Gerrit Gohlke

Seit 1994 beschäftigt er sich als freier Autor mit den Wirkungsbedingungen von Kunst in der Mediengesellschaft und dem Spannungsfeld zwischen Kunst, Technologie und Wissenschaft. Ein Schwerpunkt gilt dabei künstlerischen Handlungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum. Seit den 90er Jahren Organisator mehrerer Konferenzen zur Netzkunst, zu interaktiven Kunstformen und zur Softwareart. Seit 2006 Dozent für Medienkunst an der F + F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich. Chefredakteur des artnet Magazins von 2008 bis 2010.
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2010
Dezember
Nicht alle Satelliten in Miami rotieren synchron. Fünfzehn die Art Basel Miami Beach begleitende Kunstmessen sollen es diesjährig gewesen sein. Wer zwischen Hochwertigem, Kitsch, Kram und Neuentdeckungen den Überblick behalten wollte, musste Zeit mitbringen.
Das hat das arme Design nicht verdient. Die DesignMiami/ nimmt es nicht ernst und präsentiert im kokett geschlitzten Festzelt bis auf wenige Ausnahmen reine Deko. Ein Gleichnis von Möbellagerambiente und vertaner Chance.
Es gibt ihn nicht mehr, den einen Kunstmarkt. Und eben das scheint auch das Dilemma der Art Basel Miami Beach zu sein, die ab heute demonstriert, dass manche Mythen scheinbar doch nicht ewig währen.
Oktober
Wieder erörtert eine Berliner Diskussionsrunde die Probleme der Kunstkritik. Die artnet-Redaktion fordert Geld und Raum für echte Fachkritik.
Die Sunday Fair in London beweist: Auch am Kunstmarkt kann man haushalten, ohne zum Gemischtwarenladen zu verkommen.
Die Frieze Art Fair macht glänzende Geschäfte. Ihr Erfolgsrezept stammt aber von gestern und lässt neue Visionen vermissen.
Mancher Fortschritt macht sich langfristig bezahlt. Das art forum berlin beispielsweise definiert sich nun stärker als Ideenmesse. Und feilt so am Geschäftsmodell von morgen.
September
Die DC Open Collectors’ Party war ein rauschendes Fest. Dass die Kölner Politik den Festakt ignorierte, konnte den Galeristen die Laune nicht verderben.
Die DC Open sind ein virtuelles, fantastisches Großmuseum aus 69 Galerien. Nun müsste die Politik das Projekt endlich angemessen unterstützen.
August
Der Kunstbetrieb verlangt Disziplin von seinen Künstlerstars. Liam Gillick aber probt in Berlin die Revolution und spielt mit der Idee des Neuanfangs.
Der Staat vernachlässigt die Kultur. Doch private Galerien, die anspruchsvolle Kunst produzieren, haben Anspruch auf mehr öffentliche Infrastruktur.
In Zürich verwandelt sich einer der wichtigsten Galerienstandorte in eine Großbaustelle. Die Kunstszene formiert sich neu.
Juli
Möglicherweise steht der Kunstmarkt vor einem Campendonk-, Ernst- und Pechstein-Fälschungsskandal riesigen Ausmaßes.
Juni
Die 41. Art Basel lief gut. Eine Wunderheilung der Krise war sie aber nicht. Zu groß ist der Strukturwandel am Kunstmarkt.
Die Art Statements sind das Experimentierfeld der Art Basel. Hier wird frische Kunst in Umlauf gebracht und die Messe von morgen geprobt.
Ausgerechnet die „Art Unlimited“, die Sektion der grenzenlosen Möglichkeiten auf der Art Basel, wird bescheiden. Die Kunst besinnt sich wieder auf sich selbst.
13 internationale Nachwuchskuratoren arbeiten in Berlin an den Ausstellungsideen von morgen. artnet unterstützt den Jungkuratorenworkshop der Berlin Biennale.
April
Die ART COLOGNE brachte vielen Galerien Umsatz. Hinter den Kulissen gab es auch Kritik. Doch nicht nur die Messe, der Standort Köln muss sein Profil deutlicher zeigen.
Ironie scheint eine Art Gesellschaftstanz zu sein. Hochgradig rhetorisch, aber ohne Bodenhaftung. Das gemeinsame Dossier von artnet und KAI 10 will es genauer wissen und geht der Bedeutung der Ironie für die Gegenwartskunst auf den Grund. Ist sie noch immer eine Waffe gegen Konvention und Konformität?
Es wird wieder über Inhalte geredet im Messejahr 2010 – und es spricht sich herum, dass Inhalte wieder Geld verdienen. Stärker als je zuvor ist die ART COLOGNE deshalb eine Netzwerkmesse, mit Verbindungen weit über den angestammten Standort hinaus.
März
Was sind die Kriterien für gute Kunst? Im ersten Teil der Serie wurde mehr Mut zum klaren Urteil gefordert. Im zweiten Teil wird weniger Romantik verlangt.
Piero Manzoni war ein Revolutionär der leisen Töne, am Starkult vorbei einflussreich. Grund genug, sich an ihn zu erinnern.
Februar
Agnes Meyer-Brandis erfindet in der Schering Stiftung Bilder vom Innenleben der Wolken. Und verteidigt unter Forschern den Eigensinn der Kunst.
Alle Welt vergnügt sich an Walton Fords großen bunten Bildern. So erobert das populäre Historienbild das Museum zurück.
2009
Dezember
In einer Leipziger Ausstellung lässt uns Rémy Markowitsch die Risse und Schatten der Geschichte dechiffrieren.
Die Design Miami feiert ihren fünften Geburtstag. Dabei lässt die kapriziöse Edel-Möbelmesse zarte Reformansätze erkennen.
Eine neue Unübersichtlichkeit prägt die Art Basel Miami Beach. Zwar haben die Umsätze wieder angezogen, doch die Messe droht, die Deutungshoheit über den Kunstmarkt zu verspielen.
Die großen Kunstmessen brauchen neue Konzepte. Um Qualität wieder sichtbarer zu machen, bedarf es einer klareren Ordnung des Angebots.
November
Der Dresdner Stadtrat hat nach heftigem, öffentlichem Streit beschlossen: Franka Hörnschemeyer wird ihr Projekt für das Dresdner „Seetor“ realisieren.
Oktober
Noch diskutiert Berlin, ob es eine Kunsthalle braucht. Doch alles deutet darauf hin, dass die Stadt einer anderen, ganz neuen Lösung bedarf.
Viele hoffen auf der Frieze Art Fair auf die Normalisierung des Messegeschäfts. Junge Galerien hoffen eher auf seine Ergänzung.
Die Istanbul Biennale hat sich so gründlich mit politischer Rhetorik umgeben, dass mancher die wunderbare Vielfalt der Kunstwerke übersah.
September
Berlin ist sicher ein idealer Produktionsstandort für Kunst. Aber für deren Vermarktung? Das wird sich auf dem 14. art forum berlin unter neuer Direktion erweisen.
Naive Bewunderung statt kunstwissenschaftlicher Aufarbeitung – das Museum der bildenden Künste in Leipzig betreibt distanzlose Werner Tübke-Verehrung.
Die großen Weltmarktmessen gibt es weiter. In den Regionen aber formieren sich die Netzwerke neu – um so das Vertrauen der Sammler zurückzuerobern.
August
Regeln können glücklich machen. Neun Goldene Gesetze führen Sie in schwierigen Zeiten nicht zwingend zum Reichtum, aber zum Glück.
Berlin führt seine Kunsthallendebatte, als ginge es um irgendein Museum. In Wirklichkeit steht die Stadt als Kulturstandort zur Diskussion.
Juli
Die Zeiten ändern sich, aber in der Kunst bleibt manches tröstlich gleich. Dazu zählt auch Paul McCarthy, ein Meister des klassischen Standbildes.
In Zürich inszeniert Philippe Parreno seine Retrospektive als konzeptuelles Spielzeugland. Am Ende belohnt eine doppelbödige Utopie das Publikum.
Plötzlich reden alle vom Rhythmus. Allora & Calzadilla verwandeln die Temporäre Kunsthalle in eine Klangskulptur mit Ortsbewusstsein.
Die Schering Stiftung war bekannt dafür, Künstler und Wissenschaftler zum Dialog zu verführen. In einem neuen Ausstellungsraum unterfordert sie sich nun selbst.
Biografische Kunst ist ein Irrgarten. Das Labyrinth der Bezüge wird zum Unterhaltungsangebot. Danh Vo markiert Fluchtwege aus diesem Kunstbetriebsspiel.
Juni
Im Richtungsstreit zwischen Populismus und inhaltlichem Anspruch tritt nun der künstlerische Beirat der Temporären Kunsthalle Berlin unter Protest zurück.
Berlin ist auf Zeitreise. Der Senat will eine ständige Kunsthalle durchsetzen, für die es so wenig Ideen wie für die gescheiterte Temporäre Kunsthalle gibt.
Gerade musste Constanze Kleiner gehen, nun trifft es auch den verbliebenen künstlerischen Geschäftsführer. Thomas W. Eller verlässt die Temporäre Kunsthalle Berlin.
Steht der Kunstmarkt vor einschneidenden Veränderungen? artnet fragt die Macher der Art Basel nach ihren gegenwärtigen Strategien.
Die Art Basel erscheint in diesem Jahr unwirklich leise und merkwürdig klassisch. Ist das die Atempause vor einschneidenden Veränderungen?
April
Nun frisst die Temporäre Kunsthalle ihre Kinder. Die Mitinitiatorin Constanze Kleiner wurde als Geschäftsführerin entlassen und gründet eine Gegenstiftung.
Ist Kunst zum Spekulationsgeschäft verkommen? Nur dann, wenn man übersieht, dass sich Medien und Museen zumeist nur mit dem kleinsten Teil des Kunstbetriebs beschäftigen.
Unternehmen beweisen durch Kultursponsoring Zuverlässigkeit, teilte der Energieriese E.ON einmal mit. Jetzt kürzt er in Düsseldorf sein Museumsengagement.
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