Gmurzynska erwartet Rückkehr der beschlagnahmten Gemälde

Gordon Gekko in Miami

Stefan Kobel
5. Dezember 2009
Das Justizsystem der USA ist bekannt für einige bizarre Eigenheiten. Davon konnte sich die Galerie Gmurzynska am Vernissagetag der Art Basel Miami Beach selbst überzeugen. Kurz vor Öffnung für die VIPs rückte ein Trupp Polizisten an und nahm vier Bilder im Wert von angeblich 6 Millionen US-Dollar von den Wänden. Es handelt sich dabei um einen Jockey von Edgar Degas, ein Gemälde von Joan Miró aus den 1920er-Jahren, ein Gemälde von Fernand Léger und einen Yves Klein. Die US-Marshals kamen auf Veranlassung des Galeristen Asher Edelman, der selbst auf der Art Miami ausstellt. Dieser hatte einen Gerichtsbeschluss dabei, laut dem er Kunstwerke der Schweizer Galerie beschlagnahmen lassen durfte, um Forderungen in Höhe von 764.000 US-Dollar zu befriedigen. Diese Summe machte Edelman geltend, weil ein Gemälde von Robert Ryman während der Ausleihe an Gmurzynska angeblich beschädigt worden war.

Laut Gmurzynska-Mitinhaber Mathias Rastorfer habe man den Fall seinerzeit der eigenen Versicherung übergeben: „Unsere Versicherung hatte das gut dokumentiert sowohl beim Ankommen als auch beim Zurückgeben, und da gab es keinen Unterschied. Und dann ist Edelman mit der Versicherung nicht weitergekommen und hat, ohne dass wir es wussten, eine Klage gegen uns angestrebt und Recht bekommen.“

Regelrecht schockiert sei er von diesem Verhalten unter Kollegen: „Statt sich mit der Versicherung auseinanderzusetzen, hat er versucht, es mit uns zu machen. Es gibt in den USA eine Möglichkeit, dass man ohne Ankündigung jemanden belangen kann, mit einem Claim, der zwischen zwei Versicherungen ausgetragen werden sollte, und Bilder konfisziert zum Mehrfachen des Streitwerts. Das ist ein Fall, der eigentlich alle Galerien aufmerksam machen sollte, dass man aufpassen muss, wenn man nach Amerika kommt und Ausstellungen macht auf einer Messe, in einem Museum oder einer Galerie.“

Edelman ist in der Szene für seine ruppige Methoden bekannt. In seinem ersten Leben war er Investor und hatte sich auf Unternehmensübernahmen mit dem Ziel der gewinnträchtigen Zerschlagung seiner Übernahmeobjekte spezialisiert. Eine „Heuschrecke“ also, ein „Corporate Raider“ in der Wall-Street-Diktion, der laut „Wikipedia“ als Vorbild für die Figur des Gordon Gekko in Oliver Stones Film „Wall Street“ aus dem Jahr 1987 gedient haben soll. Sehr weit gekommen ist der Amerikaner aber offensichtlich nicht. Noch im Laufe des Freitags sollen die Werke wieder hängen, wie Rastorfer erklärt. Man habe Anwälte in Bewegung gesetzt und damit Erfolg gehabt. „Die Bilder kommen heute zurück.“


Mehr im Dossier  Art Basel Miami Beach 2009

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