Jörg Scheller

Jörg Scheller studierte Kunstwissenschaft, Philosophie, Medienkunst und Anglistik. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft in Zürich, und Lehrbeauftrager an verschiedenen deutschen Hochschulen (darunter die Staatliche Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und die Universität Siegen). Seine Essays zu Kunst, Pop, Konsum- und Körperkultur wurden in zahlreichen Anthologien, Zeitungen und Magazinen veröffentlicht. Neben seiner internationalen Vortragstätigkeit hat sich Scheller auch als Musiker mit einer Vorliebe für Skurriles und Metallisches profiliert.
2012
Mai
Luigi Ontani ist alles: Postmoderner Salvador Dalí, Flowerpower-Sektenguru und Cross-Gender-Dandy. Jeff Koons kann einpacken.
März
Das Kunsthaus Zürich zeigt historische bis junge Kunst aus Mexiko. Kein Marketingtrick, sondern eine schlüssige Dramaturgie.
Januar
Das Museum für Gegenwartskunst Siegen ist „Museum des Jahres 2011“. Eine Ausstellung von Antoni Tàpies zeigt, dass das stimmt.
2011
Dezember
Douglas Gordons große Retrospektive im MMK entblößt die Methodologie künstlerischer Forschung anhand von Fankult und Found-Footage.
November
Bern ist ein Dorf höheren Ranges – und Harald Szeemanns Einfluss dort Geschichte. Doch heute hat es das Örtchen zur „glokalen“ Kunststadt geschafft.
September
Die Kunsthalle Zürich zeigt die Werke des libanesischen Medienkünstlers Walid Raad – seine Fotografien, Videos und Archive zählen zu den besten Statements der Gegenwartskunst.
Die St. Moritz Art Masters sind der Katholik unter den Kunstfestivals. Spektakel und Spiritualität, sind noch dieses Wochenende zu sehen.
Juli
Dekadentes l'art pour l'art war gestern. Heute arbeiten Künstler bevorzugt in kreativen Labors oder promovieren über das eigene Werk. Die Ausstellung „Atlas“ im Museum für neue Kunst in Karlsruhe präsentiert die Feldforschungen, Urformen und Quellen künstlerischen Arbeitens.
Seinen Einstand feiert Johan Holten, der neue Direktor der Baden-Badener Kunsthalle, mit einer Ausstellung zum Thema „Geschmack“. Dass er hier einen kritischen Diskurs aufrollt, ist hoch anzurechnen – leider bleibt es bei der Bebilderung der Fragen.
Performance und Kunstmarkt: Wie geht das eigentlich zusammen? Haben temporäre Aktionen heute überhaupt noch mit Systemkritik zu tun? Schließlich finden sie heute nicht nur auf der Straße statt, sondern in Museen, Galerien und sogar auf Kunstmessen. Der neue Aufwind des Genres weht vor allem aus New York.
Mai
Die Züricher Kunstlandschaft hat sich verändert. Was einst im Löwenbräu-Areal auf dichtem Raum zusammenkam, ist nun über die Stadt verteilt – wenn auch teilweise nur temporär. Ein Rundgang durch die Galerien und Museen zeigt, dass es hier jenseits der Postkartenidylle auch verwegene Seiten zu entdecken gibt.
März
Um 1900 reagierten esoterische Bewegungen zwischen Spiritismus, Okkultismus und Anthroposophie auf die vollendet ernüchterte Gewalt der Modernisierung. In der Kunst eines Joseph Beuys lebte dieses Unbehagen fort. Der 1977 geborene Münchener Maler Benedikt Hipp schlägt einen neuen Weg ein - zu sehen bei Kadel Willborn in Karlsruhe.
Januar
Große Themen und gigantische Formate: Jonas Burgerts Bilder kritisieren die gehaltlose Postmoderne und repräsentieren auf dramatische Weise den deutschen Weltschmerz.
2010
Dezember
Puppen in Lebensgröße und mystische Waldlichtungen: Schauereffekte sind Duane Hanson und Gregory Crewdson sicher. Trotzdem könnten der Pop-Art-Künstler und der Fotograf kaum verschiedener sein. Das Museum Frieder Burda bringt die beiden in Dialog – und schafft einen Ort der Stille.
Jenseits von Neo-Geo: Peter Halleys knallbunte Rasterbilder sind weit mehr als coole Abstraktionen. Sie erzählen von urbaner Tristesse – und weisen einen Weg in die Postmoderne. Als auratische Einzelstücke im White Cube bleiben sie allerdings stumm.
November
Seine Filme fallen aus der Rolle: Harun Farockis Ausstellung „Weiche Montagen/Soft Montages“ im Kunsthaus Bregenz zeigt, wie Kunst jenseits von bloßem Design oder platter Politik zum visuellen Kommentar werden kann.
Sozial engagierte Kunst gehört heute zum guten Ton. Der Brite Stephen Willats begann mit seinen Randgruppenaktionen schon 1965 – und avancierte zum Pionier dieser Kunstrichtung.
September
Schon wieder eine Biennale? Ja, und man sollte hinfahren. Die Mediations Biennale im polnischen Poznań ist ein dionysisches Fest für Geist und Sinne.
Neue Ahnen für die Biennale von Venedig, wider das Einheitsmuseum und die Entgermanisierung Michelangelos: Drei Bücher räumen im Kunstbetrieb auf.
Juli
Es ist ein wenig still geworden um Matthew Barney. Nun bemüht eine Basler Ausstellung Theologie und Alte Meister, um sein Werk aufzuwerten.
Gesellschaft voller Spielkinder: Cosima von Bonin findet in ihrer Schau im Kunsthaus Bregenz prägnante Bilder für unsere konsumverliebte Gegenwart.
Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe hat Mirosław Bałka eingeladen, ihre Sammlung altdeutscher Meister zu verfremden. Das Ergebnis ist raumgreifend, lässt aber alle Fragen offen.
Die vierte Bukarest Biennale ist verhalten politisch. Sie positioniert sich im Spannungsfeld zwischen Agitation und Repräsentation.
Juni
Goldene Auszeit auf weißen Laken: Hubert Kiecol schafft im Museum für Gegenwartskunst Siegen Orte der ritualisierten Ruhe, des Rückzugs und Verweilens.
Mai
Der ökologische Anstrich blättert ab: In Roni Horns Schau im Kunsthaus Bregenz wird der Naturbezug zur Oberflächenretusche.
April
In Turin ist das berühmte Grabtuch wieder zu sehen. Anlass für eine kluge Schau im Kunstraum: Morgenstraße, Karlsruhe, nach Bild und Identität zu fragen.
Konsumkultur in maximaler Körbchengröße. Die Kunsthalle Tübingen zeigt einen Überblick über das Werk von Mel Ramos.
Die Kunst- und Ausstellungshalle Bonn holt sich die Privatsammler ins Haus und opfert kuratorische Originalität und Stringenz auf dem Altar des Schaulaufens.
März

Die Gruppenschau „per form“ in der Zürcher Galerie Francesca Pia will die Grenze zwischen Aktion und Form analysieren, löst ihren Anspruch aber nicht ein.

Maria Lassnig ist eine Künstlerin des Einerseits – Andererseits: Ihre bänkeligen Binsenweisheiten verstimmen, ihre avantgardeske Radikalität überzeugt.
Februar
Ausgerechnet die Pfalzgalerie Kaiserslautern entdeckt eine vergessene Vertreterin des Abstrakten Expressionismus und entgeht der Glorifizierungsfalle.
Zu seinem zehnjährigen Bestehen feiert das Museum für Neue Kunst im ZKM Karlsruhe sich selbst und die Sammler der Region mit einer Leistungsschau.
Januar
Die Heilbronner Ausstellung „Das Fundament der Kunst“ widmet sich dem Sockel und seiner Dekonstruktion. Eine erstaunlich gelungene Überblicksschau.
2009
Dezember
Die Welt als Bild und Vorstellung: Elger Essers Fotografien nach alten Postkarten beschwören den sehnsüchtigen Blick des urbanen Bürgers auf die Natur.
Baden-Baden zeigt Georg Baselitz. Doch im Überblick werden aus dem wütenden Widerstand gegen die Moden der Kunst kalkulierte Karriere-Effekte.
Oktober
Tony Oursler gilt als der Mann mit den sprechenden Puppen. Seine Ausstellung im Kunsthaus Bregenz zeigt ihn nun als scharfsinnigen Analysten der Jetztzeit.
Lund & Lund, so heißen schlechte Popduos. Und die Herausgeber des hervorragenden Sammelbands „Audio.Visual: On Visual Music and Related Media“.
In ihrer Ausstellung im Württembergischen Kunstverein Stuttgart zeigt Peggy Buth, wie irrational-fiebrig der westliche Blick auf die einstigen Kolonien war.
Juli
Auf der Hitliste der Ausstellungsthemen steht die Urbanismuskritik ganz oben. Im Künstlerhaus Stuttgart nähert sie sich der Kulturkritik an.