Gallery Weekend Berlin: Alexander Gutke bei Gregor Podnar

Endlosschleifen der Ewigkeit

Ludwig Seyfarth
27. April 2012

Alexander Gutke – Galerija Gregor Podnar, Berlin. Vom 28. April bis 16. Juni 2012

Alexander Gutke zeigt das, was man normalerweise nicht sieht. So seziert er wie ein Anatom das Innere technischer Geräte. Die wohl bekannteste Arbeit des 1971 geborenen, in Malmö lebenden Schweden heißt Exploded View und entstand 2005. 81 verschiedene Diapositive schicken den Betrachter auf eine imaginäre Reise durch ein surreales Universum – bei dem es sich allerdings, ganz profan, um diverse Ansichten aus dem Inneren des Karussellprojektors handelt, mit dem die Dias an die Wand geworfen werden.

Eine ähnliche Arbeit gehört zu den sehr unterschiedlichen neuen Werken, die in Gutkes zweiter Berliner Einzelausstellung bei Gregor Podnar zu sehen sind. Auto-Scope ist die Projektion eines 16-mm-Films, der aus dem Inneren des Projektors in eine verschneite Landschaft hinausführt. Selbstreferenzialität prägt auch die Wandskulptur Measure. Ein wie eine Möbiusschleife geführtes Messingband ist mit einer Millimetermarkierung versehen – und erinnert an ein Maßband, das aber nur schwer irgendwo angelegt werden könnte, da es weder Anfang noch Ende hat.

Als eine ungewöhnliche Art der Messung, aber eher zeitlicher als räumlicher Distanzen, lässt sich eine Prozedur sehen, die Gutke in seinem Studio durchgeführt hat (9 to 5, Stormgatan 4, 2012). In stündlichen Abständen hat er dieselbe Stelle an seiner Atelierwand fotografiert, wobei die vorher am Tag entstandenen und ausgedruckten Fotos jeweils schon an der Wand hingen. Die Farben variieren je nach Tageszeit und Lichteinfall von Gelb bis Dunkelblau, Rosa oder Violett.

Gutkes selbstbezogenen Versuchsanordnungen steht das zweiminütige Video 1-2-3-4 (2010) gegenüber, das ein zwar ebenfalls systematisch herbeigeführtes, aber dann auf Zufall beruhendes Geschehen inszeniert: Eine silberne Trommel steht in einem weißen Raum, plötzlich fallen zahllose Trommelsticks von oben herunter, die schließlich wie ein starker Regen auf Instrument und Boden prasseln und ein improvisiertes Solo ergeben.

Gutkes Interesse an systematischen Abläufen und an der partiellen Übertragung der gestalterischen Kontrolle an vorgegebene Rahmenbedingungen lässt sich aus der konzeptuellen Tradition heraus interpretieren. Doch die sinnlich erfahrbaren Resultate können auch als Stillleben unserer Zeit gelesen werden, als poetisch-nostalgische Reminiszenzen an veraltete Technologien – oder einfach nur als kurzes Innehalten in einem Moment, der so vielleicht nie wiederkehren würde, hätte nicht eine Endlosschleife ihm immergleiche Ewigkeit verliehen.

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