Knut Henrik Henriksens skulpturale Interventionen könnte man gebaute „Architektonische Zweifel“ nennen. Einen solchen hatte er zum Beispiel in der Ausstellung Berlin North im Hamburger Bahnhof installiert. Zwischen Eingangs- und ehemaliger Bahnhofshalle hatte er eine gewaltige Holzwand eingezogen, die von der einen Seite an die glatte hölzerne Vorderfront eines typisch skandinavischen Wohnhauses erinnerte, von der anderen Seite hingegen das Ornamentale der ursprünglichen Bahnhofsarchitektur aufgriff.

Die vierteilige Arbeit Mick Crib, Aston Coin and Davoes Compound meet Mr. Z as a tableau, die Henriksen nun im ehemaligen Postamt zeigt, ist Skulptur und Bühnenbild zugleich. Sie bildet die Kulisse für ein imaginäres Aufeinandertreffen, zwischen dem absurden Theaterstück „The Caretaker“ von Harold Pinter, das 1960 uraufgeführt wurde, und den Werken Crib, Coin und Compound, die Carl Andre 1965 in der Galerie Tibor de Nagy in New York ausstellte, Arbeiten aus Styropor, auf die Henriksen sich hier unmittelbar bezieht. So lässt er einen gewaltigen, fünf Meter langen Pfeiler aus dem historischen Material Andres unter dem Dach des Ausstellungsraums schweben. In leichter Neigung durchbricht er die strengen modernistischen Linien der Architektur. Ein zweiter Pfeiler mit identischen Maßen steht in unmittelbarer Nähe auf dem Boden und ist an der Spitze mit einer Spiegelfolie bedeckt, in der sich das Tageslicht und der Himmel spiegeln und die Materie optisch aufzulösen scheinen.

So ist Henriksens Installation Kommentar, aber auch Gegenlager zur vorgefundenen architektonischen Situation des Ausstellungsraums. Verschränkt mit dem Verweis auf ein absurdes Theaterstück, dessen Handlung vorwiegend in einem vollgestellten Innenraum angesiedelt ist, werden Henriksens Skulpturen zur Kulisse. Sie stellen ihre Eigenständigkeit aufs Spiel und lösen ein dramatisch-heiteres Verwirrspiel um die doppelbödigen Beziehungen zwischen Künstler, Kunstwerk und Kunstsystem aus.

Der in Bergen, Oslo und an der Frankfurter Städelschule ausgebildete Knut Henrik Henriksen wurde 1970 in Oslo geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin.