15. Juni 2011
Art 42 Basel. Vom 15. bis 19. Juni 2011
Die Art Basel hat begonnen. Was 1970 als Idee einer Gruppe lokaler Galeristen begann, hat sich in seiner 42. Ausgabe zu einem wahren Kunstmessegiganten entwickelt, der diesjährig 300 Galerien auf den Plan bringt. Wohl nirgendwo wird deutlicher, durch welch radikalen Wandel die Welt der Kunstmessen gerade geht. Während andere Messegesellschaften gleich gar keine mehr davon anbieten, so wie beispielsweise die Frankfurter, bzw. sich über die erstbeste Möglichkeit freuen, nach Jahren mehr oder minder randdefizitären Daseins ihre Kunstmessen einzustampfen, so wie in Berlin, ist Basel munter dabei, sein Kontinente übergreifendes Netzwerk zu erweitern. Nach dem Coup der Gründung einer Veranstaltung in Miami 2002 übernahm man jüngst die Art Hong Kong um die weltumspannende Marke voranzutreiben. Aber sind die Großplaneten auch miteinander verbunden oder kreisen sie einsam im All der Kunstmessen vor sich hin? Zwar betonen die Messeorganisatoren die Einzigartigkeit ihrer drei Veranstaltungen, doch auch von einem einheitlichen Standard soll schon die Rede gewesen sein. Adieu Diversität? Globalisierung ist auch auf dem Kunstmarkt kein neues Phänomen. Wohl aber die Rasanz, mit der sie dort voranschreitet und einstige Drehscheiben des Kunstmarktes innerhalb einiger Jahre als gammlige verlassene Kopfbahnhöfe zurücklässt.
Die Macht des Mythos als Garant für erfolgreiche Verkäufe an eine globale Geldelite einzusetzen, ist zumindest eine gute Idee um dem Verlust von Einfluss entgegenzuwirken. Der europäisch-amerikanische Markt ist traditionell verbunden, seit Jahrzehnten. Wer aber gehofft hatte, die neue Partnerschaft zur Art Hong Kong gehe einher mit der Anreise wilder einkaufswilliger Horden chinesischer Sammler, wird enttäuscht. Zwar sind sie tatsächlich gekommen, nicht massenweise aber zumindest in ansehnlicher Zahl und gut sichtbar, doch sollte man sich daran gewöhnen, dass die Statussymbole des neuen Kapitalismus zukünftig auch am Entstehungsort desselbigen an den Mann gebracht werden wollen. Sammlerbomber gen Asien, Indien oder den Nahen Osten sind ein alltäglicheres Bild als andersherum. Überhaupt, die Sammler. Offenbar hat man versucht, ihrer im Vorfeld der Messe Herr zu werden und zu sondieren, wer in Zeiten neu hinzuströmender Sammlerschichten noch mitfahren darf, auf dem großen, bunten Kunstkarussell. Wer früher einfach Kunst kaufte, dem wird heute suggeriert, er müsse Teil der aufregenden, internationalen Szene sein und dazu eben auch die großen Messen besuchen, möglichst noch bevor diese ihre Pforten öffnen. Wehklagen einiger deutscher Sammler über im Vorhinein offenbar versendete Fragebögen mit recht expliziten Fragen nach Ausgaben, Kontakten und Sammlungsinhalt, angeblich als VIP-Zugangsvoraussetzung, begleiteten die Eröffnung der Art Basel ebenso wie die der Galeristen über zu wenige zur Verfügung gestellte Eröffnungskarten. Allerdings auch die über Überfüllung beispielsweise des bereits am Vorabend der Messe eröffneten Sektors Art Unlimited mit 62 großformatigen Arbeiten von unter anderem Dan Flavin, Mona Hatoum, Anish Kapoor, Jacob Kassay oder Sarah Morris. Das aber ist die Krux: Schafft man Zugang für alle, auf die Gefahr hin, Exklusivität einzubüßen und damit eine kleinere, aber überlebenswichtige Sammlergruppe zu vergrämen oder geht man den steinigeren Weg der Selektion und Neudefinition von liquiden Sammlerstämmen und wirft all jene heraus, die die Messe auch als Treff-, Informations- und Austauschplatz betrachten. Von Gaffern lebt nun mal kein Galerist. Die Spielregeln des Marktes werden sich neu definieren müssen.
Das alles und noch viel mehr
von Gesine Borcherdt
Die Art Basel ist ein einziges Stimmungshoch: Schöne Stände, gute Gäste, fröhliches Verkaufen. Der zeitgenössische Sektor ist wieder voll da – ohne Hysterie und mit einem Hauch von Hybris.
Based in Basel
von Caroline Stummel
Die Art Basel ist das olympische Sommerspiel des Messesports: unumstritten, bedeutend und spektakulär. Für nur wenige Junitage trifft sich in der Schweiz kunst- und szenetreues Fachpublikum – am liebsten bevor die Türen ganz offiziell geöffnet sind.
Art Basel eröffnet
von artnet Magazin
Vom 15. bis 19. Juni 2011 findet zum 42. Mal die Art Basel statt – die wichtigste Kunstmesse der Welt. Mehr als 300 Galerien aus 35 Ländern präsentieren Werke von über 2.500 Künstlern der Moderne und Gegenwart.
Unter schweizer Dächern
von Caroline Stummel
Anfang Juni pilgern die Kunstakteure in die Schweiz. Die Basler Messe stellt in puncto Quantität und Qualität die anderen Mitbewerber unlängst in den Schatten. Ihr weitgereistes Publikum hat artnet ins rechte Licht gerückt.
Larger than life
von Gesine Borcherdt
Die Art Unlimited wirkt wie eine Museumsausstellung über Minimal Art und die Folgen. Was manche als mangelnde Experimentierfreude beklagen, macht den Rundgang zu einem Vergnügen jenseits des „Younger-than-Jesus“-Wahns im Kunstbetrieb.
SCOPE-Spotlight
von artnet Magazin
LISTE, VOLTA und SCOPE heißen die Satellitenmessen zur Art Basel. Letztere findet zum dritten Mal in einer ehemaligen Kaserne statt, auf 5.000 Quadratmetern, direkt im Herzen der Stadt. Das artnet Magazin war für Sie vor Ort.