Tobias Putrih hinterfragt in seinen Objekten und raumgreifenden Skulpturen moderne, virtuelle und utopische Architekturentwürfe, besonders in Hinblick auf deren ideologische oder soziale Bedeutung. Pappe ist dabei eines der Materialien, mit denen der Künstler immer wieder arbeitet, es ist der Inbegriff des Provisorischen, doch auch der Baustoff des Modellhaften, zu Erprobenden. So ist auch seine monumentale Installation Connection aus dem Jahr 2004 ein raumgreifender Bogen aus Pappe.
Die gleichformatigen Kartons sind ineinandergestapelt und jeweils um einige Grad zur Seite geneigt, so dass sich am Ende eine Bogenform von ausgewogener Eleganz ergibt. Vorbilder, Anregungen und Stimulanzien für dieses Objekt sind in der gedachten und gebauten Architektur-, aber auch der Kunstgeschichte zahlreich zu finden. Das prominenteste Beispiel aus den USA wäre der 1968 von Eero Saarinen entworfene Gateway Arch in Saint Louis, mit seinen 192 Metern Höhe das Wahrzeichen der Stadt und wegen seiner kühnen und zeitlosen Formschönheit als eines der plastischen Hauptwerke der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerühmt. Ein weiterer Vertreter gebauter Bogenfantasien, der in diesem Zusammenhang zum Vergleich einlädt, ist der für seine Stahlbögen berühmte Bernar Venet, dessen magisch-enigmatisches Bogensegment den Bereich vor der Berliner Urania im Stadtteil Tiergarten dominiert. Doch Putrihs Bogen ist nicht für die Ewigkeit gebaut. Hier handelt es sich, bedingt durch das Material, eher um einen Entwurf, womit sich schönste Parallelen zu Utopisten wie Boullée und Ledoux, die französischen Revolutionsarchitektur-Denker, herstellen ließen. Am Ende ist diese Pappkartoninszenierung eine in den Raum konstruierte Reflexion über die Bedeutung einer solchen immer auch triumphalen Bogen-Architektur.
Tobias Putrih wurde 1972 im slowenischen Kranj geboren und studierte in Ljubljana und Düsseldorf. Inzwischen lebt und arbeitet der kritische Utopist der Kartonage in New York.