Interview mit Marc Barbey

Berlin im Bild

Henrike von Spesshardt
29. November 2011

„Berlin-Mitte Mai 1979. Frühe Fotografien von Hans Martin Sewcz“ – Collection Regard, Berlin. Vom 26. November 2011 bis 2. März 2012

Seit 2003 lebt der Pariser Betriebswirt Marc Barbey mit seiner Familie in Berlin. Aus seiner Liebe zur Stadt ist eine weitere Leidenschaft erwachsen: Der Vierzigjährige sammelt Fotografie, vorzugsweise deutsche und dem Thema Berlin gewidmet. Etwa 200 Arbeiten umfasst die Collection Regard heute. Die Räume seiner von Antonio Panetta betreuten Sammlung sind der Öffentlichkeit jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr zugänglich. Bis März 2012 kann man sich dort den Fotografien von Hans Martin Sewcz widmen.

artnet: Herr Barbey: Was treibt Sie beim Sammeln an?

Marc Barbey: Ganz sicherlich steht für mich das Entdecken an vorderster Stelle und die Möglichkeit, sich durch die Aufarbeitung eines Werkes selber weiterzuentwickeln. Die Freude, ein seltenes Bild, Konvolut oder Buch zu besitzen, kann man ebenfalls nicht leugnen. Durch die öffentlichen Besucherzeiten meiner Sammlung sind zudem viele interessante Begegnungen möglich. Wenn das Thema und der Inhalt stimmen, kommen auch die Gäste – und zwar aus der ganzen Welt! Das ist wirklich schön zu sehen. Die Collection Regard hat im Juni ihren ersten fotografischen Salon organisiert und es war, so habe ich es empfunden, für alle Beteiligten eine Sternstunde der Begegnung, des Austausches und der Auseinandersetzung mit Fotografie. Fotografen, Kuratoren, Institutionen, Journalisten, Historiker und Sammler: Die Fachszene der Fotografie ist eine leidenschaftliche Szene und es macht Riesenspaß, Teil davon zu sein.

Wie sind Sie zum Sammeln gekommen?

Ich habe 2005 damit begonnen. Weil ich zum einen Fotografie leidenschaftlich gerne mag und weil einem das Sammeln eine große kulturelle und intellektuelle Bereicherung ermöglicht. Insbesondere dann, wenn sie sich dazu entscheiden, die Sammlung mit der Öffentlichkeit zu teilen, kommen weitere Herausforderungen und Kompetenzen ins Spiel. Ich möchte mit meiner Sammlung auch gegen das Verschwinden und Auslöschen der Werke unbekannter oder relativ unbekannter, aber umso interessanterer Fotografen mitwirken.

Wie genau tragen Sie dazu bei?

Die Collection Regard stellt Ausstellungen zusammen, die durch Kooperationen mit Institutionen auch auf Reisen gehen sollen. Diese Herangehensweise ermöglicht es, die Ausstellungen auf hohem Niveau vorzubereiten, zu kuratieren und entsprechend anzubieten. Ein weiterer sehr schöner Teil der Aktivitäten der Sammlung ist die Nachlassverwaltung von Œuvres, wie zum Beispiel dem des deutschen Fotografen Hein Gorny, der bis zu seinem Tod 1967 vor allem im Geiste der Neuen Sachlichkeit wirkte. Hierbei geht es nicht nur um das Archivieren und Inventarisieren derartiger Nachlässe, sondern auch darum, den Künstler durch eine systematische Recherche aufzuarbeiten und für den Kunstmarkt durch Ausstellungen und Publikationen zu erschließen.

Ergibt sich daraus beim Sammeln ein bestimmter Schwerpunkt?

Ja, bei der Collection Regard geht es um Schwarz-Weiß Fotografie, mit einem Schwerpunkt auf deutsche Künstler. Ein sehr wichtiger Teil der Sammlung ist dem Thema Berlin gewidmet, denn hier muss noch sehr viel aufgearbeitet werden. Die Frage nach der Größe der Sammlung ist daher für mich selber nicht leicht zu beantworten, denn sie enthält sowohl Abzüge von bekannten als auch Abzüge von unbekannten Fotografen. Dazu kommen auch noch die Abzüge von Amateurfotografen, bekannt unter dem Begriff der photographie vernaculaire. Ich erweitere sie eigentlich ständig, kaufe überall dort, wo man Fotografien kaufen kann und tausche auch gerne mit anderen Sammlern.

Welchen bisher wenig bekannten Fotografen sollte man kennen?

Die Bilder von Hein Gorny liegen mir besonders am Herzen. Denn obwohl die Fachwelt ihn kennt, haben seine Bilder noch nicht die Anerkennung erhalten, die sie verdienen.


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