Leicht konsumierbar sind sie nicht, die materialreichen, oft soziale und politische Missstände thematisierenden Installationen des Schweizers Thomas Hirschhorn. Diverse Alltagsgegenstände und technische Geräte, Schaufensterpuppen, Zeitschriften, Bücher oder Pornomagazine, zusammengebunden und -geklebt sind da zu sehen. Obwohl Hirschhorn seine kreative Anarchie auch als Kritik an kapitalistischer Warenförmigkeit versteht, scheint sie den Gesetzen des Kunstmarktes zu entsprechen, denn er gehört zu den weltweit kommerziell erfolgreichsten Installationskünstlern.
Die große Aufmerksamkeit für seine Kunst erzielt er weniger durch die Inszenierung seiner eigenen Person als durch die gezielte Adressierung sozialer Kontexte. Am bekanntesten und am kontroversesten wurde wohl das Bataille-Monument diskutiert, das Hirschhorn als Beitrag zur documenta XI in der Friedrich-Wöhler-Siedlung im Nordosten Kassels einrichtete. Was soll eine Hommage an einen französischen Philosophen in einer Umgebung, die als sozial problematisch gilt? Für die zahlreichen Anwohner, die für Hirschhorns Projekt arbeiteten, war es eine spannende soziale Erfahrung, auch wenn das „ontologische Kino“ schon mal als „ornithologisches Kino“ angekündigt wurde. Hirschhorn versteht sich jedoch nicht als Sozialarbeiter. Seine Kunst sei nicht im physischen Sinne interaktiv, sondern solle geistige Prozesse anregen, bekundet er selbst. Der Künstler zählt auf Betrachter, die sich ernsthaft mit den philosophischen und historischen Referenzen seiner Werke auseinandersetzen. Der Markt begnügt sich manchmal auch schon mit dem erfolgreichen trashigen Look.
Der 1957 in Bern geborene Thomas Hirschhorn lebt in Paris. Er ist nicht nur weltweit mit seinen Installationen und Straßenaltären aufgefallen, sondern hat auch durch einen Akt provinzieller Zensur Berühmtheit erlangt, als der Schweizer National- rat der Kulturstiftung Pro Helvetia die Mittel kürzte, weil sie eine missliebige Ausstellung Hirschhorns gefördert hatte.