Interview mit Dong Mengyang, Gründer der Art Beijing

Der lange Marsch durch die Messen

Stefan Kobel
29. April 2009
Dong Mengyang gründete 2006 die Art Beijing. Seither fand die Messe immer im Herbst statt. Dieses Jahr ist sie ins Frühjahr gerückt und beginnt damit nur eine Woche, nachdem ihre Konkurrentin CIGE China International Gallery Exposition die Pforten geschlossen hat. Pikanterweise hatte Dong diese Veranstaltung im Jahr 2004 mitbegründet, bald darauf aber verlassen. Ein Gespräch mit dem Messemacher über die Konkurrenz, die chinesische Marktsituation und die dortige Kunstszene.

artnet Magazin: Die Art Beijing hat in ihren vorigen drei Ausgaben im Herbst stattgefunden – warum jetzt der Umzug in den April?

Dong Mengyang: Die meisten internationalen Messen sind im Herbst. Im April gibt es natürlich auch eine Reihe von Veranstaltungen in Asien. Aber wir möchten vor allem mehr Sammler von außerhalb anziehen. Außerdem leite ich noch eine Fine Art Messe im Herbst, und ich habe zwei deutsche Autosponsoren, für jede Messe einen.

artnet Magazin: Mit der CIGE, der China International Gallery Exposition, gibt es bereits eine Pekinger Kunstmesse im April. Läuft das auf einen Verdrängungswettbewerb hinaus oder gibt es Fusionspläne?

Dong Mengyang: Das ist eine sensible Frage. Ich persönlich glaube nicht, dass die jetzige Situation von Dauer ist. Es gibt in Asien schon genug Messen. Es können nicht alle überleben. Aber es ist auch nicht einfach, zwei Messen zusammenzulegen.

artnet Magazin: In China hat in den letzten Jahren der Preis eines Werkes noch viel mehr als im Westen über den künstlerischen Stellenwert bestimmt. Das ist jetzt vorbei. Eine Kunstkritik im westlichen Sinne und eine institutionalisierte Kunstszene gibt es nicht. Was kommt nach dem Geld?

Dong Mengyang: Ich bin selber auch im Zweifel, ob der Markt alleine die Kunst betreiben kann. In diesem Sinne haben wir noch einen langen Weg vor uns. Es gibt aber schon einige Anzeichen für eine Besserung, wie etwa Museen, Institutionen für die Dokumentation und Archivierung sowie die Unterstützung der Regierung. Bisher hatten Kunstmessen eine sehr wichtige Rolle, aber die Leute fragen schon, warum die Kuratoren nicht da sind. Die chinesischen Museen brauchen uns aber nicht, weil sie nicht sammeln. Ich glaube allerdings, dass sich die Situation ändert. Die Einstellung der Regierung zur zeitgenössischen Kunst wird immer aufgeschlossener. Und in der Gesellschaft allgemein wird Kunst nicht nur immer mehr akzeptiert, sondern es wird auch immer mehr gekauft. Davon wird die Messe profitieren.

artnet Magazin: Auf der Art Beijing gibt es zum zweiten Mal einen Bereich für Foto-Galerien mit hauptsächlich chinesischer Beteiligung und erstmals eine Video-Sonderschau. Hier ist mir allerdings aufgefallen, dass daran nur Galerien mit West-Bezug beteiligt sind.

Dong Mengyang: Ich glaube, dass Foto- und Videokunst ein Teil des Marktes sind, und ich will diesen Bereich zusammen mit den Galerien fördern. Die Galerien mit westlichem Hintergrund schenken diesen Sparten mehr Beachtung. Die Struktur des Marktes stammt schließlich auch aus dem Westen.

artnet Magazin: Bei der ShContemporary hat es einige Probleme mit der Zensur gegeben. Wie geht man in Peking mit dem Thema um?

Dong Mengyang: Es gibt keine unterschiedliche Politik in Schanghai und in Peking. In Schanghai waren die meisten Galerien aus dem Ausland. Da ist die Aufmerksamkeit der Behörden höher. In Peking achtet schon das Messekomitee auf die Auswahl der Kunstwerke. Hier kommt aber niemand gucken. Auch die Regierung ist in einem Erkenntnisprozess. Der Anteil verbotener Kunst wird immer geringer und ich bin zuversichtlich, dass sich China in seiner eigenen Dynamik nach vorne entwickelt.

artnet Magazin: Die ausländischen Sammler haben sich im Zusammenhang mit der Krise weitgehend aus dem chinesischen Markt zurückgezogen. Wie soll es mit der Messe weitergehen?

Dong Mengyang: Der heimische Markt wächst schnell. Das reicht schon über China hinaus nach ganz Asien. Ich will mit den Galeristen den Markt ausweiten und eine pädagogische Funktion ausüben. Was mir noch fehlt, ist Service, sowohl in Hinsicht auf die Professionalisierung des Messeteams als auch in Hinblick auf Angebote für die Besucher. Das dauert einige Jahre. Ich habe viele Messen besucht und sehe den Unterschied. Man kann noch viel verändern.

artnet Magazin: Andere internationale Messen werden immer auch von den Chefs der Konkurrenz besucht. Das ist hier nicht so. Woran liegt das?

Dong Mengyang: Als ich 2004 die CIGE gegründet habe, hat man China als potenziellen Markt gesehen. Die Art Basel, die FIAC, artparis und die ARCOmadrid haben mich kontaktiert. Dass sie jetzt nicht kommen, liegt daran, dass der Markt hier ein bisschen durcheinander ist: Erst habe ich die CIGE verlassen, dann kamen die ShContemporary in Schanghai und die Art Beijing. Vielleicht glauben sie, dass es besser ist, noch abzuwarten. Bisher waren die Kunstmessen die einzige übergreifende Struktur. Der chinesischen Kunst fehlt noch einiges an Infrastruktur und Investment. Wir brauchen mehr Institutionen, die sich mit Kunst beschäftigen. Das ist kein Problem der anderen Messen, sondern ein innerchinesisches Problem. Die Marktorganisation erreicht noch nicht internationale Standards. Gerade deshalb haben wir aber große Chancen auf dem chinesischen Markt.


Mehr im Dossier  Kunst in China

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