Kunst in China

Zwischen Globalisierung und Goldgräberstimmung folgt die Kunst dem internationalen Kapital. Das Land der Ein-Kind-Ehe erlebt gerade einen ökonomischen und kulturellen Aufbruch, der ohne Gleichen ist. Für viele Mutige eröffnen sich Chancen im Vakuum rechtsfreier Räume, andere verharren in vorindustriellen Verhältnissen oder stürzen ab. Was passiert in einem Land, das, aller Traditionen weitgehend beraubt, sich kulturell neu orientiert? Welche „produktiven“ Missverständnisse entstehen zwischen westlich kodierten Kunstverwertungsstrukturen und neuesten Produktionsmöglichkeiten chinesischer Künstler? Die artnet Autoren berichten über die Labore und Präsentationsstätten der neuen Künstler.

Qi Baishi ist der Andy Warhol Chinas. Jedenfalls, was das Gesamtvolumen seiner Werke auf dortigen Auktionen angeht. Wer über den chinesischen Auktionskaufrausch recherchiert, stolpert unweigerlich auch über den Namen des 1957 verstorbenen Künstlers, der bei uns kaum jemandem bekannt ist. Weshalb erreichen seine Bilder umgerechnet Preise von bis zu 47 Millionen Euro? Eine Spurensuche.

Was macht die Kunst in Peking? Neuigkeiten aus erster Hand über laufende Ausstellungen, aktuelle Entwicklungen sowie neue Namen von Galerien und Künstlern in der chinesischen Hauptstadt. Ein Rundgang.

Kaum etwas haben Kunstwelt und Medien in der vergangenen Zeit mit so großer Leidenschaft verfolgt wie die Verhaftung und Freilassung des regimekritischen chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Fast drängt sich einem der Gedanke auf, er sei der einzig politisch arbeitende Künstler ganz Chinas. Doch das Spektrum der sich Regenden reicht viel weiter.

In Deutschland hat er das Image eines Märtyrers, der sich furchtlos gegen das chinesische Regime stemmt. In China selbst gilt er den einen als mutiger Außenseiter und Avantgardist, den anderen als Geschäftsmann, den man für seine Kunst und seinen Lebensstil anklagt. Doch wer ist Ai Weiwei eigentlich wirklich?

Auf Chinas Kunstmarkt werden die Karten neu gemischt. Hongkong punktet mit ehrgeizigen Museumsgründungen. Auch die dortige Frühjahrsmesse ART HK ließ die Konkurrenz aus Peking hinter sich. Die meisten Abschlüsse gab es in der einstigen Kronkolonie. Nach den großen Herbstmessen Asiens könnte sich die Messelandschaft Chinas konsolidieren. Eine Analyse von Robin Peckham.

Vorstellung und Wirklichkeit liegen oftmals weit auseinander. In China, so liest man überall, boomt die zeitgenössische Kunst. Das stimmt zwar auch, doch der Auktionsmarkt erzählt noch eine andere Geschichte. Hier werden die Umsätze vor allem mit chinesischer Kunst der Moderne und mit Antiquitäten erzielt. Robin Peckham analysiert die jüngsten Trends auf dem Auktionsmarkt in Peking, Taiwan und Hongkong.

Chinesen kaufen Kunst, aber vorwiegend alte. Besonders im Bereich der Antiquitäten und des Kunsthandwerks erzielen chinesische Auktionen Rekordzuschläge. Vielleicht schützen sich die Käufer so vor Kontroversen in der zeitgenössischen Kunst, wo die junge Avantgarde häufig mit gesellschaftlichen Harmoniebedürfnissen kollidiert oder, wie zuletzt geschehen, einen Urheberrechtsstreit riskiert. Birgit Hopfener hat die News.

In China findet ein Generationswechsel statt. Gerade verstarb Wu Guanzhong, der „Vater der Moderne“. Zielte Wu in seinem Werk auf die Verschmelzung von Ost und West, suchen jüngere Kuratoren nach dem spezifisch Chinesischen. Gleich zwei Ausstellungen in Schanghai und Hongkong betonen die kulturellen Eigenheiten der abstrakten asiatischen Kunst. Birgit Hopfener hat die News.

China ist ein schwieriger Partner. Zwar hat das Land im internationalen Kunstbetrieb spekulative Fantasien geweckt. Mit künstlerischer Eigenständigkeit tut sich der zensurfreudige Staat aber eher schwer. Und so haben die Aussteller der Expo Shanghai die zeitgenössische Kunst vorsichtshalber weichgespült. Sabine B. Vogel hat in zwei Museen ein Gegenbeispiel behutsamer Autonomie gefunden.

Während die chinesische Kunstszene sich mehr und mehr auf eigene Traditionen besinnt, spült die Expo in Schanghai internationale Positionen nach China. Nicht nur die Pavillons werden mit Kunst bestückt. Auch private Institutionen haben sich für das Massenpublikum gerüstet. Dabei kristallisieren sich auch neue Partnerschaften heraus, wie Birgit Hopfener berichtet.

In China geht vieles ein wenig schneller. Der Kunstmarkt brach infolge der Krise ebenso schlagartig zusammen, wie er sich nun wieder erholt. Die Auktionshäuser vermelden Rekordergebnisse. Aber auch die Stadtplanung schreitet in rasantem Tempo voran. Ausgerechnet während des Fotofestivals Caochangdi PhotoSpring drohen beteiligten Galerien Kündigungen und Abriss. Stefan Kobel hat die News.

In Peking ist der Frühling nicht nur ein meteorologisches Phänomen. Im oftmals totgesagten Kunstbezirk 798 blüht neues Leben auf. Der Showroom Pace Beijing hat wieder eröffnet, und auch das Ullens Center for Contemporary Art UCCA bietet ein neues Großprojekt. Vor allem herrscht Tauwetter auf diplomatischem Terrain. Peking und Taipeh sprechen über ein gemeinsames Ausstellungsprojekt. Stefan Kobel hat die News.

Es erscheint paradox: In Peking werden existierende Künstlerviertel abgerissen, andernorts werden sie mit staatlicher Unterstützung gebaut. Doch hinter beidem steht die Logik der Ökonomie. Da nützen auch Proteste wenig, konstatiert der Kurator Zhu Qi. Er fordert, die Künstler müssten für ein größeres allgemeines Bewusstsein von Politik und Machtmechanismen sorgen. Birgit Hopfener hat die News.

Das Phänomen Gegenwartskunst aus China ist jung. Dennoch scheint es an der Zeit für erste Revisionen zu sein. Der chinesische Kurator Zhu Qi geht mit dem Westen hart ins Gericht. Westliche Ausstellungsmacher und Kritiker hätten sich eine chinesische Kunst nach ihren Vorstellungen regelrecht erschaffen. Dabei bräuchte sie in China selbst eine stärkere Position, wie die jüngste gewalttätige Räumung eines Künstlerviertels zeigt. Birgit Hopfener hat die News.

Die Katastrophe fasziniert. Kein Künstler zeigte das mediale Interesse an Schrecken und Tod so ungerührt-ungeschönt wie Andy Warhol. Der chinesische Künstler Li Hui installiert nun das eindringlich-ästhetische Bild eines Carcrashs, samt Autowrack, blutrotem Licht und Nebel. Doch zugleich distanziert er den Betrachter von dem vermeintlichen Schrecken. Andreas Schmid über ein Werk, in dem das Materielle ins Spirituelle gewendet wird.

Mit Kultur lässt sich Geld verdienen. Das hat die chinesische Regierung nicht nur in Hinblick auf ihre Malerstars verstanden. Nun werden Filme für den Export produziert. Auch die chinesischen Sammler investieren international nicht mehr nur in Kunst, sondern verstärkt in andere Werte. Da haben es einzelne Stimmen schwer, die vom Kunstmuseum soziales Engagement fordern. Birgit Hopfener hat die News.

Ai Weiwei ist nach langem Aufenthalt in Europa wieder in China. Trotz des früheren Angriffs auf ihn äußert er sich in einem Interview unerschrocken zu Demokratie und Freiheit. Eine Architektur-Biennale untersucht die sozialen und politischen Strukturen im Stadtraum. Denn das Streben nach Profit und wirtschaftlicher Macht zeigt sich gerade in der rasanten Urbanisierung, unter der auch die Künstler leiden. Birgit Hopfener hat die News.

Die zeitgenössische chinesische Kunst ist ein bekanntermaßen junges Phänomen. Zu ihren ersten Vertretern zählt die Künstlergruppe „Sterne“, gegründet 1979. Heute so bekannte Künstler wie Ma Desheng und Ai Weiwei gehörten zu ihrem Kreis. Mitinitiator Huang Rui erzählt im artnet-Gespräch von der Liebe zu Cézanne, inoffiziellen Ausstellungen, Polizeiaktionen und der nivellierenden Macht des Marktes.

Der chinesische Kunstmarkt expandiert wieder. Befeuert wird er von einem neu erwachten Interesse an der zeitgenössischen Kunst, aber auch von einem großen Nachholbedürfnis: Erst seit Kurzem dürfen in China wieder Kunstobjekte aus vorkommunistischer Zeit gehandelt werden. Beides hat China auf den dritten Platz im weltweiten Kunstmarkt befördert. Birgit Hopfener hat die News.

Es ist regimetreue Propaganda und künstlerische Innovation zugleich: das chinesische Monumentalwerk „Hof für die Pachteinnahme“. Über 100 Skulpturen schildern die maoistische Sicht auf die feudale Gesellschaftsstruktur. Doch das Werk ist mehr als reine Staatskunst. Denn plastische Vorbilder für ein solches Vorhaben gab es im China der 1960er-Jahre nicht. Andreas Schmid über Entstehung und Rezeption der gewaltigen Szenerie.

In Peking ist das erste nationale Institut zur Erforschung der chinesischen Gegenwartskunst gegründet worden. Das klingt zunächst nicht spektakulär, belegt aber die wachsende Bedeutung der Kunst im Staatsgefüge. Geradezu sensationell ist die Zusammensetzung des Expertenteams, dem viele einst als subversiv gebrandmarkte Künstler angehören. Birgit Hopfener hat die News.

China hat ein neues Gesetz, das den Import und Export von Kunstwerken regelt. Was nach bürokratischen Hürden klingt, soll die Kulturindustrie in China befeuern. Überhaupt entdeckt das Land seinen Kunstbetrieb. Zunehmend geraten chinesische Sammler ins Zentrum der Aufmerksamkeit, denn in Zeiten niedriger Preise wagen sich viele in den Kunstmarkt. Birgit Hopfener hat die News.

Was wäre China ohne das Internet. Selbst wenn bestimmte Seiten immer wieder abgeschaltet werden, hat sich das weltweite Netz doch zu einem bedeutenden Kommunikationstool im Reich der Mitte entwickelt. Auch in der Kunst finden dort leidenschaftliche Richtungsdebatten statt. Und Ai Weiwei hat wieder einmal ein besonderes Trojanisches Pferd eingeschleust. Birgit Hopfener hat die News.

Die Verbindung von Kunst und Politik ist heikel. Vielfach wird das Politische nur illustriert. Ai Weiwei aber nutzt die Strategien der Staatsideologie geschickt um. Seine monumentalen Schriftzeichen wandeln Jubel in Anklage, und wenn schon Überwachung, dann mit der eigenen Kamera. Evelyn Pschak über Ai Weiweis Ausstellung im und am Münchner Haus der Kunst.

Mehr Erfolg durch Marketing? Was in der Geschäftswelt Usus ist, soll Chinas Künstler beflügeln. Ein neues Ausbildungsprogramm setzt auf Ökonomie statt Ölmalerei. Auf Nummer sicher geht man auch bei der Ravenel Art Group. Hier werden die Herbstauktionen vorbereitet. Man setzt auf große Namen. Und noch eine gute Wirtschaftsnachricht: PaceWildenstein macht in Peking weiter. Birgit Hopfener hat die News.

Die VR China feiert bald Geburtstag. Das bekommen einige recht unsanft zu spüren. So musste sich Ai Weiwei in München einer Operation unterziehen – Folge des jüngsten Angriffs durch die chinesische Polizei. Die Regierung demonstriert in einer großen Ausstellung ihr Verständnis von Kunst: formal und inhaltlich konservativ. Dieses Bild wollen die Contemporary Chinese Art Awards korrigieren. Birgit Hopfener hat die News.

Was die Krise nicht schafft, erledigt die Zensur. Schanghais Kunstmesse ShContemporary leidet unter den Auswirkungen der finanziellen Erschütterungen, begegnet dem Teilnehmerschwund aber mit einem anspruchsvollen Programm. Pekings erste regierungsunabhängige Biennale dagegen hat mit behördlichem Druck zu kämpfen. Kunstwerke, dies sich regierungskritisch äußern, mussten entfernt werden. Birgit Hopfener hat die News.

Wer glaubt, die neuesten Finanzprodukte internationaler Auktionshäuser seien komplex, wird über die neuen Kunstfonds chinesischer Banken staunen. Auf den westlichen Märkten gibt es Fonds, die in den Kunstmarkt investieren, schon länger. Jetzt zieht China in rasantem Tempo nach. Birgit Hopfener hat untersucht, ob es sich dabei um Zockerpapiere handelt oder um eine langfristige Strategie.

Ai Weiweis Verhaftung sorgte international für Wirbel. Nun ist der Künstler, der unbequeme Fragen zum Tod der vielen Schulkinder während des Erbebens in Sichuan stellt und in diesem Kontext in Polizeigewahrsam genommen wurde, wieder auf freiem Fuß. Doch das Thema lässt ihn nicht los. Auch im Zuge seiner kommenden Ausstellung im Münchner Haus der Kunst wird es eine zentrale Rolle spielen. Birgit Hopfener hat die News.

In Peking wird viel spekuliert. Nicht nur mit Geld. Im Kunstbetrieb machen derzeit viele Gerüchte über Galerieschließungen die Runde. Angeheizt werden diese durch den Wegzug vieler Händler aus dem bisherigen Kunststandort 798 in ein neues Viertel. Als hoch mobil erweist sich auch der chinesische Kurator Feng Boyi, der für seine Ausstellungen jeweils unterschiedliche Orte aufsucht. Derzeit schlägt er in der Pekinger Chenlinghui Galerie auf. Birgit Hopfener hat die News.

Von Einschüchterung keine Spur. Obwohl die chinesische Staatsführung in jüngster Zeit die Kunstszene verstärkt ins Visier genommen hat, wird die soziale Rolle der Kunst unter Kuratoren und Kritikern leidenschaftlich diskutiert. Aktuell am Fall von Gao Minglus „Yi Pai“ und Zhu Qis „Biennale“ im Pekinger Kunstviertel 798. Besonders Zhu Qi sieht in der Kunst ein Instrument zur gesellschaftlichen Gestaltung und Mitsprache. Birgit Hopfener hat die News.

Konzentration ist das Prinzip dieses Buchs. In ihrem Klassiker junge Garde der chinesischen Gegenwartskunst beschränkt sich Karen Smith auf neun Protagonisten, die seit den 1980er-Jahren maßgeblich Chinas Gegenwartskunst geprägt haben. Die Künstler, ihre Werke und vor allem ihr politisch-soziales Umfeld werden dabei vorgestellt. Die Publikation liegt nun in einer überarbeiteten Fassung vor. Zeit, sie endlich angemessen zu würdigen, fordert Andreas Schmid.

Ungewöhnlich scharfe Töne in der chinesischen Kunstkritik: Die international verhaltene Resonanz auf den Chinesischen Pavillon in Venedig führt zu einer heftigen Debatte im Land selbst. Beklagt wird die undurchsichtige Entscheidungspolitik bei der Wahl der Kuratoren. Zugleich wird diesen in sehr scharfen Worten Konzeptlosigkeit vorgeworfen. Birgit Hopfener hat die News.

In diesem Juni stehen in Europa zwei große Ereignisse im Kunstkalender: die Biennale von Venedig sowie die Kunstmesse Art Basel. Bei beiden Veranstaltungen zeigt China Flagge. In Venedig wird eine kuratierte Schau mit insgesamt sieben Künstlern zu sehen sein. In Basel ist die Präsenz chinesischer Gegenwartskunst dagegen noch ausbaufähig. Der internationale Austausch war auch Thema einer Tagung in Peking, mit Experten aus aller Welt. Birgit Hopfener hat die News.

Am 4. Juni jährt sich der Tag des Massakers auf dem Pekinger Tiananmen Platz zum zwanzigsten Mal. Das Datum sorgt für große Unruhe in der chinesischen Regierung. So wird selbst der berühmte Künstler und Architekt Ai Weiwei, bislang weitgehend durch seine internationale Popularität geschützt, von den Behörden drangsaliert. Ai Weiwei setzt sich zur Wehr, doch die Schließung seiner Blogs durch die Zensur hat er nicht verhindern können, wie Birgit Hopfener berichtet.

Hongkong will zur Drehscheibe im internationalen Kunsthandel werden. Die dortige Messe zählt schon jetzt weltweit zu den wichtigsten ihrer Art. Das Einzugsgebiet ist groß, zudem bietet die Sonderverwaltungszone günstigere steuerliche Bedingungen als die restliche Volksrepublik China. Auch dort sieht man die Kunst zunehmend als Anlageinstrument im globalisierten Markt. Selbst chinesische Boulevardmagazine entdecken die Kunst als Thema. Birgit Hopfener hat die News.

Die Gleichung war einfach. Künstlerischer Erfolg war in China identisch mit kommerziellem Erfolg. Doch diese Rechnung geht nicht mehr auf. Vereinzelt fordern erste Stimmen andere Maßstäbe, jenseits des Ökonomischen. Ein einzelner Rufer dagegen ist immer noch Ai Weiwei, der sich unerschrocken nicht nur in künstlerische, sondern vor allem politische Debatten einmischt. Birgit Hopfener hat die News.

Die chinesische Kunstszene mag wie ein soziales Brennglas erscheinen. Als Ausschnitt aus dem Turbokapitalismus. Auch hier regiert das Geld. Unabhängige Kritiker oder Kuratoren, die ein Gegengewicht zum Markt darstellen könnten, gibt es kaum. Ausgerechnet eine Messe bricht nun eine Lanze für die bislang in China wenig geliebten Medien Fotografie und Video. Stefan Kobel sprach mit Dong Mengyang, dem Gründer der Art Beijing, über Kunst- und Messepolitik.

Vielerorts liefern sich Kunstmessen terminliche und räumliche Fernduelle. Auch in Peking buhlen gleich zwei Messen innerhalb von vierzehn Tagen um die Gunst der chinesischen Sammler. Denn die Europäer halten sich bedeckt. Stefan Kobel hat die Art Beijing besucht und dabei erste Anzeichen für eine inhaltliche Neuorientierung gesehen.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Doch die Zahlen sprechen für sich: Bei den Aprilauktionen in Hongkong wurde nicht nur viel, sondern vieles auch teuer verkauft. Das gilt besonders für die Gegenwartskunst. Während die Sammler das Aktuelle wieder schätzen, wird die zeitgenössische Kunst aus China unter Landsleuten sehr kontrovers diskutiert. Es ist also Bewegung in der chinesischen Kunstszene. Birgit Hopfener hat die News.

Alles hat zwei Seiten. Die weltweite Krise reißt viele Galerien besonders in Peking mit sich. Sammler kehren den etablierteren Künstlern den Rücken. Zugleich aber entdecken sie die junge Szene für sich. Und Öffentlichkeit wie offizielle Stellen entdecken in der Kunst einen sozialen, aber auch wirtschaftlichen Motor. Birgit Hopfener hat die News.

Da haben Künstler und Kritiker das gleiche Problem im Visier: den Warencharakter der Kunst. Liu Ding zielt mit seiner Installation im Chinesischen Pavillon in Venedig auf eine Wertediskussion. Er präsentiert seine Objekte in geschäftsmäßigen Vitrinen, samt Preisschild. Wie funktioniert die Marktlogik nun? Ist das Objekt teuer, weil es begehrt ist, oder umgekehrt? Auch der Kurator Gao Minglu bemängelt die Übermacht ökonomischer Kriterien im Kunstbetrieb. Birgit Hopfener hat die News.

Das Konzept für den Chinesischen Pavillon auf der kommenden Biennale von Venedig steht. Neben einer ortsspezifischen Arbeit, die sich mit der schwierigen Raumsituation auseinandersetzt, wird in einem separaten Gebäude Malerei gezeigt. Darunter Werke über das verheerende Erdbeben von Sichuan. Das in China heikle Thema beschäftigt auch Ai Weiwei. Er möchte einen Dokumentarfilm drehen und die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Birgit Hopfener hat die News.

Der Skandal im Gefolge der Yves Saint Laurent Auktion bei Christie‘s schlägt auch in China Wellen. Dort wird die Weigerung des Landsmann Cai Mingchao, die beiden ersteigerten Tierköpfe zu bezahlen, heftig diskutiert. Vielen gilt der Sammler als Volksheld, doch vereinzelt äußern sich auch kritische Stimmen. Birgit Hopfener stellt die chinesische Sicht vor.

Ein chinesischer Käufer bietet in der Yves Saint Laurent-Auktion Unsummen für ein Paar Tierköpfe aus Bronze und weigert sich anschließend sie zu bezahlen. In der Heimat wird dieser geplante Eklat als patriotische Tat gefeiert. Henrike v. Speßhardt beleuchtet die Hintergründe der Affäre und wirft einen Blick auf die Geschichte des Marktes für Alte Kunst aus China.

Schien es noch vor Kurzem, als hielte die chinesische Regierung die zeitgenössische Kunst an der langen Leine, herrscht nun wieder Maulkorbzwang. Ein Teil der Ausstellung zum Jubiläum von „China Avantgarde“ wurde geschlossen. Dafür entsteht in Schanghai ein Kunsthandelszentrum auf chinesischem Territorium, mit ganz eigenen Regeln. Birgit Hopfener hat die News.

Vor zwei Jahren wurde in Xi’an im Nordwesten Chinas auf dem Gelände einer alten Textilfabrik ein Ort für die Kunst geschaffen. Inzwischen leben und arbeiten dort fast 100 Künstler. Doch ist das Zentrum weit davon entfernt, zu einem Besuchermagneten wie das Pekinger 798 zu werden. Über die Aktivitäten in Xi’an berichten Jan Sprenger und Hong Xiao.

Es ist an der Zeit für eine umfangreiche Publikation zur Gegenwartskunst aus China. Idealerweise müssten daran viele, auch chinesische Autoren beteiligt sein. Ein solches Unterfangen im Alleingang zu wagen, ist riskant, selbst wenn der Autor ein ausgewiesener China-Kenner ist. Richard Vine jedenfalls hat sich mit seinem Buch zum Thema eindeutig übernommen, wie Andreas Schmid erläutert.

Selten war ein Ausstellungsname so treffend: „Tatort der Probleme“ nannte der chinesische Künstler Jin Fing seine Schau im Zendai Museum of Modern Art, und dazu wurde sie auch. Denn seine Werke rühren bewusst an gesellschaftliche, politische oder auch künstlerische Tabus. Die Behörden reagierten und entfernten einige Arbeiten vorzeitig aus der Schau, wie Bignia Wehrli berichtet.

In China schreitet die Modernisierung bekanntermaßen im Turbotempo voran. Das gilt für den wirtschaftlichen ebenso wie für den architektonischen Umbau des Landes. Nun ist auch die Kunstgeschichte in den Beschleunigungsstrudel geraten. Denn die noch junge zeitgenössische Kunst westlichen Formats wird bereits mit Jubiläumsausstellungen historisiert. Birgit Hopfener hat die News.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Das Zendai Museum of Modern Art in Schanghai hat sich mit seinem Projekt „Intrude“ leicht übernommen. Ein Jahr lang sollte täglich Kunst im Stadtraum gezeigt werden, doch manche Aktion scheiterte an der Organisation, dem Geld, der Politik. Dennoch – der Ansatz ist richtig und wegweisend, findet Andreas Schmid.

Pekings Galerienszene schrumpft. Doch auf Seiten der Regierung entdeckt man mit einem Mal die wirtschaftliche Attraktivität der Kunstwelt. Das von Überkommerzialisierung bedrohte Viertel 798 soll als Kreativstandort erhalten bleiben und dennoch ökonomisch arbeiten. Birgit Hopfener hat die Diskussion verfolgt.

Die Flaute auf dem Kunstmarkt hält an, die Diskussion um Inhalte hat weiter Konjunktur. Erstmals fordern auch Vertreter offizieller chinesischer Kunstinstitutionen eine Kultur der Kritik ein. Kunst solle sich um gesellschaftliche Belange kümmern, gar auf andere Bereiche ausstrahlen. Birgit Hopfener stellt die Positionen vor.

In China wächst eine neue Künstlergeneration heran. Die sogenannten Nach-75er leben im Zeitalter der Globalisierung, die China rasant verändert. Ein qualitätsvoller Sammelband spürt dem Lebensgefühl dieser Künstler nach und stellt exemplarische Werke vor. Andreas Schmid war beeindruckt.

Chinas Galerien machen sich winterfest und begegnen einer weniger umsatzstarken Zukunft mit Einschränkungen bei Programm und Personal. Zwei gigantische Museumsneubauten sollen nicht nur den Anschluss an die internationale Kunstszene herstellen, sondern auch für eine Professionalisierung des Institutionsbetriebes sorgen. Artnet informiert aus dem Reich der Mitte.

Auch die chinesische Kunst leidet unter der Krise, und es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wie sich das im internationalen Kontext auswirken wird. Unterdessen plant die Regierung ein riesiges Museum, während ein Auktionshaus Ärger wegen einer Fälschung hat. Birgit Hopfener berichtet darüber und stellt die vier wichtigsten Chinesen vor.

Während verbalisierte Kritik an chinesischen Verhältnissen zensurbedingt outgesourct wird, kann die Kunst vor allem in den Galerien etwas freier walten. Auch Charles Saatchi macht mit. Birgit Hopfener hält die Leser des artnet Magazins auf dem Laufenden.

Vor nicht allzu langer Zeit kannten nur Spezialisten die Adressen der Pekinger Kunstviertel. Inzwischen sind die expandierenden Distrikte feste Handelsmarken in einem international expandierenden Boom-Geschäft. Seriöse Kunst und Spektakel befinden sich hier in enger Nachbarschaft. Birgit Hopfener war vor Ort und hat die neuen und die etablierten Standorte besucht.

Die chinesische Kunstszene ist hektischen Veränderungen unterworfen. Neue Institutionen treffen auf neue Künstler. Ost reagiert auf West. China entwirft seine eigene Moderne. Birgit Hopfener notiert sich regelmäßig die letzten Neuigkeiten für das artnet Magazin.

Wer heute von chinesischer Kunst redet, weckt die Assoziation überschäumender Preise in einer haltlosen Konjunktur. In Guangzhou suchen nun drei internationale Kuratoren nach der tieferen Wahrheit hinter der glänzenden Show. Birgit Hopfener berichtet von einer Triennale, die der Gegenwartskunst in China vom Kopf auf die Füße helfen will und dabei auch den Rest der Welt im Auge behält.

Obwohl Peking immer noch die aktivste Stadt der chinesischen Kunstszene ist, legt Schanghai deutlich zu. Der Grund dafür ist nicht etwa die überschätzte Biennale, sondern eher die in den letzten Jahren erstarkte Museums- und Galerienszene. Andreas Schmid berichtet, wofür sich in diesem Herbst die Reise nach Schanghai wirklich lohnt.

Für die Kunstwelt geht es derzeit in Asien heiß her: Biennalen und Triennalen konkurrieren mit Ausstellungen und Messen um die Gunst des globalen Kunstpublikums. Doch wer deshalb überall Inspiration erwartet, der wird enttäuscht. Andreas Schmid erklärt, warum die Auswahl der künstlerischen Positionen auf der Shanghai Biennale wenig überzeugt.

In ein paar Jahren werden sich die Top-Schauplätze des internationalen Messezirkus auf drei reduziert haben und einer davon könnte Schanghai sein – so sieht es jedenfalls Lorenzo Rudolf, Direktor der Kunstmesse ShContemporary, die zurzeit in ihrer zweiten Ausgabe stattfindet. Die Aussichten sind sehr gut, meint auch Stefan Kobel.

In den 1990er Jahren blühte die chinesische Gegenwartskunst voll auf – eine gewaltige kreative Explosion. Das Zusammenspiel von vielerlei Faktoren, rasante wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen, machten Intensität, Vielfalt und letztendlich Erfolg möglich. Andreas Schmid beschreibt den Vorlauf des Booms chinesischer Gegenwartskunst im eigenen Land.


Die Olympischen Spiele sind vorüber, der Medientross überlässt China wieder seinem Alltag. Vergessen scheinen die Querelen um die Zensur von Wort und Bild. Der Videokünstler und Fotograf Zhao Liang aber reißt Lücken in die von den Medien diktierte Wahrnehmung von Realität. Peter Lähn beschreibt eine Kunst, bei der jeder zensorische Eingriff eine intelligentere Strategie provoziert.

China war für den Westen in künstlerischer Hinsicht lange ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das änderte sich erst Mitte der 1990er Jahre, dann allerdings rasant. Der Erfolg chinesischer Exilkünstler gab in der Folge der einheimischen Szene neuen Schub, wie Andreas Schmid aufzeigt.

Nach einer Phase optimistischen Abwartens flammen die politischen Konflikte auf. Auf dem Präsentierteller Olympia werden die Grenzen zwischen China und dem Westen sichtbarer als die Anknüpfungspunkte. Die Kunst hingegen ist der schwelenden Debatte zum Teil weit voraus. Andreas Schmid schildert einen Künstler, der für einen Austausch über Formen und Ideen wirbt und so ein Beispiel für Öffentlichkeit geben will.

Einer Berliner Galerie ist es doch tatsächlich gelungen, eine Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Künstler einzurichten, bei der weder Titel noch Präsentation auf den großen Asien-Boom hinweisen. Das bedeutet im Umgang mit Kunst aus China einen großen Schritt in Richtung Normalität. Birgit Hopfener beschreibt, warum darin auch eine wichtige Chance liegt.

Was genau ist diese „chinesische Kunst“, die derzeit international Höchstpreise erzielt? Enthält nicht schon die globale Zusammenfassung eines halben Kontinents mit seiner ganzen Kunstgeschichte eine Perspektive, die ganz klar von West nach Ost gerichtet ist? Birgit Hopfener erklärt die Rezeptionsbedingungen einer Kunst, die viel mehr ist als ihr kleinster Teil.

Beim Hype um die chinesische Gegenwartskunst war die Tuschemalerei bisher kaum gemeint. Ein ehrgeiziges Doppelprojekt in Berlin und Dresden hat sich nun zum Ziel gesetzt, sie als „hierzulande eher unbekannte Form der so begehrten zeitgenössischen chinesischen Kunst“ vorzustellen. Andreas Schmid machte ernüchternde Entdeckungen und berichtet von einer institutionellen Humoreske.

Seit Kunst ein Spielfeld für spektakuläre Investitionen geworden ist, genügt es nicht mehr, abzuwarten und möglichst vorausschauend zu sammeln, um als Händler mitbestimmen zu können. In China wagen sich immer mehr Sammler auf internationales Terrain und der Verkauf westlicher Kunst könnte sich als lukratives Feld erweisen. Dominikus Müller beschreibt, wie Galerien auf diese Veränderung reagieren.

Der Goldrausch ebbt ab, die Landnahme geht zu Ende. Nachdem die europäischen Galeristen sich in China fest etabliert haben und der Handel in geordneten Bahnen verläuft, hat eine Phase der Konsolidierung im chinesischen Kunstbetrieb begonnen, in der wieder Inhalte zu vermitteln sind. Andreas Schmid berichtet über eine Ausstellung, die ein Hoffnungszeichen setzt.

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Der chinesische Kunstmarkt ist groß und beeinflusst zunehmend den westlichen Kunstbetrieb. Auch in Berlin breitet sich ein kleiner innerer Markt mit Kunst aus China aus. Dabei scheinen jedoch die Händler selbst die größten Skeptiker zu sein. Birgit Hopfener hat die fernöstliche Avantgarde unter den Berliner Galeristen besucht und ist auf Distanz gestoßen.

Wer der Installation gegenübertritt, die der chinesische Künstler Song Dong und seine Mutter im Berliner Haus der Kulturen der Welt errichtet haben, sieht Gegenwart und Vergangenheit Chinas auf einen Blick. So gut funktioniert aber nicht jedes Kunstwerk in der Berliner Ausstellung „Re-Imagining Asia“. Weshalb sich die ambitionierte Schau im Ganzen zwar übernimmt, in Teilen aber beeindruckt, beschreibt Andreas Schmid.

Vor der Schanghai Biennale entwickelt sich Nervosität: Die politische Großwetterlage macht eine ohnehin herausfordernde Situation noch schwieriger. Nach den Olympischen Spielen werden die Biennale und die Messe für Gegenwartskunst in Schanghai zum zweiten Testfall für kulturellen Austausch und Liberalität. Henrike Thomsen berichtet über die erste Präsentation der Schanghai Biennale und die Gratwanderung ihrer Kuratoren.

Am 10. September 2008 wird in der südchinesischen Stadt Guangzhou die dritte Guangzhou-Triennale eröffnen, die schon jetzt erkennen lässt, dass sie im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen ungleich globaler und theoretischer ausgerichtet ist. Wie der renommierte Kurator Wu Hung diesen Anspruch umzusetzen plant, hat Birgit Hopfener herauszufinden versucht.

In einem der ganz großen Abenteuerromane der klassischen amerikanischen Literatur ist von einem wahren Ort die Rede, der auf keiner Karte zu finden sei. Der wahre Ort bleibt das Ziel einer unbestimmten Suche. Er definiert aber den Inbegriff exotischer Authentizität. Dominikus Müller beschreibt, wie der Galerist Alexander Ochs mit dieser Metapher die Sinnfrage für den Handel mit chinesischer Gegenwartskunst formuliert.

Wer meint, Atelier seien schlecht beheizte Arbeitsräume mit improvisiertem Mobiliar in großstädtischen Randlagen, ist vermutlich nie in China gewesen. Dort residieren die Großen des Kunstmarkts in berauschenden Herrscherräumen. Manche Studios sehen wie Galerien aus. Andreas Schmid beschreibt, warum diese Sicht in einem frisch erschienenen Bildband nur einen Teil der Wirklichkeit widerspiegelt.

Noch ist He Ge Zhuang ein unscheinbares Straßendorf am Rande Pekings. Behalten die Immobilienentwickler Recht, wird es sich bald in einen Kunststandort verwandeln und die Rezeptur so erfolgreicher Kunstquartiere wie dem „798“ oder dem „Cao Zhang Di“ nachahmen. Bignia Wehrli unternimmt den Versuch, die Kunstutopie auf dem Reißbrett wiederzuentdecken.

Nur drei Monate nach der Eröffnung verbannt das Ullens Center for Contemporary Art in Peking seinen Gründungsdirektor Fei Dawei in die zweite Reihe. Nachfolger wird mit Jérôme Sans ein Europäer, wie es heißt auf staatlichen Druck. Andreas Schmid beschreibt den Karriereeinbruch eines ehemaligen Dissidenten und erklärt, warum der West-Ruck bequem für Chinas Behörden ist.

Eigentlich ist Ordos ein strahlendes Wirtschaftswunder, kein Zentrum chinesischer Kultur. Die rohstoffreiche Metropole in der Inneren Mongolei ist in kurzer Zeit zu einer der reichsten Städte Chinas geworden, die 2007 nun auch ein eigenes Museum bekommen hat. artnet war vor Ort und schildert, wie ein Sammler und Mäzen die Provinz zum kulturellen Standort macht.

Vor gut zwei Monaten öffnete in Peking das Ullens Center for Contemporary Art seine Tore. Es ist einer der größten Orte für zeitgenössische Kunst in der Volksrepublik und genießt als Non-Profit-Unternehmen ungewöhnliche Freiheiten. Andreas Schmid sieht darin große Chancen für Chinas Kultur und die westliche Kunstkritik.

Die Preise für Kunst aus China schießen in die Höhe, doch ist die Kunst „Made in China“ wirklich wert, was sie verspricht? Wer kauft und sammelt die „jungen Chinesen“? Diesen und anderen Fragen ging ein Symposium am Museum der Moderne in Salzburg nach. Ein Ende des Hypes um chinesische Gegenwartskunst sehen die Sammler, Galeristen und Kunstexperten noch nicht – wie Birgit Hopfener zu berichten weiß.

Von der Fachwelt mit Ungeduld erwartet und unter dem verheißungsvollen Titel „China Artbook – The 80 most renowned artists“ ist nun die im DuMont Buchverlag von Uta Grosenick und Caspar H. Schübbe herausgegebene „Chinesische Kunst-Bibel“ im Handel erhältlich. Unter den Spezialisten scheiden sich die Geister über die Publikation. Zu Recht, wie Xenia Piëch meint.

Im Programm der diesjährigen Asien-Pazifik-Wochen glänzt die Ausstellung in der Galerie Aedes am Pfefferberg als Perle unter den Veranstaltungen mit Chinafokus. Im Unterschied zu zahlreichen anderen Events bietet sie statt unreflektierter Chinaeuphorie Einblicke in den spezifisch chinesischen Produktionskontext von Kunst und Kultur.

„Die große Ausstellung hat keine Form“ – mit diesem leicht abgewandelten Zitat des chinesischen Philosophen Laozi bezieht sich Roger M. Buergel auf den daoistischen Gedanken von einer universalen, alles durchdringenden Lebenskraft. Birgit Hopfener ist diesem Gedanken durch die documenta 12 gefolgt.

Seit diesem Jahr hat die internationale Kunstwelt, bisher auf Europa und die USA fokussiert, einen neuen wichtigen Termin im Kalender. Zum ersten Mal hat die „Shcontemporary“ in Schanghai ihre Pforten geöffnet. Daghild Bartels hat die erste internationale, zeitgenössische Kunstmesse in China besucht.

Als Heiler und Versöhner ist der zuletzt selbst schwer erkrankte und ins Exil geflüchtete chinesische Skulpteur Chen Zhen aufgetreten. Dass sich hinter seiner um große Gesten nicht verlegenen Kunst eine verletzliche, autobiografisch aussagekräftige Sensibilität für Materialien verbirgt, beschreibt Peter Kunitzky.

So viele chinesische Künstler wie noch nie nehmen an der diesjährigen documenta teil. Andreas Schmid stellt die Kunst aus China auf der documenta 12 vor und kommt dabei mit einem Blick hinter die Kulissen zu kritischen Einschätzungen – auch was das „Kasseler Sommermärchen“ von Ai Weiwei betrifft.

Ai WeiWei’s dreams of individuality and conincidence.

Ai Weiwei ist zum vielleicht öffentlichkeitswirksamsten Künstler der documenta 12 geworden. Zuweilen schien es sogar so, als fielen die Reaktionen auf seine Arbeit besonders ungnädig aus, weil ihn eine documentakritische Presse stellvertretend für die Kuratoren attackierte. Thea Herold schildert, wie sich ein künstlerisches Projekt verselbständigen und gerade deshalb zu einem Erfolg werden kann.

Bunte Speere über stinkenden Altöltanks, dazwischen kleine Videoinstallationen und auf der grünen Wiese liegt ein Riesenschnuller. Zwar konnte auch zur 52. Biennale kein ständiger chinesischer Pavillon realisiert werden, doch Birgit Hopfener zeigt, wo sich die chinesischen Künstler mit ihren Werken versteckt halten.

Das Kunsthaus Graz überrascht in diesem Sommer mit einer Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Kunst. Sorgfalt und Leidenschaft prägen den Charakter der multimedialen Ausstellung, die bewusst ganz unterschiedliche Aspekte aus der mittlerweile riesigen chinesischen Kunstproduktion herausgreift und dennoch nicht beliebig wirkt, meint Andreas Schmid.

Welche Ereignisse und Tendenzen haben die chinesische zeitgenössische Kunst zu dem gemacht, was sie jetzt ist? Welche Namen sind dabei wichtig? Im zweiten Teil seines historischen Rückblicks beleuchtet Andreas Schmid die Jahre 1989 bis 1993.

China ist nicht aufzuhalten – auch nicht auf dem Kunstmarkt. Auf Auktionen erregen Höchstpreise in schneller Folge Schwindelgefühle und bisher westlich orientierte Galerien reagieren zunehmend auf das große Interesse an der Kunst aus China, indem sie ihr Programm um chinesische Positionen erweitern. Birgit Hopfener hat Angebot und Nachfrage geprüft.

Die Idee des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, 1001 Landsleute nach Kassel zu holen, gehört zu den schon im Vorfeld meistdiskutierten Projekten der documenta 12. Was steckt dahinter? Welche Erfahrungen verarbeitet Ai Weiwei in seiner Kunst? Jennifer Frilanz hat ihn in seinem Atelier in Peking besucht und mit ihm gesprochen.

Die Installationskunst ist in China ein vergleichsweise junges Medium. Innerhalb zweier Jahrzehnte hat sie eine steile Karriere hingelegt und überzeugt auch im internationalen Kunstkontext mit künstlerisch innovativen Arbeiten. Birgit Hopfener gibt einen Überblick.

Im Rahmen ihrer Ausstellung „People’s Park“ auf der Arco 2007 präsentiert die chinesische Kuratorin Carol Lu eine ungewöhnliche Werk-Mixtur. Die Arbeiten der sechs aus verschiedenen Galerien ausgewählten Künstlerinnen und Künstler, darunter Ai Weiwei, Liu Ding und Chen Shaoxiong, offenbaren deutlich eine Trendwende in der chinesischen Gegenwartskunst – und machen neugierig auf das, was kommt, meint Ulrike Münter.

Im China der 1980er Jahre gab es nur wenige Frauen, die sich als eigenständige Künstlerinnen sahen und betätigten. Unter dem Deckmantel der offiziellen Gleichstellung war während der Kulturrevolution weibliche Identität nur als Neutrum möglich gewesen. Andreas Schmid beschreibt den Weg der chinesischen Künstlerinnen zu einem neuen Selbstverständnis nach dem Umbruch von 1976 bis in die 1990er Jahre.

Beim Blick auf die zeitgenössische bildende Kunst Chinas nach dem Tode Mao Zedongs fällt die ungeheure Dynamik auf, mit der sich ihre Entwicklung in einem Zeitraum von nur 20 Jahren vollzogen hat. Welche Ereignisse und Tendenzen haben die chinesische zeitgenössische Kunst zu dem gemacht, was Sie jetzt ist? Welche Namen sind dabei wichtig? Im ersten Teil seines historischen Rückblicks führt uns Andreas Schmid ins China der Jahre 1978 bis 1989.

Fragt man Kuratoren, Galeristen und Sammler chinesischer Gegenwartskunst nach dem Frauenanteil unter den von ihnen repräsentierten Künstlern, so kommt nicht selten Beklommenheit auf: Das Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Akteuren ist offensichtlich. Das artnet Magazin startet mit einem Eröffnungsbeitrag von Ulrike Münter seine neue Textserie zum längst überfälligen Thema „Künstlerinnen in China“.

Ist die Kunst eines Landes nur so lange interessant, wie dessen Szene boomt? Der chinesische Kunstbetrieb entwickelt sich zunehmend zu einer riesigen Geldschleuder. Dazu tragen auch einige chinesische Künstler bei, die dem prognostizierten Ende des internationalen Interesses Vorschub leisten, indem sie serienmäßig Werke produzieren, deren Qualität von Kennern als zweifelhaft eingeschätzt wird. Gegen die Kopie der Kopie wehrt sich Ulrike Münter.

Ein Kapitel in der noch zu schreibenden „Geschichte der chinesischen Gegenwartskunst“ würde sich sicherlich dem Genre der Landschaftsmalerei widmen. Abgesehen von der zwangsverordneten kreativen Schaffenspause der Kulturrevolution gibt es wohl kein Sujet, das von den Künstlern des Reichs der Mitte mit einem so kontinuierlichen Interesse bedacht wurde. Ulrike Münter und Li Shuangzhi geben einen Einblick.

Die Welt des globalen Kuratierens leidet wahrlich keinen Mangel an Projekten, die sich mit den dramatischen Auswirkungen zeitgenössischen entfesselten Städtewachstums beschäftigen – gerade für den und im asiatischen Raum. Der Megacity Peking ein Gesicht zu verleihen, gelingt jedoch der Ausstellung „totalstadt. beijing case.“ im Museum für Moderne Kunst des ZKM in Karlsruhe. Angeschaut hat sie Astrid Mania.

Die Pekinger Künstlerin Yin Xiuzhen arbeitet mit getragener Kleidung, die sie in Räumen oder im Freien arrangiert, aufribbelt, auftrennt, neu zusammennäht oder einzementiert. Mit verschlissenen Lieblingspullovern und Schuhen aus Kindertagen verbinden sich Bilder der Vergangenheit – „Weißt Du noch, weißt du noch…“ könnte der Subtext vieler ihrer Installationen lauten. Welche Erinnerungen und Bilder genau dahinter stecken, erfuhren Ulrike Münter und die Übersetzerin Su Xiaoqin im Interview.

Mit dem Namen der chinesischen Künstlerin Cao Fei verbinden sich skurrile Inszenierungen, entweder still gestellt auf großformatigen Farbfotos oder als Kurzfilm. Das Berliner Büro Friedrich zeigt derzeit neben bereits bekannten Arbeiten Video-Aufzeichnungen der Künstlerin, die Stationen ihres noch laufenden Hip-Hop-Projekts dokumentieren.

China ist angesagt – das war zur Eröffnung der zu spüren. Anders als zur nahezu zeitgleich eröffneten 1. Singapur und 6. Gwangju Biennale reisten Museumsdirektoren, Kuratoren, Kritiker und Sammler aus aller Welt, vor allem aus US-Amerika, in die „Stadt über dem Meer“. Anreiz dazu schafft nicht nur die Biennale selbst, sondern die Menge an chinesischer Kunst, die zurzeit in der Stadt zu sehen ist. Sabine B. Vogel präsentiert eine kleine Auswahl.

Das Guggenheim Museum in Berlin zeigt seit Freitag eine Ausstellung der Werke des Künstlers Cai Guo-Qiang. Ein ganzes Rudel Wölfe gehört unter anderem auch dazu. Doch wie chinesisch sind die effektvollen Arbeiten des Künstlers, der es seit langem vorzieht in New York zu leben, wirklich? Es ist an der Zeit sich entweder wirklich für traditionelle Bezugssysteme chinesischer Kunst zu interessieren oder die „Chineseness“ chinesischer Kunst ganz auszublenden, meint Ulrike Münter.

Dem Festival “”, das noch bis zum 26. August in Berlin läuft, ist ein plötzlicher Besucherzuwachs vergönnt. Nur die Umstände dafür sind weniger schön: Auf moralischen Empörungsruf der Boulevardzeitung B.Z. hin wurden Ölgemälde des chinesischen Künstlerpaares Ta Men abgehängt. Ulrike Münter war vor Ort und berichtet, was sich in Pekings Kunst-Laboren so tut.

Auch wenn Peking als das Zentrum der jungen Kunst in China gilt, so ist das knapp zwei Flugstunden entfernte Shanghai gerade dabei, mit einer Reihe von beeindruckenden Institutionen und Veranstaltungen den Vorsprung der Hauptstadt wettzumachen. Uta Grosenick hat sich in der Kunstszene umgesehen und gibt Tipps für einen Rundgang.

Mit schier berstender emotionaler Wucht zeigen die Bilder von Yang Shaobin Menschen im Kampf. Die bis zur Konturlosigkeit verzerrten und entstellten Körper und Gesichter zeugen von gröbster Gewalteinwirkung, die fleckig-dunkelrot überzogenen Bildflächen lassen an Lachen von Blut denken. In leblosem Schwarz-Grau-Weiß, kaltem Blau und Tarnfarben-Grün hingegen nimmt Yang Shaobin diejenigen in den Blick, die Gewalt anordnen, und die, die sie ausführen. Anlässlich der Berliner Ausstellung „Hermann Nitsch
Yang Shaobin: Retour China“ traf Ulrike Münter den chinesischen Künstler zum Gespräch.

Den chinesischen Künstler Miao Xiaochun schert es nicht, dass Michelangelos Fresko aus Roms Sixtinischer Kapelle sich auf der anderen Seite des Globus befindet. Man kann sich auch virtuell ins Figurengemenge des „Jüngsten Gerichts“ begeben, wie seine aktuelle Foto-Serie „Last Judgement in Cyberspace“ beweist. Ulrike Münter und Yang Jin traffen den Künstler in Berlin zum Interview.

„Wer dokumentiert und organisiert die Bildgeschichte der Chinesen und der chinesischen Gesellschaft?“, fragt Wang Rui suggestiv in seinem Katalogbeitrag zur Fotografie-Ausstellung „Humanism in China“, die am Wochenende im Frankfurter Museum für Moderne Kunst eröffnete. Wir kennen die Antwort: der Westen. Es ist an der Zeit, dies zu ändern, finden die Kuratoren der Schau. Kritische Anmerkungen dazu hat Ulrike Münter.

Eingeklemmt zwischen Vergangenheit und Zukunft – so zeigt das Haus der Kulturen der Welt in Berlin den Menschen in der chinesischen Gegenwartskunst. Die Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Fotografie, die das Festival begleitet, spiegelt die Reaktionen chinesischer Künstler auf die rasanten Veränderungen der letzten 10 Jahre. Andreas Schmid stellt einige ausgewählte Positionen vor.

Worum geht es zeitgenössischen chinesischen Künstlern, die sich in ihren Arbeiten auf vorchristliche oder mittelalterliche Dynastien beziehen? Das Alter Ego Miao Xiaochuns zum Beispiel tritt in zahlreichen Fotoarbeiten, die zwischen 1999 und 2003 entstanden, als Gelehrter der Tan- und Song-Dynastie auf. Ulrike Münter versucht, den Intentionen auf die Schliche zu kommen.

Mit 98 Galerien aus 14 Ländern und fast 4000 Kunstwerken präsentierte sich in diesem Jahr zum dritten Mal die China International Gallery Exposition (CIGE) in Peking. Die Erwartungen waren hoch, nachdem am 31. März bei Sotheby’s in New York erstmalig das Bild eines zeitgenössischen chinesischen Künstlers – Bloodline Series: Comrade No. 120, 1998, von Zhang Xiaogang – für knapp eine Million Dollar versteigert worden war. Uta Grosenick hat die Messe besucht.

Im Zentrum der Schau „Zwischen Vergangenheit und Zukunft” im Haus der Kulturen der Welt in Berlin steht eine große Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Fotografie und Videokunst. Sie bietet interessante Einblicke in eine breite Palette zwischen 1995 und 2005 entstandener Arbeiten. Warum Überblicksausstellungen zum Phänomen China trotzdem nicht mehr zeitgemäß sind, erklärt Andreas Schmid.

Im Katalog gibt es sie nicht, vor dem Original sind sie leicht zu übersehen und wenn man sie denn sieht, sind Chinesisch-Kenntnisse von Nöten, um sie zu verstehen: Die Rede ist von Fang Lijuns Zeitungsstreifen-Rahmung seiner Arbeiten Drawing No. 5 und Drawing No. 6 . Beide Zeichnungen, bis zum 17. April in Berlin zu sehen, lassen westliche Betrachterinnen und Betrachter in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen stoßen. So nahm Ulrike Münter das Angebot der chinesischen Germanistin J. Y. gerne an, sich in der Ausstellung des Berliner Kupferstichkabinetts zum Gespräch zu treffen.

Das internationale Renommee Fang Lijuns zeigt sich an seiner Präsenz in bedeutenden Sammlungen wie der des Schweizers Uli Sigg, der Flick Collection und dem MoMA New York und die Auflistung von Fangs Ausstellungen in und außerhalb Chinas wäre ermüdend lang. Zunächst mochte man skeptisch sein, sich die zum Teil sehr großformatigen Arbeiten des 1963 geborenen Chinesen in den quantitativ recht begrenzten Räumlichkeiten des Berliner Kupferstichkabinetts vorzustellen. Jedoch ist es dem Leiter des Kupferstichkabinetts, Hein-Thomas Schulze Altcappenberg, dem Kurator Andreas Schalhorn und seinem Mitarbeiter Jasper Kettner gelungen, die Auswahl von Tuschearbeiten, Ölmalereien, Holzschnitten und einer Skulptureninstallation in einem überzeugenden Spannungsbogen zu inszenieren. Dabei entziehen sich Fangs Arbeiten dem Versuch, sie auf ein Label zu reduzieren und widersetzen sich in ihrem formal-stoischen Charakter jeder Subsumierung unter eine schmissige Schlagzeile.

Der glückliche Zufall, vor allem aber der Mut, sich immer wieder auf unbekanntes Terrain zu begeben und sich neuen Herausforderungen zu stellen, sind prägend für das Leben des erfolgreichen Geschäftsmanns und Sammlers Uli Sigg. Der 1946 geborene Schweizer baute während seiner Tätigkeit im Exportbusiness und als Diplomat die weltweit bedeutendste Kollektion chinesischer Gegenwartskunst auf. Involviert 1979/80 – im Zuge der allmählichen Öffnung Chinas gen Westen nach Maos Tod 1976 – in das erste Joint-Venture-Projekt überhaupt zwischen einem westlichen und einem chinesischen Unternehmen, begann Siggs Aufstieg zum Chinaexperten. Sein Interesse an der chinesischen Kunst manifestiert sich seit Anfang der 1990er Jahre in einer Sammlung mit mittlerweile circa 1200 Arbeiten von rund 200 zeitgenössischen chinesischen Künstlerinnen und Künstlern. Auf die Frage nach seiner Motivation sagt der Sammler im Interview: „Mein Ziel war es, hinter die Oberfläche Chinas zu gelangen.“

Shanghai oder Peking? Das ist die erste Entscheidung eines Galeristen, der seine Arbeit in den Dienst der chinesischen Gegenwartskunst stellt. Rein quantitativ lautet die Antwort meist Peking, gab es doch laut offiziellen Meldungen gerade im letzten Jahr rund 70 Galerieeröffnungen in der chinesischen Hauptstadt. Welche Gründe also hat eine Galerie wie ShanghArt, die einige der bekanntesten Größen der chinesischen Kunstszene vertritt, sich diesem Trend zu widersetzen? Ohne doppelten Boden – das heißt ohne zweites Standbein im Westen – nahmen der Schweizer Lorenz Helbling und sein Team 1996 Kurs in Richtung Kunst aus China. Dabei interessierte Helbling allein der chinesische Kunstmarkt, denn dort sieht er die Zukunft der chinesischen Kunst. Was Shanghai und Peking unterscheidet und wohin sich der Kunstmarkt in China gerade entwickelt verrät der Galerist im Interview.

Die Anziehungskraft ruinöser Industriearchitektur auf die freie Kunstszene ist international, so auch in Shanghai. Seit Mitte 2003 wählten dort neben chinesischen auch rund ein halbes Dutzend ausländische Galerien die vom Verfall gezeichneten Gebäude eines 40.000 Hektar großen Fabrikareals an der Moganshan Road als Showrooms. Unprätentiös nennt man sich schlicht M 50. Angesichts der für chinesische Metropolen charakteristischen Beschleunigung und der radikalen Verdrängung gewachsener Strukturen durch zumeist gesichtslose Neubauten, lässt der Besuch des Kunstquartiers an der Moganshan Road tief durchatmen. Abseits vom geschäftigen Trubel des Shanghaier Zentrums und unweit der Windungen des Suzhou River zählt das Areal mittlerweile zu den kulturellen Highlights von Shanghai und auch zwei Jahre nach der Eroberung des Areals durch die Kunstszene herrscht noch rege Aufbruchsstimmung.

„Ich konnte die Generation nicht auswählen, in die ich hineingeboren wurde, und trotzdem muss ich lernen, mich in diese Zeit einzugewöhnen“ – besser hätte der 1971 geborene chinesische Künstler Yang Fudong die Grundstimmung seiner Werke kaum auf den Punkt bringen können. In seinen Videos und Fotografien, die das Amsterdamer Stedelijk Museum unter der Überschrift „Yang Fudong - Recent Films and Videos“ zeigt, irren junge chinesische Städter durch eine neue Welt des Konsums und der Produktion, in der sie zwar wirtschaftlich erfolgreich, aber emotional völlig von ihrer Umgebung entfremdet sind. Fudongs Figuren sind – ebenso wie der Künstler selbst – alle alt genug, um das frühere China noch kennengelernt zu haben, und jung genug, um sich an das neue, zwischen Kommunismus und Turbokapitalismus lavierende Land anpassen zu müssen. Sie leiden an Wachstumsschmerzen, Ennui und Melancholie. Sie sind die Lost Generation des aus dem Kommunismus erwachten China.

Nachdem die kulturelle Erstarrung durch die Kulturrevolution mit dem Tode Maos ein Ende gefunden hatte, setzte sich in China die ohnehin seit dem 19. Jahrhundert sehr rege Auseinandersetzung mit der Kunst und Kultur des Westens fort. Neben der in allen medialen Spielarten den Kunstmarkt aufmischenden Gegenwartskunst gehört mittlerweile auch die europäische Reflexionsphilosophie zum Argumentationsrepertoire chinesischer Intellektueller. Namen wie Kant, Heidegger, Derrida und Foucault fallen ebenso beiläufig im Gespräch, wie dies in Europa der Fall ist. Ausstellungskataloge mit internationaler zeitgenössischer Kunst werden in Buchläden zerlesen und abfotografiert. Man weiß also sehr wohl um die Grenzen der eigenen Kultur und will an internationalen Entwicklungen partizipieren. Das Ziel ist allerdings nicht Nachahmung, sondern ein chinesischer Standpunkt im multikulturellen Dialog. Von europäischer Seite herrschen jedoch oftmals noch recht kolonialistische Strukturen in den Köpfen. Wir sollten die Chance nutzen, im ästhetischen Freiraum der Kunst einer Kultur zu begegnen, die mehr zu bieten hat als Wirtschaftswachstum und gutes Essen.

Blitzlichtgewitter um 9.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Es ist der feuchtkalte Wintermorgen des 8. Dezember und beim Deutsch-Chinesischen Kunstsymposium herrscht konzentrierte Betriebsamkeit. 33 Gäste aus China haben sich in der Berlinischen Galerie eingefunden, um sich mit ihren deutschen Gastgebern über Tendenzen des aktuellen Kunstgeschehens im Allgemeinen und die Bedeutung des Expressionismus für die Entwicklung der chinesischen Gegenwartskunst im Besonderen auszutauschen. Anlass zu dieser Veranstaltung ist das in diesen Wochen zu Ende gehende Brücke-Jubiläumsjahr und die Ausstellung „Brücke - Die Geburt des Deutschen Expressionismus“, die noch bis zum 15. Januar 2006 in der Berlinischen Galerie zu sehen ist. Initiiert wurde das Symposium von Fiake e.V. Die 1998 in Berlin gegründete Vereinigung hat sich die Pflege und Förderung des kulturellen Austausches, insbesondere zwischen Deutschland und China, zum Ziel gesetzt. Eine offizielle Einladung zum Symposium – ohne die es Chinesen in der Regel immer noch nicht möglich ist, ins Ausland zu reisen – hatte das Brücke-Museum ausgesprochen.

Die 1992 gegründete Galerie Urs Meile aus Luzern steht schon seit Mitte der 90er Jahre in Kontakt mit der jungen chinesischen Kunstszene. Auf der Liste der durch sie vertretenen internationalen Künstler überwiegen mittlerweile die chinesischen Namen. Der 2003 geschlossene Partnerschaftsvertrag mit CAAW (China Art Archives & Warehouse, Beijing) sichert der Galerie die Zusammenarbeit mit einer der kompetentesten Institutionen auf dem Gebiet zeitgenössischer chinesischer Kunst. „Wir sind die besten“, scherzt Urs Meile und ergänzt schnell – den Arroganzverdacht witternd – „weil wir die besten Partner in China haben“. Über seine Entdeckungsreise durch die spannende Kunstszene Chinas und wohin sie in Zukunft gehen wird spricht Urs Meile im Interview.

Das Interesse an klassischer Ware mit Ursprung China ist weiterhin immens, die Zuwachsraten auf dem Markt scheinen noch immer steigerbar. Das beweisen die Ergebnisse der 30. Spezialauktion „Asiatische Kunst“, die das Auktionshaus Nagel aus Stuttgart in der vergangenen Woche abgehalten hat. Mit insgesamt 2.900 Losen und einer Verkaufsquote von 100 Prozent wurden an drei Tagen 5,7 Millionen Euro Umsatz erzielt. Dabei kamen bei den hochpreisigen Objekten vor allem Privatinteressenten aus China zum Zuge, die schon seit längerem ihre Marktpräsenz von Versteigerung zu Versteigerung potenzieren und den Begriff der „Rückkaufwelle“ prägen. Daneben beherrschten bei Nagel vor allem Händler aus London – darunter Asiatika-Händler-Legende Giuseppe Eskenazi – Hongkong und den USA das Auktionsgeschehen.

Dass nicht nur in Pekings zu großen Teilen bereits zerstörten Altstadtvierteln von heute auf morgen das gefürchtete Kreidezeichen „Chai“ zum Abriss an der Türe stehen kann, müssen in diesen Minuten zahlreiche auch international anerkannte chinesische Künstler schmerzlich erfahren. Die Vorgänge, die die Pekinger Kunstwelt zurzeit erschüttern, sind ungeheuerlich. In einem Anfall aggressiver Machtausübung hat die Stadt gestern begonnen, das Künstlerviertel Suo Jia Cun abzureißen. Das Suo-Jia-Cun-Viertel zeichnet sich dadurch aus, dass es leicht abseits der tosenden Millionenstadt Peking in beinahe dörflichem Umfeld ein Zusammenleben von Kunstschaffenden, Kunsttheoretikern und deren Familien ermöglichte, das seinesgleichen in Peking sucht.

Chinas Kunstwelt befindet sich im Wandel. Neben dem gesteigerten Interesse an zeitgenössischer chinesischer Kunst seitens des europäischen Publikums etablieren sich in China selber zusehends zwei Kunstmärkte: Einer für traditionelle chinesische und ein anderer für westliche zeitgenössische Kunst. Noch nie war die Situation für Künstler auf dem chinesischen Markt so spannend und dramatisch zugleich. Im September 2005 traf die in Wien ansässige Kunsthistorikerin und Geschäftsführerin des Kunstdokumentationszentrums basis wien, Lioba Reddeker, in Shanghai den Künstler und Theoretiker Zhang Lan Sheng. Zhang, gebürtig aus Shanghai, hat in den vergangenen Jahren unter anderem in Australien, Wien und Tokyo gelebt und seinen Wohnsitz nun seit kurzem wieder in seine massiv veränderte Heimatstadt verlegt. Zhang Lan Sheng ist ein aufmerksamer Beobachter der Veränderungen der Kunstwelt in China, zu denen er auch durch den Aufbau eines Studienganges „Kulturmanagement“ aktiv beizutragen versucht. Als im internationalen Kunstbetrieb bewanderter und kompetenter Gesprächspartner kommentiert er im Interview einige wichtige Momente und Strukturen dieses Wandels.

In dem zur Veranstaltungshalle eines großen österreichischen Getränkeherstellers umgebauten Hangar-7 am Salzburger Flughafen wird in Zusammenarbeit mit dem Kunstdokumentationszentrum basis wien seit dem 21. Oktober die Ausstellung „YCCA – Young Chinese Contemporary Art“ gezeigt. Die vom chinesischen Kurator Chang Tsong-zung, seines Zeichens unter anderem Galerist in Hongkong und Berater für Asiatische Kunst im Guggenheim Museum New York, zusammengestellte Auswahl hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Werke einer Generation zu präsentieren, die sich vor allem den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen Chinas widmet. Die meisten der 15 Künstler, angefangen bei Jahrgang 1958 bis hin zu den häufiger vertretenen 70er und 80er Jahrgängen, darunter drei Frauen, wurden bisher nicht in Europa gezeigt.

Seit den 1990er Jahren mischt die zeitgenössische Kunst aus China die Karten, mit denen der Kunstmarkt spielt, neu. Wie spiegelte sich das auf dem gerade zu Ende gegangenen ART FORUM BERLIN wider? Während der Kennerblick ausländischer Sammler und Galeristen sehr früh die Potentiale der chinesischen Kunstszene erkannt hat und chinesische Kunst in den Westen holte, gibt es bekanntermaßen noch nicht allzu lange chinesische Galerien auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst. Als eine der ersten Privatgalerien Pekings residiert die renommierte Galerie Courtyard seit 1996 in direkter Nähe zur Verbotenen Stadt. 2003 stellte sie zum ersten und einzigen Mal auf dem ART FORUM BERLIN aus. Sonst hat keine der in den letzten Jahren gegründeten chinesischen Galerien den Weg nach Berlin angetreten. Wie erklärt sich ihr Fernbleiben, trotz des starken Interesses an chinesischer Kunst im Westen?

China bedeutet Ambivalenz und Chinas Kunst ist ein Kosmos verschiedenartiger Strömungen und Tendenzen, die sich ebenso wenig wie die westliche zeitgenössische Kunst zu einer Kür dressieren lassen. Dem Problem westlicher Asien-Rezeption widmet sich daher ab Ende September die mit der Frage „ASIA: THE PLACE TO BE?“ betitelte Ausstellung in den neuen Räumlichkeiten der Galerie Alexander Ochs in Berlin-Mitte. Dahinter steht ein Ausstellungskonzept, das die gesamte Bandbreite chinesischen Kunstschaffens darlegen möchte. Gezeigt werden sowohl Rückblenden in düstere Kapitel chinesischer Geschichte und die Schattenseiten scheinbar nicht aufzuhaltender Industrialisierung als auch Werke, die die Kraft, die Dynamik und den Widerspruch der gegenwärtigen Entwicklungen Chinas aufnehmen.

Unter den Tipps eines jeden China-Reiseführers fehlt selbstverständlich nicht der Hinweis auf die Peking-Oper. Nach den üblichen Informationen über ihre Geschichte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts sowie ihre typischen Plots und Charaktere folgen warnende Worte an den empfindlichen Touristen: Nicht nur die Dauer von 2 bis 5 Stunden, auch die grellen Stimmen und scheppernden Klänge der traditionellen Instrumente könnten den Urlaubsgenuss trüben. Nicht zu vergessen die oftmals rüpelhaften Manieren der chinesischen Theaterbesucher. „It’s a lively prole-audience entertainment fit for an emperor”, bringt der australische Reiseführer lonely planet das schräge Verhältnis der traditionellen Darbietung zu seinem Publikum auf den Punkt. Im Interview spricht der Künstler Shen Liang (geboren 1976) über das gebrochene Verhältnis seiner Generation zu dieser Tradition – und auch sein Werkzyklus „Beijing Opera“, zu sehen ab dem 9. September bei Lothar Albrecht in Frankfurt, spiegelt diesen Bruch wieder.

Die Ausstellung „Mahjong“, die zur Zeit in Bern Werke der Chinesischen Gegenwartskunst zeigt, ist vor einiger Zeit unbeabsichtigt aus dem Schonraum des ästhetischen Diskurses aufgeschreckt worden. „Skandal!“, heißt es reißerisch in der Presse, vom „Monsterkopf“ ist die Rede. Ja, bestätigten die Kuratoren, es handle sich bei Xiao Yus Objekt „Ruan“ wirklich um den Kopf eines Fötus, dem Kaninchenaugen implantiert wurden und den der Künstler dann mit einem Taubenkörper zusammenbrachte. Ausgelöst wurde die jetzige Rechtfertigungsschleife durch die Strafanzeige des Journalisten Adrien de Riedmatten, die sich nicht nur gegen das Museum und den Sammler richtete, sondern auch kurzerhand gegen den Künstler selbst. Die Begründung lautet Gewaltdarstellung, Störung der Totenruhe und Verletzung des Tierschutzgesetzes.

Der Ausstellungstitel Mahjong – Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg kommt so spielerisch daher, dass dem Nicht-Insider völlig entgehen kann, wie lohnend die Reise in die beschauliche Schweizer Hauptstadt Bern und der Besuch ihres Kunstmuseums zur Zeit ist. Und auch nach Holderbank bei Bern, wo der zweite Teil der Ausstellung gezeigt wird, verschlägt es den Kunsttourismus nicht zufällig. Den Kuratoren Bernhard Fibicher und Ai Weiwei kam – gleich einer Runde des chinesischen Nationalspiels Mahjong – die schwere und Geduld erfordernde Aufgabe zu, aus der 1200 Werke umfassenden Sammlung Uli Siggs 340 für das Kunstmuseum und 25 großformatige für Holderbank auszuwählen. Kennt schon die Siggsche Sammlung kein vergleichbares Gegenstück – quantitativ und qualitativ –, so gab es bisher auch keine Ausstellung dieser Größenordnung zum Thema Chinesische Gegenwartskunst. Nicht übertrieben ist also die Pressemitteilung, dass es sich bei dieser erstmaligen Präsentation um einen „internationalen Meilenstein in der westlichen Auseinandersetzung mit zeitgenössischer chinesischer Kunst“ handelt.

„Neue abstrakte Malerei aus Österreich“ – das ist ein Angebot, das in Xian in der Provinz Shanxi noch exotischer klingt als in Shanghai oder Peking, wo die Schau zuvor Station gemacht hat. Österreich, ja, das kennt man in China, als Land der Musik. Aber Malerei? Noch dazu abstrakt? Dank der wirtschaftlichen Liberalisierung Chinas und dem Bestreben, Supermacht zu werden, ist der bildenden Kunst eine neue Bedeutung – und Freiheit – zugekommen. Eine Konsequenz daraus ist die Möglichkeit, Ausstellungen zeitgenössischer Malerei aus Österreich durch vier Städte touren zu lassen – wenngleich komplett finanziert vom österreichischen Staat. Die neue Freiheit spiegelt sich auch in der facettenreichen aktuellen chinesischen Kunstszene, die allerdings bislang vor allem im Ausland auftritt – etwa in der umfassenden Präsentation der grandiosen Privatsammlung des ehemaligen Schweizer Botschafters in Peking, Uri Sigg, im Kunstmuseum Bern.

Anlässlich der Auktion Chinese Ceramics and Works of Art am 12. Juli bei Christie’s London wurde das teuerste chinesische Kunstwerk aller Zeiten veräußert. Für einen besonders seltenen und bedeutenden, in blau und weiß gehaltenen Krug der Yuan-Dynastie aus dem 14. Jahrhundert, wurden 15 Millionen britische Pfund, umgerechnet 22, 7 Millionen Euro gezahlt. Nach einem erbitterten Kampf zwischen mehreren Käufern, über das Telefon sowie im Saal, wurde das Gefäß von einem privaten Käufer erworben, der durch den Londoner Kunsthändler Guiseppe Eskenazi vertreten worden war. Der Krug, ursprünglich von dem Kapitän und leidenschaftlichen Kunstsammler Baron Haro van Hemert Anfang des 20. Jahrhunderts in Peking erstanden, war kürzlich in den Niederlanden aufgetaucht.

„Insight Into Women“ – mit diesem etwas befremdlich klingenden Slogan kündigte die L. A. Galerie Frankfurt die Eröffnungsausstellung in ihrer Pekinger Dependance am 9. April 2005 an. Nach einem Zwischenstop in Shanghai zog es den Galeristen Lothar Albrecht in die chinesische Hauptstadt, wo er sich mit seiner Galerie in einer der sich gerade neu etablierenden Künstlersiedlungen niedergelassen hat. Bereits seit 1990 gehört die L. A. Galerie Frankfurt zu den bekannten Repräsentanten für zeitgenössische Kunst und ist mit dem Schwerpunkt Fotografie auf den internationalen Kunstmessen wie etwa der Art Basel, Art Cologne und der Armory Show New York vertreten. Gemeinsam mit seinen beiden chinesischen Partnern Wei Wei und Pan Xiulong hat sich nun auch L. A. Beijing sowohl im Westen wie in Asien als Insider in Sachen chinesischer Kunst etabliert.

Das Szenario könnte aus einer Folge der Science-Fiction-Serie „Time tunnel“ aus den 1960er Jahren stammen: Man betritt ein venezianisches Handelslagerhaus aus dem 16. Jahrhundert, kommt aber in einem Hongkonger Teehaus im 21. Jahrhundert an. Investigation of a journey to the west by micro + polo nennt die Kuratorin Sabrina M.Y. Fung Hongkongs Beitrag zur 51. Biennale Venedig, zu der neben dem Teepavillon ein raumgroßes Holzmodell von Venedig gehört. Die Erlebnisinstallationen der beiden Hongkong-Chinesen Stanley Wong und Chan Yuk-keung verweisen darauf, dass sich der westliche Mensch im globalisierten Dorf nicht mehr wohlig in der Exotik einrichten kann wie einst der venezianische Kaufmann Marco Polo. Der „ferne Osten“ ist in der mikrotechnologischen Ära unter uns; wir und das „Andere“ treffen uns in einem hybriden Raum, in dem sich die Kulturen vermischen.

Seit Ende des vergangenen Jahres gelten in China vereinfachte Regelungen zur Gründung ausländischer Auktionshäuser. Bisher jedoch hat keiner der internationalen Globalplayer den Schritt auf das chinesische Festland gewagt; zu hoch sind immer noch die bürokratischen Hürden. Der auf chinesische Kunden ausgerichtete, landeseigene Auktionshandel boomt entsprechend – ganz besonders auf dem Markt der traditionellen chinesischen Kunst. Im Ausland ansässige Auktionshäuser können dabei – wenn schon nicht vom Handel vor Ort – von einer das chinesische Kaufpublikum erfassenden, richtiggehenden Rückkaufhysterie profitieren, was jüngst die Ergebnisse der Auktion „Asiatische Kunst“ im Hause des Kunstversteigerers Lempertz in Köln bewiesen.

Wang Shugang
Zentrales Thema in den Arbeiten des chinesischen Künstlers Wang Shugang (geboren 1960) sind die rasanten Veränderungen der letzten Jahre in China, die unter anderen auch seine Heimatstadt Peking in kürzester Zeit zu einer anderen Stadt haben werden lassen. Dem Künstler geht es dabei aber nicht um den fortschrittstrunkenen Blick nach vorn, sondern eher um die ideellen Trümmerfelder und den drohenden Gesichtsverlust. Geradezu symbolisch zieht sich durch seine Licht- und Skulpturinstallationen die Farbe Rot: „Die chinesische Fahne, die Mauern der Tempel, die Mäntel der buddhistischen Mönche, aber auch die Kleidung einer Braut sind rot. Wenn ich den Schornstein auf dem Dashanzi-Gelände rot aufleuchten lasse, dann aktualisiert dieses Licht sowohl die Geschichte des Areals in der Maozeit, die Aufbruchsstimmung der freien Kunstszene an diesem Ort Ende der 1990er Jahre, aber gleichzeitig auch meine Trauer über die Wucht der Kommerzialisierung, durch die dieser Ort gerade wieder sein Gesicht verändert.“

Auch im heutigen Peking steckt die aktuelle Kunstproduktion oft noch immer im Würgegriff einer ideologisch und dogmatisch geprägten Auftragskunst-Ästhetik. Zurück in die Gegenwart geht es dagegen in den Fotoarbeiten des Chinesen Chipeng, der – als Künstler bereits international agierend und bis vor kurzem in der Berliner Galerie von Alexander Ochs zu sehen – an der Central Academy of Fine Arts, Beijing, studiert. Ja, Chipengs Fotografien erzählen Geschichten, sehr persönliche und gleichzeitig für seine Generation exemplarische. Auf die Frage, wie er zur Fotografie als künstlerischem Medium gekommen sei, antwortet der 24-Jährige, dass nur sie ihm die Möglichkeit gebe, sein Lebensgefühl auszudrücken. Er tut dies bar jeglichen Bemühens um Coolness. In Consubstantiality berühren seine Arbeiten vermeintliche Gender-Grenzen, in Green Serial den Cyberspace-Charakter der Wirklichkeit, insbesondere der Wirklichkeit einer sich so unvorstellbar rasant verändernden Stadt wie Peking.

Den in der chinesischen Kunstszene bereits viel beachteten Newcomer Shi Jing zeigt jetzt, nachdem er erstmals auf der Art Cologne 2004 zu sehen war, die Berliner Galerie von Alexander Ochs unter dem Titel About: blank. Wer die oft in grellen Farben schreienden Werke vieler zeitgenössischer chinesischer Künstler vor Augen hat, den überraschen die Arbeiten Shi Jings. Der Künstler entnimmt die Farben seiner monochromen Gemälde einer Palette von Grautönen und allzu schnell scheint sich das, was sie zeigen, in der grauen Fläche zu verflüchtigen. Mit stoischer Kontinuität treibt Shi Jing den Prozess der Dematerialisierung des Bildgegenstandes voran. Seiner philosophischen Grundhaltung kommt man dabei über die Grundsätze des Taoismus oder die Schriften des französischen Sinologen und Philosophen Francois Jullien auf die Spur. Doch ob mit oder ohne intellektuelles Rüstzeug – die beschwingende Leichtigkeit und den Spaß, erst wenig oder nichts und dann doch so unverhofft viel zu sehen, beeinflusst das nicht.

Am Motto der China International Gallery Exposition Beijing (CIGE) ließe sich noch feilen. Mit „Internationalization, Standardization and Futurity“ kommt es reichlich sperrig daher und erinnert stark an die in der Volksrepublik allgegenwärtigen Parolen staatlicher Kampagnen zur Fortentwicklung des „Neuen China“. Doch der ungelenke Reklameslogan für die zum zweiten Mal in Peking stattfindende Kunstmesse ist ernst zu nehmen; denn ernst nehmen sich auch die Veranstalter der Messe. Annähernd 90 Aussteller aus 13 Ländern bringen sie vom 2. bis 5. Mai 2005 in der Ausstellungshalle des China World Trade Center im regen Pekinger Geschäftsbezirk am östlichen Ende der Jianguomenwai Avenue unter.

Noch vor 10 Jahren hätte man auf die Frage, was ein chinesischer Künstler für den idealen Ort seines Kunstschaffens halte, wohl kaum „Peking“ zur Antwort bekommen. Seit mindestens fünf Jahren allerdings – so hört man von den Insidern der dortigen Szene immer wieder – ist dies eher die Regel denn die Ausnahme. Es kehren sogar Künstler in die chinesische Metropole zurück, die es ob der besseren Lebensumstände oder wegen politischer Repressionen ins Ausland verschlagen hatte. Der markanteste Ort, um auch als ausländischer Besucher zu registrieren, dass sich in Peking eine ernstzunehmende Kunstszene entwickelt hat, ist der von Kennern kurz 798 genannte Dashanzi Art District im Nordosten der Stadt. Dort startet am 30. April zum zweiten Mal das vierwöchige multimediale Kulturprogramm des Dashanzi International Art Festival (DIAF) unter dem Motto „Language / Fable“ (Yuyan / Yuyan).

Xu Tan mag’s offensichtlich gerne heiß. Am liebsten mag er es, wenn den Besucherinnen und Besuchern seiner Ausstellung der Dampf ins Gesicht schlägt und das Wasser aus allen Poren treibt. Dafür hat der chinesische Künstler in der Berliner DAAD-Galerie nun eigens ein Dampfbad aufgebaut. Es ist als begehbare Raumskulptur aus Holz und Glas zentraler Teil seiner Installation Air is good und darüber hinaus als Statussymbol für Chinas neuen Reichtum zugleich politische Metapher – nicht nur für den Körper eine schweißtreibende Angelegenheit...
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