Sabine B. Vogel
3. September 2007
„Ich glaube, wir Menschen sind nicht nur irdische, sondern auch außerirdische Wesen“, erklärte
Július Koller und erfand den „U.F.O.-naut“ – ein Wesen, das in der Zeit durch das Universum reist. Seit Anfang der 1970er Jahre entstand jedes Jahr ein neues „U.F.O.“-Porträt von ihm (auch übersetzt als: universelle kulturelle futurologische Operation), ein „überirdischer“, bildlicher Kommentar zu einer politischen und sozialen Situation; humorvoll, abstrus-sarkastisch, und immer alltagsnah.
Július Koller, der 1939 in Piestany (Slowakei) geboren wurde und seit 1948 in Bratislava lebte, gehörte zu den wichtigsten, konzeptuell arbeitenden Künstlern Osteuropas. Mit seinen „Vorzeigeoperationen“ wollte er in den 1960er Jahren auf die „Bewusstheit“ einwirken und das Subjekt neu formieren. Allerdings zwang ihn die staatliche Zurückweisung in den kulturellen Untergrund. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Unterricht für Hobbymaler und trat bei den wenigen Ausstellungen mit Anti-Happenings und Anti-Bildern zwischen Dadaismus und Fluxus auf.
Während der 1990er Jahre folgten endlich mehr und mehr Ausstellungen zunächst in Osteuropa, nach der Jahrtausendwende dann vor allem im Westen. 2003 zeigte der Kölnische Kunstverein eine große Einzelausstellung, dieses Jahr war er in der Galerie
Martin Janda in Wien zu sehen und u. a. bei einer Gruppenschau in der Londoner
Tate Modern. Seinen verdienten, viel zu späten Erfolg kann Július Koller nicht länger miterleben: Am 18. August verstarb er in Bratislava an einem Herzinfarkt.