Fritz Köthe bei Van Ham

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Stefan Kobel
19. November 2010

In manchen Lebensläufen geht einfach alles schief. Zur falschen Zeit geboren, dann aufs falsche Pferd gesetzt, gegen den Strom geschwommen, schließlich verkannt und sich am Ende vielleicht auch ein bisschen selbst im Weg gestanden. So lässt sich in Stichworten die Karriere von Fritz Köthe umreißen. Geboren 1916, beginnt er seine künstlerische Laufbahn just dann, als die Nazis an die Macht kommen. Denen ist seine Kunst jedoch zu düster und unangepasst. Die Beschäftigung mit der „Entarteten Kunst“ trägt ihm an der Leipziger Hochschule prompt schlechte Noten ein. Bis zum Ende des Krieges verdient sich Köthe seine Brötchen daher mit dem Beruf, den er zuerst gelernt hat: als Anstreicher bei Großausstellungen in Berlin. 1945 beziehen er und sein Mentor, der neusachliche Maler August Wilhelm Dressler, Ateliers im Westteil Berlins. Erfolg hat Köthe anfänglich jedoch vor allem im Ostteil der Stadt. Als er sich mit dem dort diktierten Sozialistischen Realismus nicht anfreunden will, versucht er sein Glück wieder im Westen. Dort allerdings haben die nicht weniger ideologischen Vertreter des Informel jeder Form figürlicher Malerei den Kampf angesagt. Und sind mit ihrem Monopolanspruch recht erfolgreich: Köthe kann zunächst nicht als Künstler arbeiten und schlägt sich als Werbegraphiker durch.

Erst ab den frühen 1960er-Jahren widmet er sich wieder der Bildenden Kunst. Die ist nun stark von der Plakativität der Werbung geprägt. Zunächst tauchen in seinen hyperrealistischen Bildern Straßen- und Verkehrszeichen auf. Diese werden später von Pin-Ups abgelöst, die Köthe wie durch vermeintliche Plakatabrisse mit Versatzstücken der Realität collagiert. Mit derartigen Motiven erreicht er ab den späten 1960er-Jahren eine gewisse Bekanntheit. Große institutionelle Ausstellungen bleiben ihm jedoch versagt und eine für das Jahr 2006 beim Berliner Ableger von Ketterer Kunst geplante Werkschau kommt wegen seines Todes ein Jahr zuvor nicht mehr zustande. Noch kurz vorher hatte ihn eine Zeitschrift für Kunst und Leben zum „BRD-Godfather of Pop“ erklärt und seine kurz bevorstehende Wiederentdeckung verkündet. Die lässt allerdings bis heute auf sich warten.

Auf Auktionen sind Köthes Arbeiten aller Schaffensperioden daher nach wie vor für kleines Geld zu haben. Sein Auktionsrekord liegt bei 17.850 Euro brutto und wurde 2008 bei einer Auktion der Villa Grisebach in Berlin mit Hoerzu erzielt, einem Bild, auf dem sich Logos bundesrepublikanischer Markenprodukte um eine Blondine drapieren. Solch ein Betrag dürfte für Reissverschlüsse nicht drin sein, obgleich eine Taxe von 2.000 bis 2.500 Euro schon etwas ungerechtfertigt wirkt. Das Gemälde wird beim Kölner Auktionshaus Van Ham am 2. Dezember angeboten und entstand 1949. Auf bemerkenswerte Weise nimmt es den Surrealismus französischer Spielart auf und wirkt wie ein Werk, das typischer für diese Kunstrichtung kaum sein könnte. Vielleicht war es genau dieser Stilpluralismus, der es Sammlern schwer machte, sich mit Fritz Köthes Werk anzufreunden und ihm treu zu bleiben. Aber wer weiß, möglicherweise verhilft der aktuelle Boom der Pop Art auch diesem weitgehend vergessenen Künstler und seinem Frühwerk zu neuem Erfolg.


Auktions-Spotlight November 2010 (II) von Stefan Kobel
Der Auktionsherbst ist in vollem Gange - mit süßlicher Rokkokomalerei, Neuer Sachlichkeit, zeitgenössischer Fotografie


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