Sabine B. Vogel
12. April 2012
VIENNAFAIR 2012, Wien. Vom 20. bis 23. September 2012
Völlig überraschend sind Georg Schöllhammer und Hedwig Saxenhuber, seit eineinhalb Jahren künstlerische Leiter der VIENNAFAIR, am Dienstag zurückgetreten. Erst vor elf Wochen hatten sie begeistert die neue Struktur der Wiener Kunstmesse bekannt gegeben: Der russische Investor Sergey Skaterschikov hat mit seiner „Next Edition Partners GmbH“ 70 Prozent, das Sammlerkonsortium „VF Beteiligungs KG“ 30 Prozent Beteiligung an der Messe übernommen. Mit der neuen Struktur sei man flexibler, hatte Schöllhammer gehofft, der im Januar auf der Pressekonferenz von „neuen Geografien der Kunst“ sprach, die sie „jenseits der Blue-Chip-Kunst“ in Wien zeigen wollten. Schon da deutete sich eine krasse Diskrepanz an. Denn Skaterschikov betonte von Anfang an die Gewinnorientierung der Messe. Offenbar wurde schnell klar, wie weit diese beiden Wege auseinander lagen. „Die Gründe für unsere Trennung liegen weder in der inhaltlichen Ausrichtung der VIENNAFAIR, noch ändern sie etwas an unserem langfristig geplanten Engagement hier in Wien. Unterschiedliche Auffassungen im täglichen Arbeitsablauf haben leider zu dieser einvernehmlichen Trennung geführt, ich möchte mich aber ausdrücklich bei Herrn Schöllhammer und Frau Saxenhuber für die geleistete Arbeit bedanken,“ erklärt Skaterschikov gegenüber artnet.
All das ging blitzschnell. Nicht einmal das Konsortium wurde vorher informiert. Und doch hat man nur zwei Tage später wohl einen Nachfolger gefunden: Gerald Matt, Ex-Direktor der Kunsthalle Wien, der selbst erst am 23. März zurückgetreten war - die Fortsetzung seiner Tätigkeit dort hätte im Vier-Augen-Gespräch mit der kaufmännischen Leitung erfolgen müssen, was Matt ablehnte. Ob die VIENNAFAIR ohne dieses Prinzip geführt werden kann? Und wird Gerald Matt anders als seine Vorgänger ein eigenes Büro und Sekretariat erhalten? Am 17. April läuft die Anmeldefrist zur Messe ab, am 20. September soll die Eröffnung stattfinden - wird in der Kürze ein neues Konzept erarbeitet werden können? Und vor allem: Kann man genügend gute Galerien überzeugen, sich für eine Messe anzumelden, deren Ausrichtung ungewiss ist? Diese Fragen sind noch offen, und noch ist auch die Entscheidung der Neubesetzung nicht offiziell, denn dafür bedarf es der Wahl beim Shareholdermeeting am 23. April. Sicher ist allerdings schon jetzt eine breite Zustimmung für den designierten Messedirektor in Wien. Denn anders als die vorherige Leitung hat Gerald Matt schon immer das Gespräch mit Galeristen gesucht.