Holger Kube Ventura neuer Leiter des Frankfurter Kunstvereins

Zwei Seelen, ach?

Astrid Mania
18. Februar 2009
Vorsicht, dieser Verein ist eine Rampe. Nicolaus Schafhausen war sechs Jahre lang künstlerischer Leiter des Frankfurter Kunstvereins, bevor er zuerst Gründungsdirektor einer Kölner Kunsthalleninitiative, Direktor des Witte de With in Rotterdam und dann auch noch Kurator des Deutschen Pavillons der Biennale di Venezia wurde. Chus Martínez übernahm das Haus 2006 in einer schwierigen finanziellen Situation und blieb nur bis Ende 2008. Seit diesem Jahr ist sie nun als Chefkuratorin am Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona (MACBA) tätig.

Wenn Holger Kube Ventura ihr jetzt auf den Chefsessel des Frankfurter Kunstvereins folgt, wie Michael Loulakis als Vorsitzender des Vorstands am Dienstag mitteilen ließ, ist also nicht allein eine begehrte Position in der deutschen Institutionslandschaft vergeben. Der Verein muss auch wieder zur Ruhe kommen und seine Position in der zerklüfteten Frankfurter Szene neu definieren. Gerüchte unterstellen, Chus Martínez habe vor allem aus Resignation das Feld geräumt. Die Vormachtansprüche Max Holleins, der zugleich Städel, Liebighaus und Schirn verantwortet, spielten nach dem Weggang Udo Kittelmanns die kleineren Institutionen zunehmend an die Wand, wie Kritiker meinen. Kube Ventura wird mit einem überschaubaren Budget Eigenständigkeit beweisen müssen.

Politisch gesehen ist Kube Venturas Berufung ein klarer Seitenwechsel. Von 2004 bis heute war er Programm- und Projektkoordinator bei der Kulturstiftung des Bundes in Halle und dort unter anderem auch mit der Programmpolitik der Stiftung gegenüber den Kunstvereinen befasst. Dabei identifizierte er sich erkennbar mit der wichtigen Sonderrolle der Kunstvereine in der deutschen Ausstellungslandschaft, hatte aber auch die Aufspaltung der Förderpolitik des Bundes mitzutragen, die einerseits repräsentationslastige Leuchtturmprojekte und andererseits soziokulturelle Bildungsfunktionen unterstützte, die Vereine mittlerer Größe aber der förderpolitischen Perspektivlosigkeit überließ.

Seiner Ausbildung nach gehört Holger Kube Ventura zu den Kuratoren, die fest in ihrem Metier verankert sind, studierte er doch Kunst und Anglizistik sowie Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaft in Kassel und promovierte über „Politische Kunst Begriffe – in den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum“ (Wien 2002). Im gleichen Jahr erschien seine Publikation „Theorie – Politik. Selbstreflexion und Politisierung kulturwissenschaftlicher Theorien“. Damit ist das kuratorische Interessensgebiet des neuen Leiters umrissen, der politische Kunst nicht allein auf ihre Aussage beschränkt sehen will, sondern für Alternativen zu ihrer Funktionalisierung plädiert – sehr im Unterschied zu der Institution, in deren Diensten er zuletzt stand.

Es wird sich nun zeigen, wie sich diese Doppelperspektive in der Ausstellungspraxis auswirken wird. Frankfurt jedenfalls könnte einen eigenen experimentellen Standort, der sich stärker als Produktionslabor in der Öffentlichkeit bemerkbar machen würde, gut gebrauchen. Kube Ventura müsste nun im Tagesgeschäft die heutige Rolle eines Kunstvereins zwischen Museum und Sozioprojekt definieren – genau dort also, wo die Kulturstiftung des Bundes beharrlich ein förderpolitisches Vakuum hinterlässt.


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