12. Juni 2010
Dieser Text erscheint als Beitrag zum Jungkuratorenworkshop der 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Internationale Experten diskutieren mit herausragenden Nachwuchskuratoren über den Kunstbetrieb und die Künstler von morgen. artnet unterstützt das Projekt als Medienpartner.
In den letzten Jahren wirkte der Kunstbetrieb so, als würde er mit Mühe um Fassung ringen. Als würde der Kunst die Anstrengung ein wenig zu viel. Leicht gehetzt, ein wenig verängstigt, beugen die Museen und Ausstellungshallen sich immer häufiger politischem Druck. Stellt der Staat populistische Forderungen, verlangen die Fördergeber höhere Besucherzahlen, schwankt manche Institution in ihrem Kurs. Schnell wird ausgestellt, was alle zeigen. Schnell wird der kuratorische Vermittlungsauftrag zum Marketingprojekt. Kulturförderung im Zeitalter bürokratischer Spardiktate unterbindet waghalsige Visionen manchmal nachhaltiger als staatliche Zensur. Der Sachzwang gängelt die Kunst. Auch die Kompensation durch unternehmerisches Sponsoring entbindet die Ausstellungshäuser häufig von diesem Sachzwang nicht. Das Sperrige, das nie Gesehene, das im Vorhinein Ungeplante fällt unter den Tisch. Man sieht ratlose Gesichter in vielen Museen und noch mehr Kunstvereinen.
Führt man sich diesen Zustand vor Augen – und er ist keine Apokalypse, sondern nackte Realität –, dann begreift man, wie wertvoll der Jungkuratorenworkshop ist, den die 6. Berlin Biennale gefördert vom Goethe-Institut München, der Allianz Kulturstiftung und dem Autobauer BMW unter dem Titel „Real Players“ zum dritten Mal ausrichtet, und den artnet als Medienpartner unterstützt.
13 Nachwuchskuratoren und Kuratorinnen hat eine Jury ausgewählt, zu der auch Kathrin Rhomberg, die künstlerische Leiterin der Biennale, und Gabriele Horn, die Direktorin des KW Institute for Contemporary Art, gehörten. Die Gäste aus Südafrika, der Tschechischen Republik, Palästina, Serbien, Israel, Mexiko, Armenien und vielen anderen Ländern zählen zu den besten jungen Ausstellungsmachern ihrer Generation. Sie entwickeln an ihren Arbeitsorten die Visionen, an denen sich der internationale Kunstbetrieb neu ausrichten soll. Oft richtet sich ihr Blick eher auf die neuen Impulse der Schwellenländer, die Probleme der globalisierten Wirtschaft, die Migration der Inhalte und Menschen zwischen den Kontinenten als auf die naiven und beschränkten Bestenlisten eines Kunstsystems, das sich zuweilen obsessiv als Hitparade missversteht.
Es ist ein verdienstvolles System, das sich hier im Schatten der Berlin Biennale etabliert hat. Ein Netzwerk aus prominenten Gastreferenten, Organisatoren vor Ort und den Künstlern der Biennale ermöglicht den Ideenaustausch zwischen den Machern von morgen. artnet wird in den kommenden Wochen einige herausragende Beiträge der beratenden Kuratoren veröffentlichen und anschließend Statements, Interviews und Künstlerpräsentationen der Nachwuchskuratoren publizieren. Wir wollen so eine Plattform für ein Projekt bieten, das dem Kunstbetrieb frische Ideen und neue Konzepte bringt. Dass also die Nachhaltigkeit bietet, die Künstler und Galerien brauchen, um auch morgen die Ansprechpartner für eine herausfordernde und faszinierende Kunstproduktion zu finden. Für eine Kunst also, die sich auch unabhängig von schnell verblassenden Trends entwickeln – und sammeln lässt.
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