Kunst aus China auf der Art Basel

Steigende Nachfrage

Birgit Hopfener
14. Juni 2007
Seit ihren durchschlagenden Erfolgen auf internationalen Auktionen ist die Erfolgsserie der zeitgenössischen chinesischen Kunst ungebrochen. Innerhalb kürzester Zeit werden in schneller Folge neue Höchstpreise erzielt, was so manchen Galeristen, Sammler und Künstler schwindlig werden lässt. Auf das große Interesse an der Kunst aus China reagieren zunehmend auch bisher westlich orientierte Galerien, indem sie ihr Programm um chinesische Positionen erweitern. Dies macht sich auf der Art Basel bemerkbar, denn um alle dort gezeigten chinesischen Kunstwerke zu sehen, muss man dieses Jahr – im Unterschied zum vergangenen – deutlich mehr Zeit einplanen. Doch es lohnt sich!

Zu den alteingesessenen Art-Basel-Teilnehmern gehört die Shanghaier Galerie ShanghArt (im Herbst dieses Jahres wird in Peking eine zusätzliche Dependance eröffnen) des ursprünglich aus der Schweiz stammenden Lorenz Helbling. Bereits seit 2002 präsentiert er in Basel sein chinesisches Programm. In diesem Jahr zeigt ShanghArt u. a. die großformatige Arbeit Thomas auf der berühmten „Kamel“-Serie des Shanghaier Künstlers Zhou Tiehai. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Zhou Tiehai zusammen mit Pierre Huber und Lorenzo Rudolfeiner einer der Organisatoren der mit großer Spannung erwarteten internationalen Kunstmesse ShContemporary, die im kommenden Herbst in Shanghai zum ersten Mal stattfinden wird. Des Weiteren ist das Gemälde Dong Cunrui von Zeng Fanzhi und die aus mehreren Porträts bestehende Arbeit Face (2001) von Geng Jianyi im Angebot. Auf der Art Unlimited ist zudem die konzeptuell sehr interessante Arbeit 18 Days des 1977 geborenen Xu Zhen zu sehen.

Die Galerie Urs Meile / CAAW arbeitet bereits seit 1997 mit chinesischen Künstlern, die neben westlichen Positionen inzwischen 80 Prozent des Galerieprogramms ausmachen. Einige international hoch beachtete Namen sind darin zu finden, so u. a. die documenta-12-Teilnehmer Ai Weiwei, Xie Nanxing und Lu Hao. Für 24.000,- US-Dollar ist Lu Haos Viererserie 2006 New Visual Acuity Chart for General Use (2007) erhältlich – eine kritische Auseinandersetzung mit der in China momentan scheinbar alles bestimmenden ökonomischen Macht. Ai Weiwei ist gleich mit mehreren Arbeiten vertreten. Auf der Art Unlimited fasziniert seine Installation Fragments – eine Konstruktion aus Hölzern alter Tempelbauten, die aus der Vogelperspektive die Umrisse Chinas erkennen lässt. Li Songsongs Gemälde Global Bikini mit den für seine Werke charakteristischen pastos aufgetragenen pastellenen Farben und das Bild strukturierenden Flächen nimmt Bezug auf die Fotografie eines Schönheitswettbewerbs. In seinem Werk interessieren ihn die kollektiven Erinnerungen seiner in den 1970er Jahren in China geborenen Generation, wobei nicht die abbildhafte Darstellung, sondern die Reflexion darüber sowie materielle und bildimmanente Strukturen im Vordergrund stehen.

Der äußerst vielseitige Maler Wang Xingwei, der für seine unterschiedlichen Malstile und kunsthistorischen Verweise bekannt ist, überrascht bei Urs Meile/CAAW mit einem neuen Stil, dessen Referenz Illustrationen aus dem Shanghai der 1920er Jahre sind.  Im Unterschied zu seinen früheren Arbeiten ist das zum Preis von 42.000,- Euro präsentierte Bild Ohne Titel (Fuchs) nicht mehr ikonografisch zu lesen, sondern drückt mit  künstlerischen Mitteln – zurückgenommene Farbigkeit, dynamische Formen und bildkompositorische Elemente – menschliche Zustände aus. Li Zhanyang nimmt in seinen skulpturalen, stark ironisch gefärbten Arbeiten Bezug auf reale, oftmals surreal anmutende Szenen des gegenwärtigen Chinas sowie auf kulturelle Textquellen wie zum Beispiel den erotischen Roman Jin Ping Mei. Auf der Art Basel zeigt Urs Meile / CAAW die bereits durch ihre Größe beeindruckende Arbeit Night Scene in Chongqing (80.000,- Euro). Ähnlich einem überdimensionalen Puppenhaus findet man sich vor dem Kunstwerk als Beobachter verschiedener Szenen voller Leben in einem aufgrund der vielen Menschen aus allen Nähten platzenden Haus.

Auch die Galerie Continua mit Dependancen in San Gimignano und Peking arbeitet mit einigen sehr interessanten chinesischen Künstlern zusammen. Auf der diesjährigen Art Basel sind gleich zwei Arbeiten des Künstlers Chen ZhenUn-interrupted Voice von 1998 für 140.000,- Euro und Jetons Divins/ Caisse D moniaque aus dem Jahr 1991 für 1 Mio. Euro – sowie das aus drei Leinwänden bestehende, großformatige Gemälde Roma Bathtub von 2007 für 120.000,- Euro des talentierten Künstlers Yan Lei zu sehen.
Die Galeria Continua überzeugt in Peking mit ausnahmslos qualitativ anspruchsvollen Ausstellungen. Während es ihr Hauptanliegen ist, dem chinesischen Publikum westliche Kunst vorzustellen, organisiert zudem regelmäßig Ausstellungen chinesischer Kunst wie zum Beispiel „A Continuous Dialogue“ im Herbst vergangenen Jahres.

Auch die Genfer Galerie Art & Public von Pierre Huber, der einer der Hauptinitiatoren der bereits erwähnten Messe ShContemporary ist, zeigt an seinem Stand chinesische Kunst. Neben dem riesigen Fang Lijun-Gemälde Untitled, 2007, das am zweiten Messetag bereits verkauft wurde, liegen Pierre Huber insbesondere die 2005 entstandenen konzeptuellen Arbeiten Untitled (Green Door with Window), und Untitled (Yellow Door) des jungen Künstlers Qiu Xiaofei am Herzen. Auch deutsche Galerien haben chinesische Kunst im Programm: Die Galerie Christian Nagel mit einem Gemälde von Zhao Gang sowie die koreanische PKM Galerie, die neben Chen Wenbo in Kürze auch Wang Qingsong vertreten wird.

Die Galerie Vitamin Space, die im südchinesischen Guangzhou ansässig ist, überzeugt durch anspruchsvolle konzeptuelle Arbeiten vieler südchinesischer Künstler. Nahm sie im vergangenen Jahr noch an der Liste Basel teil, so wurde sie dieses Jahr erstmalig zur Teilnahme an der Art Basel in der Sektion „Art Statements“ für junge Galerien eingeladen. Zu sehen sind die Installation Three Life Scripts of a Gambler von Zheng Guogu und die installative Arbeit National Father-Guo Fu (2006) der diesjährigen Venedig-Biennalen-Teilnehmerin Cao Fei, für die sie mit ihrem Vater zusammenarbeitete, der für seine Skulpturen des Begründers der chinesischen Republik Sun Yatsen (Guo Fu-Vater des Landes) Berühmtheit erlangt hat.

Auch auf den anderen parallel stattfindenden Messen, insbesondere auf den Veranstaltungen Liste, Volta Show  und Design Miami Basel, sind weitere chinesische Positionen zu entdecken. Einen guten Überblick über das Angebot chinesischer Kunst auf den derzeit in Basel stattfindenden Messen bietet das zur Art Basel herausgegebene Sonderheft der Zeitschrift Yishu, das am Art-Basel-Stand der Publikation in der Sektion „Magazines“ gratis zu bekommen ist. Die in Kanada herausgegebene Zeitschrift befasst sich ausschließlich auf hohem Niveau und in englischer Sprache mit verschiedenen Aspekten der chinesischen Gegenwartskunst und erscheint vierteljährlich.

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