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Das artnet Fotoglossar

Eric Aichinger

Abzug / Print

Der im Englischen als Print bezeichnete Abzug ist ein Sammelbegriff für jedes im Negativ-Positiv-Verfahren auf lichtempfindlichem Papier hergestellte fotografische Positiv. Damit ist sowohl die Kopie im Größenverhältnis 1:1 gemeint als auch die Vergrößerung oder Verkleinerung. Es ist gängige Praxis auf dem Fotokunstmarkt, sowohl das Entstehungsjahr des Negativs (der Aufnahme) als auch des Abzugs anzugeben – sofern bestimmbar.
Grundsätzlich werden folgende Arten des Abzugs unterschieden:

Original
Aufgrund der technischen Vervielfältigungsmöglichkeiten einer Fotografie ist ein fotografisches Original nicht notwendigerweise ein Unikat. Vom technischen Standpunkt aus gesehen ist jede Fotografie, die von einem Negativ abgezogen wird, ein Original. Im urheberrechtlichen Sinne jedoch gilt ein Abzug nur dann als Original, wenn er vom Fotografen selbst oder nach dessen direkten Anweisungen hergestellt worden ist. Indikatoren für die Bestimmung eines Original-Abzugs sind vor allem die in der Regel rückseitig aufgebrachte Signatur, Prägung, Stempelung, Datierung, Nummerierung oder Betitelung durch den Fotografen und gegebenenfalls auch Labor-, Nachlass- oder Copyrightstempel sowie Archivnummern. Da die Gefahr von Fälschungen besteht, sind diese Provenienznachweise für den Verkauf notwendig.

Vintage Print
Der Vintage Print gilt unter Sammlern als wertvollste Form des fotografischen Originals. Seit den Anfängen des Fotokunstmarktes zu Beginn der 1970er Jahre wird die Bezeichnung Vintage (engl.: vintage - „alt“, „hervorragend“) verwendet, um originale Abzüge zu charakterisieren, die zeitlich in unmittelbarer Nähe zur Aufnahme, also zur Entstehung des Negativs hergestellt worden sind. Allerdings gibt es keine juristisch verbindliche Vorschrift oder Definition hinsichtlich des Zeitraums, der mit „unmittelbar“ gemeint ist. So galten als Vintage Prints ursprünglich nur solche Abzüge, die innerhalb eines Jahres nach der Aufnahme entstanden sind. Mittlerweile wird – abhängig vom Einzelfall und daher  individuell zu bewertenden Entstehungskontext – ein Zeitraum von bis zu fünf Jahren allgemein anerkannt.

Später Abzug / Late Print
Mit „spät“ bezeichnet man einen Abzug, dessen Herstellung frühestens fünf Jahre nach der Aufnahme und einem Erstabzug (Vintage Print) vom Fotografen selbst vorgenommen oder von ihm veranlasst und kontrolliert worden ist. Es handelt sich um ein Original, per definitionem aber nicht um einen Vintage Print. Allgemein gilt: Ein guter früher Abzug ist wertvoller als ein guter später Abzug desselben Negativs.

Moderner Abzug / Modern Print
Modern Prints sind wie Late Prints Originale; die Abzüge stammen vom Originalnegativ und wurden vom Fotografen selbst oder nach seinen Anweisungen hergestellt. Allerdings liegt in diesem Fall zwischen Aufnahme- und Printdatum die erhebliche Zeitspanne von mindestens zehn Jahren. Nicht selten unterscheiden sich solche neueren Abzüge von den Vintage Prints hinsichtlich Format, Papier und Technik. Im Allgemeinen genießen sie nicht den hohen Sammlerwert, der den Vintage Prints und auch Late Prints zukommt.

Reprint
Reprints sind Abzüge, die ohne Wissen oder Kontrolle des Fotografen, aber von dessen Originalnegativen und für gewöhnlich posthum hergestellt worden sind. Es handelt sich also nicht um Originale. Insbesondere Reprints können hinsichtlich des Formats, des verwendeten Papiers und der Technik in ihrer Qualität stark schwanken.

Reproduktion
Als Reproduktion wird ein Abzug bezeichnet, der nicht von einem Originalnegativ, sondern von einem Zwischennegativ stammt, das durch Abfotografieren eines Vintage, Late, Modern Prints oder Reprints entstanden ist und dies meist ohne Wissen oder Kontrolle des Fotografen. Mit digitalen Mitteln hergestellte Reproduktionen sind hinsichtlich ihrer Tonwertigkeit so gut wie identisch mit der abfotografierten Vorlage. Im Gegensatz dazu weisen „traditionelle“ Reproduktionen immer einen geringeren Tonwertumfang als die Vorlage auf, wobei die Lichtzonen in der Regel vergraut sind.

Estate Print / Posthumous Print
Hierbei handelt es sich um von den Erben oder dem Nachlassverwalter posthum in Auftrag gegebene, per Stempel „autorisierte“ Abzüge von Originalnegativen des Fotografen. Für gewöhnlich erscheinen sie in hoher Qualität und in limitierter Edition. Da sie nicht als Originale gelten, werden sie zu moderaten Preisen verkauft.

Work, Trial oder Proof Print
Es sind dies unaufwendig produzierte, oft auf minderwertigem Papier für den schnellen Überblick hergestellte Abzüge, die ein Fotograf probeweise erstellt oder um zu sehen, was das Negativ überhaupt hergibt. Nicht selten wurden und werden solche Abzüge vom Fotografen zur Publikation in Magazinen, Büchern oder Katalogen freigegeben, ohne dass sie für Ausstellungen oder den Markt bestimmt wären.

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