9. Februar 2012
Wir Menschen interessieren uns für andere Menschen. Die meisten Filmstorys – ob im Spiel- oder Dokumentarfilm – kreisen um Schicksale, unser Leben und Tun. Auf der diesjährigen Berlinale stellt eine ganze Reihe von Dokumentarstreifen den Künstler ins Zentrum. Corinna Belz gewährt in Gerhard Richter Painting seltene und intime Einblicke in das Atelier und die Arbeit des legendären Malers, dessen mit Spannung erwartete Ausstellung „Panorama“ in diesen Tagen in der Neuen Nationalgalerie in Berlin eröffnet. Alison Klaymans Dokumentation Ai Weiwei: Never Sorry feiert Weltpremiere. Brigitte Kramer begleitete mit der Kamera die Künstlerin und Regisseurin Ulrike Ottinger. Innenblicke in das private Leben des Fotografen und Filmemachers Anton Corbijn, eines der Jury-Mitglieder der diesjährigen Berlinale, verspricht Klaartje Quirijns' „Anton Corbijn Inside Out“.Zu den Highlights in dieser Reihe filmischer Künstlerporträts zählt Matthew Akers Dokumentation über die Performance-Ikone Marina Abramović, zu sehen in der Sektion Panorama. Monatelang begleitete sein Filmteam die Künstlerin auf Schritt und Tritt – vor, während und nach ihrer großen Ausstellung 2010 im New Yorker MoMA, wo sie mit ihrer Performance The Artist is Present für die gesamte Ausstellungsdauer und im stillen Dialog mit dem Publikum anwesend war.Das 2006 ins Leben gerufene Forum Expanded lotet die Grenzen zwischen Film und Kunst aus, in diesem Jahr mit dem Fokus auf der Film-Avantgarde. 37 Werke bilden das Programm mit Ausstellungen, Filmen und Performances. Im HAU 2 präsentiert Harun Farocki den vergessenen Film La Verifica Incerta von Gianfranco Baruchello und Alberto Griffi (Italien 1963). Im anschließenden Vortrag analysiert Farocki die Found-Footage-Ästhetik dieses Films, die er in Beziehung zu seinem eigenen künstlerischen Schaffen setzt.In der Reihe Berlinale Shorts wird der 23 Minuten lange Film Say Goodbye to the Story (ATT 1/11) aus dem Nachlass des 2010 verstorbenen Aktionskünstlers, Theater- und Filmregisseurs Christoph Schlingensief zu sehen sein. Berlinale Talent Campus präsentiert am 14. Februar im HAU 1 zeitgenössische Videokunst aus dem Libanon mit Mahmoud Hojeij, Ahmad Ghossein und Gheith Al-Amine.Die Nähe zur Kunst zeigt sich oftmals in Medienreflexionen, die die Regisseure anstellen. In Laure Prouvosts Betty Drunk, zu sehen beim Forum Expanded, appelliert die weibliche Protagonistin in die Kamera: „Aber ich fühl mich immer noch wie ein Bild. Du kannst mich doch nicht anfassen, oder?“, und schreit die simple Wahrheit aus der Seele, dass auch die bewegten Filmwelten lediglich aus Bildern bestehen.
Film- und Zeitliste:
„Gerhard Richter Painting“ – Dienstag, 14.02.2012 um 11:30 Uhr im CinemaxX
„Ai Weiwei: Never Sorry“ – Sonntag, 12.02.2012 um 15:00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele / Montag, 13.02.2012 um 18:00 Uhr im Cubix
„Ulrike Ottinger – die Nomadin vom See“ – Mittwoch, 15.02.2012 um 17:00 Uhr und Donnerstag, 16.02.2012 um 12:00 Uhr im CineStar / Freitag, 17.02.2012 um 15:30 Uhr, Colosseum
„Anton Corbijn Inside Out“ – Freitag, 17.02.2012 um 18:00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele
„Marina Abramović. The Artist is Present“ – Samstag, 11.02.2012 um 17:00 Uhr im International / Sonntag, 12.02.2012 um 12:00 Uhr und Samstag, 18.02.2012 um 17:00 Uhr im CineStar / Sonntag, 19.02.2012 um 15:30 Uhr im Colosseum
„La Verifica Incerta“ – Dienstag, 14.02.2012 um 20:00 Uhr im HAU 2
„Say Goodbye to the Story (ATT 1/11)“ – Freitag, 10.02.2012, Dienstag, 14.02.2012 um 22:00 Uhr und Freitag, 17.02.2012 um 16:00 Uhr im CinemaxX / Mittwoch, 15.02.2012 um 17:45 Uhr im Colosseum
„Beirut Calling: Contemporary Video Art From Lebanon“ – Dienstag, 14.02.2012 um 19:30 Uhr im HAU 1
„Betty Drunk“ – Sonntag, 12.02.2012 um 17:30 Uhr im Kino Arsenal / Samstag, 18.02.2012 um 16:00 Uhr im CinemaxX