Kunst und Fälschung

Im größten Fälschungsskandal der Nachkriegszeit um die erfundenen Sammlungen „Knops“ und „Jägers“ steigt die Zahl der betroffenen Bilder stetig an. Der Handel ringt derweil um das Vertrauen der Kunden und steht vor der Frage, wie ein derartiges Debakel in Zukunft vermieden werden kann. Das artnet Dossier hilft bei der Suche nach Antworten.


Nicht noch ein Skandal. Chinas Kunstwelt steht Kopf: Ist das berühmte Tuschegemälde Adler auf Kiefer von Qi Baishis vielleicht eine Fälschung? 2011 wurde es zum Rekordpreis von umgerechnet 47 Millionen Euro versteigert. Nun mehren sich die Gerüchte über den angeblichen Betrug und eine Internetgemeinde liegt im Streit.

Die Geschichte des Deutschen, der sich unter dem Namen Clark Rockefeller bis in die höchsten New Yorker Kreise log, ging um die Welt. Doch wo ist eigentlich die aufsehenerregende Kunstsammlung des Hochstaplers geblieben, die ihm seine Legitimation gab und jahrelang die Experten entzückte? Mark Seal, Autor des eben erschienen Buches zum Fall, im Interview.

Der Fälscherprozess am Kölner Landgericht ist beendet. Alle Angeklagten kommen glimpflich davon. Und nicht nur das: Der Vorgang endet mit freundlichem Schulterklopfen. artnet war beim Urteilsspruch dabei.

Was für eine Ernüchterung: Im Prozess um den größten Kunstfälscherskandal der deutschen Nachkriegszeit wird es keine Befragung der ursprünglich 168 geladenen Zeugen geben. Ob der vom Gesetz geforderten „rückhaltlosen Aufklärung“ damit genüge getan ist, darf stark bezweifelt werden.

Der große Kölner Kunstfälscherprozess nimmt seinen Lauf. Doch zunehmend mehren sich Zweifel an der Vollständigkeit der Geständnisse der Angeklagten. Und auch die Staatsanwaltschaft mahnt die geforderte Aufklärung durch das Gericht an. Für den Kunstmarkt steht viel auf dem Spiel.

Im Kunstfälscherskandal legt Wolfgang Beltracchi ein weitreichendes Geständnis ab. Ein Deal mit der Staatsanwaltschaft, der ihm eine geringere Strafe gewähren soll. Für den Angeklagten mag die Verständigung eine angemessene Erledigung sein, für den Kunstmarkt ist sie eine Enttäuschung.

Der Prozess um den größten Fälscherskandal der Nachkriegsgeschichte geht in die zweite Runde. Bisher stehen dort vor allem die persönlichen Umstände der Angeklagten im Fokus. Während die der Fälschung bezichtigten Eheleute Beltracchi in der Manier von Luxushippies durch Südeuropa zogen, scheiterte in Ägypten ihr mutmaßlicher Mittelsmann mit Werkzeugverkäufen. Die Legendenbildung hat begonnen.

Immer wieder Campendonk. Der mutmaßliche Fälscher Wolfgang Beltracchi hat offenbar bereits in den 1980er-Jahren gefälschte Werke in den Handel geschleust. Nun ist ein weiteres hochpreisiges Werk enttarnt worden. Betroffen davon ist diesmal das Sprengel Museum in Hannover.

Der Prozess um den größten Fälscherskandal der Nachkriegsgeschichte hat heute begonnen. Gut gelaunt erschien der Hauptangeklagte vor dem Kölner Landgericht. Ein Prozessbericht von artnet.

Am Donnerstag beginnt am Kölner Landgericht der Prozess um den Kunstfälscher-Skandal „Sammlung Jägers“. In 40 Verhandlungstagen geht es um den Handel mit 14 vorgeblich hochkarätigen Bildern. Was die mutmaßlichen Fälscher wann an wen verkauften, lesen Sie hier.

Demnächst beginnt der Prozess im größten deutschen Kunstfälschungsskandal um die fiktive „Sammlung Jägers“. Zeit, sich ein paar Vokabeln anzueignen. Denn was ist eigentlich der genaue Unterschied zwischen Fälschung, Falsifikat und Plagiat? Das artnet Glossar „Kunst und Fälschung“ hat die wichtigsten Begriffe zusammengestellt.

Jedes Metier hat seine Tücken. Auch der Kunsthändler auf dem Sekundärmarkt läuft gelegentlich Gefahr, unter Risiken und Altlasten in Sorge oder gar massive Probleme zu geraten, wie der aktuelle Fall um die Fälschungen der „Sammlung Jägers“ beweist. Dabei hat die Rechtsprechung längst festgelegt, wie die Spielregeln lauten.

Schlecht imitierte Etiketten, Rechtschreibfehler, mehrere Rahmen aus demselben Holz. Ein bisschen mehr Detektivgespür zur rechten Zeit hätte die gefälschten Bilder der Sammlungen „Jägers“ und „Knops“ anhand der massiven Fehler auf deren Rückseiten auch früher enttarnen können. Die Provenienzforscherin Ute Haug von der Kunsthalle Hamburg beschäftigt sich seit Jahren mit den Hinterseiten der Bilder. Im artnet Interview erklärt sie, weshalb auch ein Rücken stets entzücken sollte.

Kunstfälschen ist der Schelmenstreich im klassischsten Sinne, der Kopist selber oft ein Sympathieträger. Manchen lud man nach rechtskräftiger Verurteilung gar zu Ausstellung und Sektempfang ins Ministerium ein. Was ist es, das den Fälscher in der öffentlichen Wahrnehmung vom profanen Kriminellen abhebt? Eine Spurensuche.

Im Fall der fiktiven „Sammlung Jägers“ ist nach monatelangen Ermittlungen Anklage erhoben worden, wie heute bekannt wurde. Den vier mutmaßlichen Fälschern wird bandenmäßiger Betrug und Urkundenfälschung in 14 Fällen vorgeworfen. In 33 weiteren Fällen und gegen drei weitere Personen wird noch ermittelt. Was bedeutet das für den Handel?

Reputation ist die wichtigste Währung auf dem Kunstmarkt. Mit einem Frühwarnsystem geht der Bundesverband deutscher Kunstversteigerer nun aktiv gegen Fälschungen vor. Über das „Archiv kritischer Werke“ sprach Isa von Bismarck-Osten mit Markus Eisenbeis, Inhaber des Auktionshauses VAN HAM in Köln und Initiator des Projektes.

Geschützt wird, was einem lieb und teuer ist. artnet sprach mit Versicherer Stefan Horsthemke von AXA Art, Hauptsponsor der TEFAF in Maastricht, über Fälschungen, Kurioses sowie über die Katastrophe in Japan.

Da, wo alles möglich und ein Urteil schwierig ist, vertraut unsere Gesellschaft dem Expertenrat. Auf kaum einem Gebiet ist er so gefragt und so wenig standardisierbar wie in der Kunst. Die Abhängigkeit von subjektiver Erfahrung macht die Expertise häufig zu einer Frage persönlicher Autorität. Anna Blume Huttenlauch fragt deshalb nach der Haftung der Kunstexperten und zeigt ihre Grenzen auf.

Alles sieht danach aus, als stünde ein großer Fälschungsskandal bevor. Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens wegen zahlreicher Campendonk-, Ernst- und Pechstein-Fälschungen. Nahezu perfekte Nachahmungen wurden jahrelang auf den Markt gebracht und täuschten auch renommierte Experten. Stefan Kobel und Gerrit Gohlke berichten über den Fall und fordern mehr Anreize für museale Recherchen.

Bei Bronzeabgüssen haben Fälscher leichtes Spiel. Täuschend echte Abgüsse von Originalgüssen sind auch für Kenner kaum von Originalen zu unterscheiden. Noch schwieriger wird die Lage, wenn Künstler oder Erben sorglos mit den Gussformen umgehen oder gar spätere Abgüsse autorisieren. Ein aktueller Fälschungsfall wirft ein Schlaglicht auf diese Praxis. Friederike Gräfin von Brühl erinnert an Hintergründe und rechtliche Risiken.