschen Teilnehmern waren Bärbel Grässlin, Frankfurt, und Christian Nagel, Köln/Berlin, zum zweiten Mal mit einem Gemeinschaftsstand zur CIGE angereist, und obwohl Nagel im vergangenen Jahr keine Umsätze vermelden konnte, will er auch im kommenden Jahr wieder dabei sein, um die chinesische Kundschaft langsam mit seinem Programm vertraut zu machen, aus dem er vorwiegend Tierbilder von Cornelius Quabeck und Gemälde von Hans-Jörg Mayer, aber auch eine ganze Wand mit den lustvollen bunten Arbeiten der chinesischen Malerin Jiang Congyi zeigte.
Malerei dominierte die Messe, vereinzelt gab es Fotografie und Skulpturen zu sehen. Die einzige Videoarbeit History of Chemistry, 2004, ein 29-minütiger Schwarzweißfilm von Lu Chunshen (Ed. 5, 25.000,- US- Dollar), wurde von ShanghART vorgeführt. Der Schweizer Gründer dieser ersten unabhängigen Galerie in Shanghai, Lorenz Helbling, vertritt mehr als 30 aus China stammende Künstler und ist ein Pionier auf seinem Gebiet. In diesem Herbst feiert er sein zehnjähriges Galerie-Jubiläum.
Damit der Markt für chinesische Kunst im Aufschwung bleibt und das Interesse an internationaler Kunst hoffentlich wächst, wird es noch in diesem Jahr eine zweite Kunstmesse in Peking geben. Der ehemalige Direktor der CIGE, Dong Mengyang, hat eine neue Schau ins Leben gerufen. Sie soll rund um den chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober stattfinden, in der so genannten „Golden Week“. Seit 1999 gibt die Regierung zu diesem Datum allen Chinesen eine Woche frei, um den Binnentourismus anzukurbeln. Goldene Zeiten also für die Kunst in China.