Interview mit Jeannette Erbprinzessin zu Fürstenberg

Die Sammlerin vom Bodensee

Henrike von Spesshardt
14. November 2011

Ihr Großvater setzte sie mit Künstlern an einen Tisch, die Familie ihres Mannes sammelt seit Jahrhunderten Kunst. Nun schreibt Jeannette Erbprinzessin zu Fürstenberg an seiner Seite die Geschichte fort – mit Künstlern ihrer eigenen Generation, die so Einzug in die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen halten. Doch nicht nur das: Keren Cytter, Gareth Moore und Michael Sailstorfer kamen bereits in den Genuss einer Schlossresidenz am Bodensee.

artnet: Warum sammeln Sie zeitgenössische Kunst?

Jeannette zu Fürstenberg: Ich bin mit Kunst aufgewachsen – mein Großvater ist Sammler und Förderer, an unserem Tisch versammelte er viele Künstler. Die Werke und die Tischgespräche haben mich stark geprägt. Bei meinem Mann findet sich Ähnliches wieder. Die Familie mit einer tausendjährigen Geschichte hat im Laufe der Jahrhunderte eine große Sammlung aufgebaut. Was wir beide jetzt in Gang setzen, ist ein Zusammenführen dieser Erfahrungen.

Wie engagieren Sie sich für die Künstler?

Jeweils drei Künstler werden während der Sommermonate mit einem Stipendium auf Schloss Heiligenberg über dem Bodensee leben. In diesem Sommer waren Keren Cytter aus Tel Aviv, Gareth Moore aus Kanada und der deutsche Bildhauer Michael Sailstorfer dort zu Gast. Wir freuen uns, damit den Künstlern ein ganz besonderes Umfeld am Bodensee, im Schwarzwald beziehungsweise auf dem Schloss bieten zu können. Die Rahmenbedingungen, so hat es sich zumindest in diesem Jahr gezeigt, haben einen großen Einfluss auf die Künstler.

Und was für ein Sammlertyp sind Sie?

Das Schönste für mich ist die Beschäftigung mit Kunst, die Auseinandersetzung mit den Werken, die persönlichen Erfahrungen mit Künstlern. Das empfinden mein Mann und ich als große Bereicherung unseres Lebens. Die Idee ist dabei allerdings nicht, dass wir mit einer Menge Geld losziehen und kaufen, was der Markt so bietet. Wir kaufen Werke, die wir gern ständig um uns haben möchten. Das mag durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Künstler entstehen, kann aber auch ganz spontan passieren.

Wie setzen Sie beim Sammeln Ihre Schwerpunkte?

Wir wollen Künstler und ihre Werke in Beziehung zu uns setzen. Besonders wichtig sind uns deshalb die Künstler unserer Generation. Wir bauen in den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen eine eigene Sammlung für zeitgenössische Kunst auf. Moritz Wesseler, der bislang an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen tätig war, hat dabei die künstlerische Leitung inne. Er betreut das Stipendiatenprogramm, organisiert die Ausstellungen im Museum und begleitet den Aufbau der Sammlung. Durch unser Engagement möchten wir gerne die kulturelle Landschaft des Schwarzwaldes zu ergänzen. Mit herausragenden Sammlern wie etwa der Familie Grässlin in St. Georgen oder Frieder Burda in Baden-Baden ist diese Region hervorragend ausgestattet. Wir hoffen sehr, eines Tages die Aktivitäten dieser großen Sammler sinnvoll ergänzen zu können.

Aus wie vielen Werken besteht die Sammlung etwa?

Wir befinden uns noch mitten im Aufbau. Wir haben eine eigene kleinere Sammlung, können auf die Werke der bestehenden zeitgenössischen Abteilung in Donaueschingen zurückgreifen und werden die Werke der Sommerstipendiaten sowie eine schöne Variation der Neuankäufe ausstellen können.

Welchen Künstler aus Ihrer Sammlung goutieren Sie besonders?

Ein großer Liebling von uns ist Dirk Bell. Diese Leidenschaft bezieht sich nicht nur auf sein Werk, sondern auch auf seine Person. Dirk hat ebenfalls während des Sommers bei uns auf Schloss Heiligenberg gewohnt und dort wunderbare Werke hervorgebracht – wir schätzen sein künstlerisches Schaffen sehr, es ist von einer großen Vielfalt geprägt. Er hat eine ganz eigene Formensprache entwickelt, für die es in der zeitgenössischen Kunstszene keinen Vergleich gibt! Unser Lieblingswerk von ihm ist eine Kreidezeichnung auf Holz, die er während des vergangenen Sommers angefertigt hat. Unsere neu aufkommenden Lieblinge sind Katrin Sonntag und Benjamin Saurer, der übrigens ebenfalls aus dem Schwarzwald kommt.

Wie finden die Bilder ihren Weg in Ihre Sammlung?

Wir sind nicht auf einen bestimmten Ort festgelegt. So kaufen wir sowohl auf Messen als auch in Galerien. Da uns der direkte Kontakt sehr wichtig ist, bitten wir außerdem regelmäßig befreundete Künstler, Werke für unsere Sammlung zu entwickeln oder unterstützen die Produktion von Arbeiten. So hat etwa Keren Cytter mit ihrem Team auf Schloss Heiligenberg ein Theaterstück entwickelt, das sich sowohl mit dem Schwarzwald als auch mit den Gegebenheiten unseres Hauses befasst. Vor wenigen Monaten wurde das Stück im Hebbel am Ufer in Berlin aufgeführt. Ähnliches haben wir mit Gareth Moore vor, der für uns ebenfalls eine Arbeit entwickeln soll. Das Schöne ist, dass man durch die Künstler neues Gespür für die Wertigkeit der Dinge bekommt.


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