29. April 2011
Ger van Elk – Galerie Lüttgenmeijer. Vom 29. April bis 11. Juni 2011
In Holland hängt er in allen Museen. Früher zeigten ihn Marian Goodman und Massimo Minini. Doch hierzulande ist Ger van Elk nur Konzeptkunst-Experten ein Begriff. Das dürfte sich jetzt ändern. Denn der 70-Jährige gibt gerade sein längst überfälliges Debüt in Berlin. Einst enger Freund von Bas Jan Ader, teilt er seinen Werkansatz mit dem im Pazifik verschollenen Künstler-Künstler, der Sol LeWitts kalte Konzeptkunstthesen mit romantischen bis tragikomischen Inhalten auffüllte.
Und so liegt nun in der Galerie Lüttgenmeijer ein schmaler Läufer aus Leinwand, gleichmäßig wie eine Ziehharmonika auseinander gefaltet und bedruckt mit Fotos eines Flusses: Zig Zag River I aus dem Jahr 1979 ist eine Reminiszenz an Carl André und die ungebändigte Natur zugleich. Überhaupt, die Landschaft: Dass Ger van Elk einst als Schiffsjunge anheuerte und später auf den Hügeln Kaliforniens lebte, spürt man besonders in dem seltsamen Objekt, das zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt: In einem kniehohen Lochmetallgestell hängen vergilbte Gardinen, die innen ein paar Kohlestücke bergen. Das Ganze steht auf einem flachen Holzpodest, das an ein Schiffsdeck erinnert – es scheint, als habe der Künstler hier Fundstücke zu einem kompakten Assoziationextrakt zusammengefügt, die bei jedem Betrachter ganz eigene Erinnerungen auslösen.
Ähnlich funktionieren auch van Elks neuere Arbeiten, von denen bei Lüttgenmeijer sechs ausgestellt sind: Fotografische Stadtansichten von Paris, New York und Siena – Sehnsuchtsorte, zu denen ein jeder seine eigene Beziehung hat, übermalt der Künstler mit den Farbschichten, die sich beim Gedanken an den Ort ins Gedächtnis rufen. Am Schluss bleibt eine stumpfe, monochrome Farbfläche stehen, an den Bildrändern sieht man noch die Reste der urbanen Architekturen. Die Grenzen von Malerei und Fotografie zerfließen – doch vor allem appelliert van Elk an die inneren Bilder des Betrachters.
Die sind auch in den beiden Fotografien gefragt, die an Bas Jan Aders slapstickhafte Selbstbildnisse erinnern: In The Co-Founder of the Word O.K. – Marken (1971/1999) hat der Künstler einen Stock geschultert, an dessen Ende eine runde Fleischwurst wie ein „O“ hängt – Arm und Bein sind nach vorn gestreckt, wodurch ein „K“ entsteht. Schauplatz ist der niederländische Ort Marken mit Hafen und Holzhäuschen: van Elk verortet damit das wohl bekannteste Wort der Welt in der holländischen Provinz und reklamiert zugleich dessen Erfindung teilweise für sich.
Die Ausstellung, so reduziert die Werkauswahl auch ist, dürfte damit zu den feinsten Adressen des Gallery Weekends gehören – entfaltet sich hier doch ein ebenso leise gedämpfter wie romantisch–mnemotischer Dialog im Raum, der von den kalten Thesen Sol LeWitts ebenso weit entfernt ist wie von den intimen Stories jüngerer Konzeptkünstler. Ger van Elk schweigt weder noch schreit er – Ger van Elk flüstert. Zeit, ihm zuzuhören.