Ernesto Netos transformierende Behandlung von Räumen und Flächen verwandelt diese in etwas, das Kunst sein kann, aber nicht muss. Das klingt ambivalent. Vielleicht sogar ironisch. Doch der Künstler steht dem Begriff vom autonomen Kunstwerk skeptisch gegenüber. Er baut ästhetische Wirklichkeiten, die erst im Moment der Begegnung vollkommen erfahrbar werden: durch das Ansehen und Erkennen der stofflichen Raffinessen vom Membranen, durch das Begehen der raumgreifenden Proportionen seiner biomorphen Einbauten und nicht zuletzt durch das in der bildenden Kunst doch eher seltene Medium Geruch, etwa ein Gemisch, das exotischen Gewürzen von Nelken bis Kardamom entstammt. Es ist diese besondere, skulptural und olfaktorisch kreierte Atmosphäre, die den Betrachter in Bann schlägt. Bei seiner letzten Berliner Einzelausstellung 2007 in den Osram-Höfen brachten Netos fragil-stabile Installationen die enorme Halle einem intimen multisensorischen Erfahrungsraum näher als einer weiträumigen Schaufläche für innovative Skulptur. Große Spannflächen verschoben die Perspektiven. Es war, als hätte sich ein lebendiger Organismus, gewachsen aus geometrischen Abstraktionen, horizontal und vertikal in den Raum gestemmt. So fanden sich formale Referenzen an Brancusi oder Serra ebenso wie Assoziationen an die körperorientierten Experimente von Hélio Oiticica und Lygia Clark.
An diese eigentlich ephemere Arbeit aus dem vergangenen Jahr wird nun mit einem aktualisierten Ausschnitt aus dieser interaktiven Installation erinnert.
Der 1964 in Rio de Janeiro geborene Ernesto Neto lebt auch heute noch in seiner Geburtsstadt und hat sich zu einer der unumstrittenen Leitfiguren der brasilianischen Kunstszene entwickelt.