„Ein Szenestar flirtet mit dem Historienbild“, hieß es 2002 in der Rezension einer Ausstellung von Daniel Richter im K21 in Düsseldorf. Seine figurativen Bilder, für die er heute vor allem bekannt ist, wurden damals zum ersten Mal zusammenfassend ausgestellt. Bis Ende der 1990er Jahre hatte Richter noch ungegenständlich gearbeitet. Seither laufen nicht mehr Farben und Formen, sondern merkwürdig gesichtslose Gruppen oder Horden von Menschen durch seine Bilder. Oft herrscht eine Atmosphäre latenter oder direkter Gewalt. Das Ganze spielt sich auf der Straße ab, vor einer Kaufhausfassade oder irgendwo im Wald. Richters Figuren wirken oft unkörperlich flach und wie von flüssiger Konsistenz. Sie sind Chimären und Gespenster, deren Ahnen sich zuerst in den mittelalterlichen Geisterwelten finden und von Bosch über Brueghel und Goya bis zu Edvard Munch, James Ensor, Otto Dix oder Max Ernst Karriere in der Kunstgeschichte machten, aus der sich Richter ebenso freimütig bedient wie aus diversen Bildquellen kommerzieller Medien. Da kommt das Pressefoto eines Bombenkraters in Kabul zur Anwendung, oder er macht vom Überfall auf die US-Botschaft in Tansania malerischen Gebrauch. Politisch versteht sich Richter, der einst zur Hamburger Hafenstraßen-Szene gehörte und Stammgast im legendären Golden Pudel Club war, immer noch als Linksradikaler. Der kommunistische Aufstand in Hamburg-Barmbek von 1923 wird ebenso Bildthema wie afrikanische Flüchtlingsboote. „Warum ich kein Konservativer bin“ heißt ein Bild von 2002. Die stets frisch formulierten politischen Statements haben dabei nicht verhindern können, dass Richter als Pop-Star der Malereiszene gehandelt wird. Manche sagen sogar, die Chiffren der Gesellschaftskritik in seinen Bildern hätten ihm dabei genützt.
Daniel Richter, 1962 im schleswig-holsteinischen Eutin geboren, war Schüler Werner Büttners und Assistent Albert Oehlens. Malte er anfangs abstrakt, geht er seit der Jahrtausendwende zur Figuration über und ist seit 2006 Inhaber einer Professur für „Erweiterten Malerischen Raum“ in Wien. Zuletzt ist er auch als Bühnenbildner bei den Salzburger Festspielen hervorgetreten.