Große und kleine Traditionen zitiert die ausstellende Galerie in der Beschreibung der beiden Sofas von Amelie von Wulffen: die sogenannte Lüftlmalerei, illusionistische Fassadenmalerei, und Wassily Kandinsky, beides eher süddeutsche Phänomene. Um jedoch der Künstlerin wirklich auf die Spur zu kommen, muss man wahrscheinlich noch weiter nach Süden fahren, nach Wien, wo sie gegenwärtig als Professorin waltet. Denn thematisch sucht die Malerin immer wieder den Bezug zu ihrer Familienherkunft und mischt diese Ankoppelungen mit popkulturellen und kulturhistorischen Bezügen, liest persönliche Geschichte in die kollektive ein. Deutlich tritt dies in den früheren collageartigen Arbeiten der Künstlerin hervor. Dort trifft man auf Raumsituationen, die, ausgehend von aufgeklebten Fotos, malerisch fortgeführt und dann skizzenhaft über die Bildfläche entwickelt werden. Die Werke wirken traumhaft unbestimmt und reichen gerade dadurch über die persönlichen Verweismomente hinaus. Bewusst ungelenk ist dabei der Farbauftrag, der auch chromatisch immer jenseits der Grenze des Wohlgefallens liegt.
Aufgrund der fast schon einer Selbsttherapie gleichenden, fortwährenden Beschwörung privater Erinnerungen kommt man im vorliegenden Fall auch kaum umhin, im Sofa die Freudsche Versuchsanordnung zu erkennen: eine Liege und am Kopfende ein Sitzplatz. Jedoch wäre Amelie von Wulffen nicht die komplexe Person und Künstlerin, die sie ist, wenn sie nicht auch hier für Mehrdeutigkeit sorgen würde: Es bleibt nämlich ungeklärt, wo das Kopfende ist, stattdessen gibt es derer zwei, ebenso zwei Sitzplätze für den vermeintlichen Therapeuten. Dieser Dualismus lässt sich nicht auflösen und ist Sinnbild für die Strategie der Künstlerin, mit doppelpoligen Kodierungen zu arbeiten: Selbstbezug und kollektives Gedächtnis, Ego und Gesellschaft.
Dass in Amelie von Wulffens Werkbiografie auch ein eigener Absatz ihren Animationsfilmen gewidmet ist, unterstreicht die vielen filmischen Referenzen im Werk der 1966 geboren Künstlerin, die unter anderem mit Einzelausstellungen im Kunstmuseum Basel und dem Centre Pompidou vertreten war.