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Kunst und Markt

Geld und Kunst sind gleichermaßen abstrakte Bereiche menschlichen Zusammenlebens. Eines lässt sich gegen alles eintauschen, das andere entzieht sich den ökonomischen Gesetzen soweit, dass es genauso symbolisch wird. Die Spannung zwischen Tausch und Symbol erzeugt eine Arena menschlicher Begierden und exaltierter Überbietungsstrategien. Welche Regeln in diesem Feld gelten, welche man brechen muss, um erfolgreich zu sein, untersuchen die artnet Autoren in diesem Dossier.

Dass ausgerechnet Joseph Goebbels zuletzt lachen solle, könne er sich kaum vorstellen, meinte im Juni 2006 Gary Osen, der Anwalt von Peter Sachs. Dieser hatte Restitutionsansprüche auf die Plakatsammlung seines Vaters geltend gemacht. Letzte Woche empfahl die Limbach-Kommission, die Werke im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu belassen. Über die juristischen Hintergründe und die Unterschiede zum Fall Kirchner klärt Anna Blume Huttenlauch auf.

Mit dem Ellbogen durchs Bild, mit dem Kopf durch die Wand. Der amerikanische Kasino-Milliardär Steve Wynn zerstörte letztes Jahr seinen zuvor an den New Yorker Hedge-Fondsmanager Steve Cohen für 139 Mio. US-Dollar verkauften Picasso. Der Deal platze. Nun verklagt er seine Kunstversicherung auf 54 Mio. Schadenersatz und könnte damit durchkommen. A valuation nightmare? – fragt Marc Spiegler.

Darf Kunst mehr als Kunst sein? Im Moment steht sie bei Unternehmen hoch im Kurs als Gewinn für die Binnenkommunikation oder auch als Garantin einer repräsentativen Außenwirkung. Warum immer mehr Konzerne Kunstpreise stiften hat Anne Marie Freybourg am Beispiel von DaimlerChrysler Financial Services erkundet.

Am 1. Oktober wollen sich Susanne Prinz und andere Verantwortliche des auf dem ART FORUM BERLIN der Diskussion stellen. Das Fondsmodell zur Altersvorsorge von Kunstschaffenden macht sich die Werststeigerung „eingezahlter“ Kunstwerke zu Nutzen – und damit Furore. Werden die beteiligten Künstler tatsächlich einmal gut gepolstert in Rente gehen können? Die allgemeine Kunstmarkt-Verträglichkeit sowie die Risiken und Nebenwirkungen des Modells sind heftig umstritten. Jens Hinrichsen hat die wichtigsten Hintergründe zusammengestellt.

Vom Rückblick zum Ausblick: In seinem Vortrag „Ausverkauf der Moderne“ vor dem Bundesverband Deutscher Galeristen ließ Rudolf Zwirner die Geister der Vergangenheit lebendig werden, nun interessiert die Frage, wie er die Zukunft des Kunstmarktes sieht. Ein Interview von Frank Frangenberg.

Im letzten Kapitel seines Rückblicks auf die Entwicklung des Kunsthandels seit 1945 widmet sich Rudolf Zwirner der Figur des Sammlers. Auch sie hat sich in den Jahren gewandelt. Die neuen Vertriebswege im Internet, Online-Plattformen des Kunsthandels, erlauben dem Sammler rund um die Uhr, jeden Tag im Jahr, seiner Leidenschaft nachzugehen.

Im vierten Kapitel seines Rückblicks auf die Entwicklung des Kunsthandels seit 1945, überschrieben „Ausverkauf der Moderne“, skizziert Rudolf Zwirner, ehemals Doyen der deutschen Kunsthändler, wie die Auktionshäuser zu unmittelbaren Konkurrenten der Galerien wurden.

Heute eröffnet die 37. Art Basel, eines der wichtigsten Ereignisse der Kunstwelt, Treffpunkt für Galeristen und Sammler aus der ganzen Welt. Rudolf Zwirner, der die Geister gerufen hat als Begründer des ersten Kunstmarktes überhaupt 1967 in Köln, erzählt im dritten Kapitel seines Rückblicks auf die Entwicklung des Kunstmarkts, wie es damals dazu kam.

„Ausverkauf der Moderne – die Entwicklung des Kunsthandels seit 1945“ ist Rudolf Zwirners Rückblick überschrieben. Im zweiten Kapitel widmet sich der ehemalige Kunsthändler dem Wandel der Galerie vom Ausstellungs- und Verkaufsraum zum künstlerischen Ereignisraum.


Die auf Betreiben der Genfer Handelsfirma Noga beschlagnahmten Gemälde aus dem Besitz des Moskauer Puschkin Museums sind am Mittwochabend freigegeben worden. Anlass für das Einziehen der französischen Meisterwerke des Impressionismus, die noch bis zum vergangenen Wochenende in einer Sonderschau der Fondation Gianadda im walliserischen Martigny bewundert werden konnten, ist ein langjähriger Rechtsstreit von Noga mit dem russischen Staat, in dem es um in den 1990er Jahren angeblich nicht bezahlte Rechnungen für Lebensmittellieferungen in der Höhe von 1,1 Milliarden Franken (711 Millionen Euro) geht. Der geschätzte Gesamtwert der beschlagnahmten Gemälde belief sich auf rund 880 Millionen Euro.


In den letzten Wochen tönte es einem schon aus den Gazetten entgegen: Kunstklau bei Getty, Köpfe rollen, Beschuldigungen machen die Runde. Dabei muss man nun wirklich kein Insider sein, um zu begreifen, dass dies nur die Spitze eines Mega-Eisbergs ist. Und jeder, der über einen namhaften Ankaufsetat verfügt, namentlich für ältere Kunst, ist schon mal mit den mafiösen Strukturen einer Kunstmarktwelt konfrontiert worden, wo sehr schnell sehr viel Champagner fließt und alle gute Laune haben. Diese Welt ist kleiner als manchem recht ist und Indiskretionen sind schon deswegen nicht angesagt, weil der, der wissen will, wer die "usual suspects" sind, einfach mal seine Denkmaschine anwerfen und sich fragen muss: Wie funktioniert denn das?

Nie ging die Kunstszene so locker mit Geld um, wie es derzeit der Fall ist. Doch locker oder nicht, die Menschen sind frustriert. Im Vertrauen sagen die meisten, dass die Ausstellungen, die sie besuchen, unbedenklich und konservativ seien. Dennoch sind die meisten Kritiken enthusiastisch oder bestenfalls beschreibend. Zu viele Kritiker handeln wie Cheerleader, Reporter oder angesagte Metaphysiker. Inmitten der Kunstmessen-Ekstase, der Auktions-Tollheit, der Geldgier und des Marktrummels, zwischen Galerien, die sich in Verkaufsmaschinen verwandeln, wo Gequatsche als Kritik durchgeht und Kunst zu einem guten Job wird, fühlt sich das System gestört, ja sogar unecht, während es eigentlich gut funktioniert. Vielleicht war das immer so, aber heute scheint es mehr denn je so zu sein. Jetzt gleicht das System Gegebenheiten ab, mit denen es vertraut ist, es verhält sich nachlassend gegenüber bekannten Positionen, produziert Pathogene seiner selbst. Die gute Nachricht ist, dass viele Leute bereit zu sein scheinen, etwas gegen die Situation zu unternehmen, anstatt da bloß irgendwie durch zu kommen. Die Dinge brodeln.

Wir haben es bei Kunstwerken mit ökonomisch nicht ganz alltäglichen Objekten zu tun. Anders jedenfalls ist kaum zu erklären, weshalb der Kunstmarkt durch eine Vielzahl von Verhaltensabweichungen der an ihm Beteiligten gekennzeichnet ist. So liegt beispielsweise alles andere als berechnendes Verhalten vor, wenn private Museen Bilder nicht verkaufen, obwohl sie sie niemals zeigen. Reine Sammler bestimmen gegenüber reinen Vermögensanlegern große Bereiche des Kunsthandels und kaufen ohne Rücksicht darauf, ob sie auch wieder profitabel verkaufen können. Sie verlassen den Markt nicht gleich bei jedem Stimmungsumschwung, sondern üben sich in ästhetischem Gleichmut gegenüber seinen Risiken. Warum tun sie das? Normale Waren lassen aufgrund ihrer funktional-technischen Eigenschaften hinreichende Schlüsse auf den Wert des Konsum- oder Investitionsobjektes zu, Kunst nicht. Vielleicht macht man soziologisch und ökonomisch ja schon den ersten Fehler, wenn man annimmt, dass es auf einem Markt überhaupt um Dinge geht? Immerhin könnte es ja sein, dass das, wofür Preise verlangt und bezahlt werden, bloß bestimmte Eigenschaften der jeweiligen Dinge sind?

Wir haben es bei Kunstwerken mit ökonomisch nicht ganz alltäglichen Objekten zu tun. Anders jedenfalls ist kaum zu erklären, weshalb der Kunstmarkt durch eine Vielzahl von Verhaltensabweichungen der an ihm Beteiligten gekennzeichnet ist. So liegt beispielsweise alles andere als berechnendes Verhalten vor, wenn private Museen Bilder nicht verkaufen, obwohl sie sie niemals zeigen. Reine Sammler bestimmen gegenüber reinen Vermögensanlegern große Bereiche des Kunsthandels und kaufen ohne Rücksicht darauf, ob sie auch wieder profitabel verkaufen können. Sie verlassen den Markt nicht gleich bei jedem Stimmungsumschwung, sondern üben sich in ästhetischem Gleichmut gegenüber seinen Risiken. Warum tun sie das? Normale Waren lassen aufgrund ihrer funktional-technischen Eigenschaften hinreichende Schlüsse auf den Wert des Konsum- oder Investitionsobjektes zu, Kunst nicht. Vielleicht macht man soziologisch und ökonomisch ja schon den ersten Fehler, wenn man annimmt, dass es auf einem Markt überhaupt um Dinge geht? Immerhin könnte es ja sein, dass das, wofür Preise verlangt und bezahlt werden, bloß bestimmte Eigenschaften der jeweiligen Dinge sind?

Am Neuen Museum in Nürnberg herrscht Verstimmung. Direktor Lucius Grisebach sieht sich gezwungen, einen Großteil der Sammlung des Kölners Rolf Ricke verloren zu geben. Mit ihren 198 Exponaten gehörte die Sammlung seit Museumsgründung zu seinem ideellen Bestand – aber sie war nur geliehen, zunächst von Rolf Ricke selbst. Der verkaufte 170 der Kunstwerke im Sommer 2002 an die Cologne Art Investment Ltd. und mit diesem Konsortium bekam Grisebach im Frühjahr 2005 Ärger. In einer Art Befreiungsschlag kündigte er im Juni den Vertrag mit den neuen Besitzern, da, wie es in der dazugehörigen Presseerklärung hieß, die Kollektion „Gegenstand eines Spekulationsgeschäftes“ geworden sei. Wer in diesem Spiel welche Hintergedanken und welche Hoffnungen hegt, ist nicht auszumachen, zumal die Kommunikation zwischen einigen Akteuren empfindlich gestört ist. Bleibt die Dynamik des Kapitalmarktes wirklich außen vor? Und wie wird Ricke reagieren, wenn das Konsortium seine Sammlung noch in diesem Jahr mit kräftigem Zugewinn verkaufen sollte? Glücklich über den sich anbahnenden Verkauf seiner Sammlung dürfte er ohnehin nicht sein: Er hat stets betont, dass eine Teilung für ihn nicht in Frage kommt.

Die Generali Foundation
Kultur und Wirtschaft rücken in diesen Jahren immer näher zusammen und das nicht nur aus Gründen der Finanzknappheit in der staatlichen und föderalen Kulturförderung. Unter dem Zauberwort „Corporate Cultural Responsibility“ investieren Unternehmen und Konzerne einen Teil ihres wirtschaftlichen Erfolges in die Kunst – so auch die österreichische Versicherungsgruppe Generali mit ihrer bereits 1988 gegründeten Generali Foundation. Heute kann sich die Foundation als eigenständige museale Institution präsentieren – mit einem Sammlungsbestand, der gesellschaftskritische Themen besetzt und im Grunde nichts mit der Repräsentationspolitik manch anderer Unternehmen, die sich der Kunst widmen, zu tun hat. Wird sich durch die unterschiedlichsten von der Wirtschaft initiierten Kunst-Projekte am Ende auch die Kunst verändern?

Seit der an zwei Küsten agierende New Yorker Kunsthändler Christian Haye Anfang März mit seiner Galerie The Project eine 1,7 Millionen Euro teure Klage gegen den Schweizer Kunstsammler Jean-Pierre Lehmann verloren hatte, schien es nur einen möglichen Ausgang der Ereignisse zu geben. Neben einem Widerspruch gegen das Urteil verblieb als einzige Alternative der strategische Konkurs, wie Walter Robinson in den artnet News vom 4. März spekulierte. Und nach den Worten Hayes ist es auch das, was mehr oder weniger geschehen ist.

Kunst ist eine Wachstumsbranche. Noch nie gab es so viele Künstler, so viele Galeristen und so viele Museen. Damit hätte die Kunst gewonnen, so könnte man denken, und die alte Utopie, Kunst ins Leben umzugießen, sei wahr geworden. Doch wir haben es seit einiger Zeit nicht mehr mit nur einer Kunstwelt zu tun. Kunst ist auf dem besten Wege, eine Kulturindustrie zu werden. Sie bekommt damit die Chance, die zuvor der Musik und dem Sport vergönnt wurde. Nachdem die Kunst die verschiedensten Besuchergruppen angezogen hat, ist nun der Moment gekommen, in einen sinnvollen Austausch zu treten. Wenn wir den prognostizierten Übergang von der Gutenberg-Galaxis zu einem Bilderkosmos ernst nehmen wollen, ist es höchste Zeit, unser Sensorium für die unterschiedlichen Wirkungsmächte von Bildwerken zu schärfen.

Am 2. März fiel das Urteil: 1,7 Millionen US-Dollar Schadensersatz muss The Project, die Galerie von Christian Haye, an den Sammler Jean-Pierre Lehman zahlen.

Wäre man Zyniker, würde man sagen, dass es ein Galerist erst dann wirklich geschafft hat, wenn ein Sammler ihn auf 1 Million Dollar verklagt. In diesem Sinne hat es die New Yorker Galerie The Project geschafft. Sie wurde 1998 von Christian Haye in Harlem gegründet und zog vor kurzem in die 57. Straße - die renommierte Adresse für Galerien. Mit einer Leihgabe von 75.000,- US-Dollar unterstützte der Schweizer Sammler Jean-Pierre Lehman, dessen Frau Rachel Lehman Partner in der Lehman-Maupin Gallery ist, das Projekt. Die Geldleihe war mit einigen, sagen wir, ungewöhnlichen Konditionen verbunden, die zu einem Scheitern der Vereinbarung Anfang 2004 führten. Lehman reichte darauf hin eine Klage auf Schadensersatz über 1.140.000,- US-Dollar gegen The Project, Christian Haye und die Direktorin der Galerie, Jenny Liu, ein. Es sieht nicht gut aus für den einnehmenden jungen Galeristen.

Geld und Kunst sind gleichermaßen abstrakte Bereiche menschlichen Zusammenlebens. Eines lässt sich gegen alles eintauschen, das andere entzieht sich den ökonomischen Gesetzen soweit, dass es genauso symbolisch wird. Die Spannung zwischen Tausch und Symbol erzeugt eine Arena menschlicher Begierden und exaltierter Überbietungsstrategien. Welche Regeln in diesem Feld gelten und welche man brechen muss, um erfolgreich zu sein, untersucht artnet Autorin Anne Marie Freybourg.

Vor meinem inneren Geldauge entfaltete sich die glitzernde Aura des Kunstmarktes und die magische Attraktivität der Kunstwerke. Ich wollte diesmal zeitgenössische Kunst kaufen. Doch quälte mich noch die Frage: Macht es ökonomisch Sinn, Kunst zu kaufen? … Irritierend bei der Kunstinvestition ist, dass der Kunstmarkt mit Messen, Auktionen und Handel - so sagen alle - extrem intransparent ist.