Kölner Designplattform Passagen eröffnet zeitgleich zur imm cologne 2007

Ave Angewandte

Damian Zimmermann
15. Januar 2007

Passagen 2007, 15. bis 21. Januar 2007, Köln.

imm cologne, 15. bis 21. Januar 2007, Köln.

Bis einschließlich Sonntag, den 21. Januar, verwandelt sich Köln wieder in ein Mekka des Designs. Rund 130.000 „Pilger“ werden in der Domstadt erwartet und sie werden lange Wege zurücklegen müssen, wenn sie sich die 152 Ausstellungen ansehen möchten, die über weite Teile der Innenstadt und des angrenzenden Stadtteils Ehrenfeld verteilt sind. Die Ausstellungen gehören alle zum Programm der mittlerweile zum 18. Mal stattfindenden Passagen, der größten deutschen Designveranstaltung, die parallel zur Internationalen Möbelmesse imm cologne geradezu besucht werden kann. Im Vordergrund der Passagen steht vor allem das zeitgenössische Design. Ergänzt wird die Veranstaltung durch zahlreiche Retrospektiven zu Designern und Firmen.

Natürlich gibt es bei dem großen Angebot eine ganze Menge zu entdecken, von dem hier nur in kleinster Auswahl zu berichten sein kann. So präsentiert eine Designergruppe der FH Aachen, genannt Das Aachener Zimmer, viele spannende, anregende, manchmal witzige Entwürfe von Nachwuchsdesignern. Die Mitglieder der Gruppe haben sich mit verschiedenen, eher ungewöhnlichen Fragen beschäftigt. „Wie versteckt man einen Schrank?“, „Kann eine Treppe mehr sein als nur eine Verbindung zweier Ebenen?“ und „Muss ein Sitzmöbel auf dem Boden stehen?“ sind nur einige davon. Antworten dazu gibt es im Alten Pfandhaus zu begutachten. Die Ausstellung „Convertible City“, erstmals gezeigt auf der 10. Architektur-Biennale in Venedig, ist ebenfalls nach Köln gereist: 36 Entwürfe von Architekten, Künstlern und Landschaftsplanern, zukunftsweisende Bauten und Denkmuster aus deutschen Städten sind im KAP Forum zu sehen.

Zu den dominantesten Ausstellern der Passagen 2007 gehören die Spichern Höfe, der permanente Showroom Design Post, Pesch Wohnen und allen voran Vulkan.Köln in Ehrenfeld – zusammen beherbergen die vier Veranstalter fast ein Viertel aller Ausstellungen. Der Rest verteilt sich auf andere, kleinere Einrichter, Möbelhäuser und Läden. Aber eben nicht nur. Bars werden ebenso bespielt wie Hotels, eine Kirche, eine Buchhandlung und natürlich viele Galerien. Die Galerie Maurer aus München und die infocus Galerie aus Köln präsentieren gemeinsam unter dem Titel „Architects Hatch“ neue Entwürfe für minimalistische Möbel sowie Fotoarbeiten der Künstler Thomas Kellner und Herbert Böttcher. Die Galerie Werft 11 im neuen Rheinauhafen beschäftigt sich ebenfalls mit neuen Produktentwürfen für Möbel, Schmuck und Skulpturen, während die Sprüth Magers Galerie von Künstlern wie Thomas Demand, Peter Fischli/David Weiss, Thomas Grünfeld und Martin Wöhrl gestaltete Möbel vorstellt. In der Kölner Südstadt soll zudem eine Galerienmeile die Besucher locken: Der Titel „unter Wasser“ steht für ein gemeinsames Projekt von Designern, Künstlern und Handwerkern, die sich alle mit dem nassen Element beschäftigt haben.

Insgesamt steht klar der Event-Charakter der Passagen im Vordergrund. Viele Aussteller laden zu den von den Passagen ins Leben gerufenen „Cocktails“ ein. Das sind Sonderveranstaltungen, auf denen mal gefeiert, getrunken und getanzt, oder einfach nur eine Kollektion präsentiert wird – je nach dem wie viel Aufwand der Initiator betreibt und wie viel Geld ihm zur Verfügung steht. Dabei fällt auf, dass bei den Passagen immer mehr Genres miteinander vermischt werden und ineinander greifen, die teilweise nichts mehr mit Design zu tun haben. Wer das gut findet, mag es Cross-over nennen und als Phänomen unserer Gesellschaft betrachten, als Zeitgeist, der ohnehin alles miteinander vermixt. „Wir lieben die Vielseitigkeit“, erklärt auch Sabine Junker, Sprecherin des Büros Sabine Voggenreiter, das die Passagen veranstaltet. Schließlich sollten die Veranstaltungen auch „abgerundet“ werden, zum Beispiel durch eine Party nach 22 Uhr, auf der man nach dem Besuch der Passagen auch mal die Beine hochlegen könne.

Doch manche Veranstaltungen drohen in der Beliebigkeit und Massenkompatibilität zu versinken, nämlich dann, wenn die Besucher nur noch wegen des Events erscheinen. Aber immerhin kommen sie - und das macht eben den Erfolg aus, von dem auch andere profitieren wollen. Die Foto-Galerie Lumas,die seit kurzem eine Filiale in Köln besitzt, präsentiert daher ebenfalls ihre Künstler und deren Arbeiten. Unter den Begriff Design würde man die bei Lumas angebotenen Fotografien normalerweise wohl kaum fassen, aber die Passagen sind eben ein dankbarer Schauplatz, eine Art riesiger Kuchen, der so gut duftet, dass nicht nur die eigene Familie, sondern auch die Nachbarn etwas davon abhaben möchten.


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