Nein, zu den Stillen gehört er sicher nicht, und seine Kunst will auch nicht still sein. Denn die Projekte Rirkrit Tiravanijas leben davon, dass der Besucher ihnen nicht in kontemplativer Betrachtung gegenübersteht, sondern in sie eintritt, mit ihnen interagiert, handelt oder einfach nur tut, was er sonst auch tun würde: die Dinge anfassen, mit anderen darüber sprechen, konsumieren. Der Zuschauer wird so zum unverzichtbaren Teil des Kunstwerks und erweitert die ihm traditionellerweise zugewiesene Rolle als passiver Rezipient. Partizipation lautet das Losungswort. Egal, ob Tiravanija Galerien in Curry- Garküchen verwandelt, im Ausstellungskontext ein Modell seiner New Yorker Wohnung im Maßstab von 1:1 nachbaut oder in einem Museum einen kleinen Supermarkt eröffnet: Spürbar ist in all seinen Arbeiten der Versuch, etablierte Grenzverläufe zu konterkarieren – seien es die zwischen Institution und Außen, zwischen Kunst und Alltag oder eben zwischen der Rezeption und Produktion von Kunst.
Dass dabei die so entstehenden, vor allem sozialen Beziehungen und nicht das fertige Werk in den Mittelpunkt rücken, versteht sich fast von selbst. Und ebenso versteht sich, dass bei aller Akribie und Planung der Zufall eine entscheidende Rolle spielt. Unter diesen Umständen nimmt es kaum wunder, dass bis zuletzt offenbleibt, mit welcher Arbeit Rirkrit Tiravanija auf der art berlin contemporary antreten und was sich tatsächlich abspielen wird. Verraten wird nichts. Auch dies ein Versuch, die Berechenbarkeit zu überwinden.
Der 1961 in Buenos Aires geborene, in New York, Berlin und Thailand lebende Künstler ist Anfang der 1990er Jahre mit seinen beziehungsstiftenden Installationen bekannt geworden und kann als einer der Hauptakteure der sogenannten „relationellen Ästhetik“ gelten.