21. März 2005
Die in Thun ansässige Galerie Bischoff hat in der Schweiz einen eigenwilligen Ort. Nur unweit von Bern, liegt sie von der Zürcher Galerienmeile aus gesehen in der tiefsten Provinz.
Das Finanzmagazin Bilanz dagegen zählt sie zu den fünfzig interessantesten Galerien und rückt sie damit ins Zentrum der Schweizer Galerienwelt. Für Bernhard Bischoff war die Eröffnung der Galerie im Herbst 2001 die logische Weiterentwicklung seiner Arbeit als freier Kurator, Publizist und Kulturmanager, die ihn seit seinem Kunstgeschichtsstudium an der Universität Bern beschäftigte. Als Galerist verbindet er diese Aufgaben mit der Repräsentation von Künstlern auf dem Kunstmarkt. Zwischen der Aare und der Altstadt, in einem ehemaligen Gründerstilhotel gelegen, lädt er mit der gegenwärtigen Ausstellung des Engländers Craig Fischer zu seiner 23. Ausstellung nach Thun ein. Die edle Empfangshalle nutzt er, um die Gäste zu bewirten. „Damit die Besucher aus Bern und der weiteren Umgebung anreisen können, werden die Ausstellungen sonntags eröffnet.“
Der Schwierigkeit der geografischen Lage ist sich Bernhard Bischoff bewusst. Wird er in der Schweiz wahrgenommen, weil er in Thun junge Gegenwartskünstler ausstellt, obwohl die Galerie in der ländlichen Peripherie liegt? - Vorteilhaft sei aber, dass er sich hier nicht gegen andere Galerien abgrenzen und keine Kraft in Rivalitäten stecken müsse. „Alle Energie geht in die Betreuung und den Aufbau der Künstler.“ Für internationale Kontakte nimmt er an den besten Kunstmessen weltweit teil. Gerade erst kehrte er von der spanischen ARCO zurück. Mit Selbstbewusstsein geht er auch seine Kooperationen mit Institutionen und Galerien ein. „Bei einer Zusammenarbeit will ich nicht die Nummer 2 sein.“ Ein ebenbürtiges Arbeitsverhältnis ist ihm auch mit seinen Künstlern wichtig.
Dem Schweizer Markt entsprechend, hat er sich nicht auf ein Medium oder Gattung spezialisiert, sondern deckt das gesamte Kunstspektrum ab, von Medieninstallationen und Assamblagen über Performance und Skulptur zu Malerei und Zeichnung. Preislich liegt die obere Grenze liegt bei 50.000,- SFR, aber schon ab 250,- SFR können Werke aus der Galerie Bischoff erworben werden. In sein Programm nimmt er junge Künstler und Künstlerinnen auf, die noch nicht an eine Galerie gebunden sind. Dabei achtet er darauf, dass die Künstler in mehreren Medien gleichzeitig arbeiten. „Nur in dieser Gattungsvielfalt kann der Künstler den Dialog mit der Gegenwart, aber auch mit seinem Werk selber aufrechterhalten.“ An diesem Dialog ist er eminent interessiert. Er glaubt, dass sich auf diese Weise etwas herausschälen wird, das überdauert und nicht gleich von der Geschichte vergessen wird.
Den Dialog mit der Gegenwartskunst sucht er auch ausserhalb der Galerie. Als Mitglied im Verein der Schweizer Galerien und im Vorstand des Vereins Berner Galerien setzt er weiterführende Kunstprojekte um. Im PROGR, dem Berner „Zentrum für Kulturproduktion“ hat er einen Projektraum mitinitiiert, in dem Berner Galerien im monatlichen Wandel Ausstellungen und Projekte realisieren können, die den Galerierahmen sprengen. Hier hat auch die von ihm gegründete Verkaufs- und Informationsplattform Videokunst.ch ihre Verankerung im realen Raum. Mit dieser Plattform soll der Videokunst eine grössere Akzeptanz und Verbreitung ermöglicht werden. „Anstelle eines Ölbildes schlagen wir vor, einen Flachbildschirm an die Wand zu hängen und für die Umgebung passende Videowerke zu spielen.“ Über diese Berner Einrichtung unterhält er enge Kontakte zur Rolf Staub Galerie in Zürich und der Mannheimer Bernhard Knaus Galerie. Zudem veröffentlicht er in Zusammenarbeit dem Künstlerverlag report unter dem Label edition b eine lose Broschürenreihe zu einzelnen Künstler. An Ideen und Unternehmenslust mangelt es in Thun ganz sicher nicht.
Galerie Bernhard Bischoff, Hofstettenstrasse 6, CH-3600 Thun.
Von der Galerie vertretene Künstler:
Elsbeth Böniger
Beat Brogle
Ruth Buck
Andrea Crosa
Erik Dettwiler
Craig Fisher
Berhard Huwiler
Reto Leibundgut
Andrea Loux
Minelli & Repetto
Verena Schwab
Markus Schwander
Dominik Stauch
John Strutton
Erich Weiss
Peter Willen
Brigitte Zieger