Gallery Weekend Berlin: John Bock bei Klosterfelde

Unheimlich, still und leise

Ludwig Seyfarth
29. April 2011

John Bock: „Ohr-Walachei“ – Klosterfelde, Berlin. Vom 30. April bis 4. Juni 2011

John Bock steht gemeinhin für überbordende, raumfüllende und grotesk auswuchernde Installationen. Für Räume, die man nur durch enge Tunnel erreicht, durch die man aufrecht gar nicht hindurch kommt, wie noch bei der von ihm im letzten Jahr kuratierten Schau „FischGrätenMelkStand“ in der Temporären Kunsthalle Berlin.

Bei Klosterfelde überrascht Bock nun mit einer nie gekannten Zurückhaltung. Auf den ersten Blick scheinen die Räume völlig leer zu sein. Man beginnt nach subtilen Eingriffen zu suchen, etwa falschen Steckdosen, wie sie Roman Ondák zu installieren pflegt. Auf einmal sind verschiedene klackende und klappende Geräusche zu hören. Ein Stück der Fußleiste kommt wie von selbst nach vorn, eine Türklinke bewegt sich rauf und runter, ein halboffenes Fenster klappt hin und her, eine Schiebetür scheint sich von alleine zu schließen. Nach wenigen Minuten ist die „Ohr-Walachei“ wieder vorbei, um nach kurzer Pause von neuem zu beginnen.

Was einst mit strengem institutionskritischem Impetus daherkam, wird von John Bock mit lässig spielerischem Geist vollzogen: den Galerieraum selbst zum Thema der Kunst zu machen. Klosterfeldes Räume sind allerdings kein klassischer White Cube, wie eher noch im früheren Domizil in der Zimmerstraße, sondern die Zimmer einer großen Altbauwohnung. Nur in einem solchen Ambiente können Bocks subtile Eingriffe den beklemmenden Eindruck wecken, dass hier der Geist früherer Bewohner oder möglicherweise in den Räumen stattgefundener Taten oder Untaten spukt. Bock sagt selbst, er habe einen Raum schaffen wollen, in den man sich als Besucher nicht wohl fühlt, in dem eine Nervosität erzeugt wird wie auf dem Zahnarztstuhl, wo man es kaum noch aushält, wenn länger als zehn Minuten gebohrt wird.

Stark klaustrophobisch veranlagten und neurotisch geräuschempfindlichen Menschen sollte man vom Besuch der Ausstellung vielleicht tatsächlich abraten. Alle anderen dürften deutlich mehr Spaß dabei haben, als der Künstler vielleicht intendiert hat. Wirklich unangenehm dürfte es hingegen für die Mitarbeiter der Galerie werden, die den Spuk immer wieder über sich ergehen lassen müssen.

Parallel gibt es eine zweite Präsentation von John Bock im Schinkel-Pavillon, wo ebenfalls wenig und erst einmal noch gar nichts zu sehen ist. Am 30. April und 1. Mai findet zweimal eine Performance statt, bei der Bock eine Textcollage rezitiert - eine Art Summe verschiedener Vorträge und Aktionen der letzten zwanzig Jahre. Bock selbst sieht sich dabei wie „eine Stecknadel, die auf einer Tischkante balanciert.“ Danach bleiben ein Stuhl mit Kleidungsstücken sowie verschiedene kleine Objekte, die Bock während des Vortrages aus seiner Jacke herausgezogen hat. Der Vortrag selbst ist in einem Ordner als Skript nachzulesen. Auch hier ist ein bewusster Abstand vom lauten grotesken Spektakel spürbar. Wir scheinen den Künstler in einem Moment rekapitulierenden Innehaltens zu erleben. Oder können wir mit dem leisen, subtilen John Bock jetzt längerfristig rechnen?


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