Guillaume Bijl

Fading Irony 1

Ursula Panhans-Bühler
23. April 2010

Mit Basiliskenblick unterbricht Guillaume Bijl unsere Beziehung zu zeitgenössischen Institutionen. „I witness, my time“ bemerkt er lakonisch zu seiner künstlerischen Praxis, die er selbst als „dreidimensionale Stillleben“ bezeichnet. Waren es anfangs eher Einrichtungen, die zum Konsumbereich und Serviceleistungen gehörten, bezieht er sich später auf unseren musealisierenden Umgang mit Kultur. Alle verbindet, dass ihnen als plastischem Environment die Konsumenten fehlen, die diese Orte normalerweise beleben, so als ob ihnen jenes Feigenblatt entwendet wäre, das die Fiktionalisierung unserer Welt übertüncht. Das Trompe l’œil, was Bijl auf diese Weise erzeugt, ist jedoch keineswegs ein Täuschungsmanöver, wie es in alten Stillleben mit der Grenze zwischen Realität und Fiktion spielt. Guillaume Bijls Nachbildungen verschieben das Trompe l’oeil auf die kommerziellen und kulturellen Institutionen unserer Realität, schieben zugleich die Täuschung als Enttäuschung dem Betrachter zu. Keine Kunst? ‚Nur’ ein Laden, eine Fahrschule, eine Miss Wahl, ein archäologischer Fundort? In einer augenblicklichen Erstarrung wird die gewohnte Bewegung des Betrachters im Kulturbetrieb unterbrochen. Der Basiliskenblick, obgleich absolut sachlich, ist ansteckend. Für einen winzigen Moment kann der Betrachter so seine Statistenrolle fühlen, die er, im Betrieb vorgesehen, komplizenhaft ausübt. – In „Fate of Irony“ zeigt Bijl De Stoel in de Kunst vanaf 1980 tot Nu in de Vlaamse Ardennen (bis 2006), realisiert unter anderem mit seinen Studenten von der Kunstakademie in Münster. Diese haben viele der Ausstellungsstücke geliefert. Bijl als Impresario, die Studenten als nützliche Idioten? Das hieße ihn gründlich missverstehen. Eher trifft sein Spott – diesmal in Komplizenschaft mit seinen Studenten – die Institution Kunsthochschule und Hierarchieordnungen im Kunstbetrieb. Fate of Irony – muss man sich fürchten, dass der Funke überspringt, der sich lösen könnte im Lachen über die eigene Rolle?


Fading Irony 2 von Ursula Panhans-Bühler
Julia Oschatz ist mehr Ironie-Analytikerin als Ironikerin. Sie observiert die Grenzen der Ironie und simuliert die Ausbruchsversuche aus der rhetorischen Enge.

Fading Irony 3 von Ursula Panhans-Bühler
Mit seinen Re-Enactments großer Kinofilme wird Ming Wong zum ironischen Störfaktor zwischen Handlung und Betrachter. Die Spiegelung des Films wird zur Spiegelung des Publikums.


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