Händlerporträt: Patric Didier Claes, Brüssel

Mit Charme für afrikanische Kunst

Dorothee von Flemming
7. März 2012

Eine märchenhafte Karriere, die recht trübe begann: Bei seinem Debüt auf der Brüsseler Kunst- und Antiquitätenmesse BRAFA vor zehn Jahren konnte Patric Didier Claes nicht ein einziges Objekt afrikanischer Kunst verkaufen. Kein ermutigender Anfang für den jungen kongolesisch-belgischen Händler mit Sitz in Brüssel. Und heute? Schon nach wenigen Stunden hat sein 1000 Jahre alter anthropomorpher, mit 250.000 Euro bezifferter Monolith aus Nigeria auf der diesjährigen BRAFA im Januar einen Liebhaber gefunden. Auch alle weiteren fünfundvierzig Objekte, die Claes dort zeigte – perfekt inszeniert in einem elegant halbdunkel ausgeleuchteten Stand – waren schon nach wenigen Tagen verkauft. Ein erstaunliches Ergebnis in unserer krisengeschüttelten Zeit. Nicht umsonst zeigte das einflussreiche amerikanische Magazin „Art + Auction“ Claes in seiner Jahresendausgabe „Most Powerful People in the Art World“ unter dem Label „Power to Watch“.

Was also ist das Erfolgsgeheimnis des erst achtunddreißig Jahre alten Händlers afrikanischer Kunst, einem echten Selfmademan? Didier Claes‘ Schule waren weder Kataloge noch Bücher. Schon als Junge hatte er ganz intuitiv zahlreiche Erkenntnisse über die mystischen Gebräuche Afrikas und deren Kultobjekte gewonnen. „Ich durfte meinen Vater schon von frühester Kindheit an bei seinen Streifzügen durch das Land auf der Suche nach Stammeskunst für das Nationalmuseum von Kinshasa begleiten.“ Von seinem Vater, Kurator und Einkäufer für das Museum und zugleich Privathändler, hat er sich abgeschaut, wie man geschickt handelt und unter dessen Fittichen sein erstes Taschengeld mit kleinen Geschäften verdient. „Große Leidenschaft, harte Arbeit, aber auch Glück“ – auf diese Formel bringt er die Faktoren, die ihn bis an die Weltspitze gebracht haben.

Sein Auge schärfte Claes beim ständigen Durchstöbern der afrikanischen Märkte auf der Suche nach sammelwürdigen und verhandelbaren Skulpturen, Masken oder Fetischen. Als unschätzbare Erfahrung für seinen späteren Durchbruch bezeichnet er auch den steten Umgang mit den etablierten Händlern. Deren Psychologie, wie er es nennt, habe er genau beobachtet und erforscht: Wofür interessieren sie sich, was sehen sie sich an, was nicht, wo kennen sie sich aus und wo nicht – und welche Schätze erkennen sie nicht einmal? Noch galt ja das Urteil der Alteingesessenen und nicht das seine bei all den Objekten, mit denen er die Branchenführer in Brüssel und Paris über Jahre belieferte. Zunehmend jedoch tat sich der junge Händler mit dieser Abhängigkeit schwer. Eigene Kunden hatte er bis dahin aber noch nicht gefunden. Nur eines stand für Claes fest: Im ständigen Umgang mit der Kunst, vor allem die seiner Heimat Kongo, hatte er seinen Berufung gefunden.

Er wollte nicht mehr jedes Verdikt der Großen seiner Branche bei der Beurteilung afrikanischer Kunst akzeptieren und sein eigenes Glück versuchen: Voller Selbstvertrauen in die eigene Kenntnis bot Didier Claes den großen Anbietern afrikanischer Kunst im Alter von Mitte Zwanzig 1998 mit der Eröffnung einer kleinen Galerie die Stirn. Sein erster großer Coup war der Verkauf einer prachtvollen Figur vom Stamm der Songye, die künstlerisch zu den höchststehenden des Kongo zählt. Für die für den Anfänger immense Summe von umgerechnet 12.500 Euro verkaufte er sie an die Händlerlegende Pierre Dartevelle. Die Teilnahme an Messen erwies sich aber als schwieriger als gedacht: Als ihm die Teilnahme an der Bruneaf, der Brüsseler Messe für nichteuropäische Kunst – in deren Vorstand Claes übrigens mittlerweile sitzt – mit grundlosen Argumenten verweigert wurde, setzte Didier Claes alles auf eine Karte und versuchte sein Heil auf amerikanischen Messen. Dort waren die Händler dünn gesät. Auf die Teilnahme an der Armory Show in New York folgten Messen in Los Angeles und San Francisco. Hier schließlich fanden sich die kaufkräftigen Sammler, die ihm seine afrikanische Kunst in großem Stil abnahmen. Ein Vorteil für den jungen Händler war, dass er mit den alten Kunden des Vaters und ihren teils beachtlichen Sammlungen über eine gute Nachschubquelle verfügte. Ein wichtiger Fakt seit im Kongo keine Spitzenstücke mehr zu finden waren.

Zurück in Belgien, warf Claes das Ruder herum, trat mit Ausstellungen und Publikationen über die Kunst einzelner Stämme auf und eroberte sich damit wachsendes Ansehen in seinem Fach. Seine Taktik: Als junger Händler auf junge Sammler zu setzen, die mit ihm zusammen ein Abenteuer eingehen wollten. „Heute betrachte ich es als großen Luxus nur mit Menschen arbeiten können, die mir liegen und die meine Passion teilen.“ Seit 2007 residiert die Galerie Didier Claes in einem stattlichen, mehrstöckigen, elegant minimalistisch eingerichteten Haus nahe der Place du Grand Sablon. Dort empfängt der Händler seine Sammlerkundschaft aus Europa und Amerika.

Ethnologisches sei heute zum Kunstobjekt avanciert und entsprechend hätten sich auch die Preise entwickelt, antwortet Didier Clas auf die Frage nach der Preisentwicklung bei afrikanischer Kunst. Er spricht von einer Verdoppelung in den vergangenen vier Jahren. Eine Songye-Axt, die vor nicht allzu langer Zeit noch für 10.000 bis 15.000 Euro zu haben war, sei vor kurzem sogar für 400.000 Euro versteigert worden. Claes ist sich sicher, dass in den nächsten fünf Jahren die zweifache Millionengrenze überschritten wird. Doch schönste Qualität sei in seinem Bereich eben auch schon für 2.000 Euro zu haben, sagt er, und zeigt einen entzückenden, fein geschnitzten Kamm. Bedauerlich für ihn bleibe nur, dass es neben den wenigen großen Museumssammlungen wie denen in Ruanda, Mali oder dem Kongo immer noch keine privaten afrikanischen Sammlungen gebe.


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