Im März 2003 begannen die USA ihre Invasion im Irak; im Mai 2004 lösten dann die Bilder aus dem Abu- Ghuraib-Gefängnis weltweit Bestürzung aus und befeuerten die Proteste gegen den Militäreinsatz. Mark Dions Installation Mess Conference (2004) ist ebenfalls eine Reaktion auf die Ereignisse im Irak.

Wie auf einer Bühne sind die Requisiten im Raum platziert: ein Rednerpult mit Mikrofon, dahinter ein dunkelblauer Vorhang, dazu ein Bücherregal auf Rollen und eine amerikanische Flagge, die neben oder hinter das Pult gestellt werden können. An einer Garderobe hängen verschiedene Kleidungsstücke, und so sind die Besucher/innen vom Künstler dazu eingeladen, wahlweise in die Uniform eines Offiziers der amerikanischen Militäradministration, in das konservative Kostüm einer republikanischen Abgeordneten oder in Mantel und Kopftuch einer muslimischen UNICEF-Delegierten zu schlüpfen. Die entsprechenden Dienstsiegel werden je nach Bedarf am Pult montiert. Dann kann man sich in Pose bringen, bevor ein Schwarz-Weiß-Foto gemacht wird, das später Teil der Installation wird. Mess Conference kommentiert sarkastisch die Inszenierung politischer Macht.

Das Spiel mit unterschiedlichen Identitäten – vor allem mit der Rolle des Experten oder Wissenschaftlers, in die der Künstler selbst immer wieder schlüpft – bestimmt Mark Dions Werk seit Mitte der 1980er Jahre. In seinen performativ angelegten Arbeiten und materialreichen Installationen untersucht er die Mechanismen, mittels derer die „offizielle Geschichte“ geschrieben wird. In diesem Rahmen ist für Dion die Funktion von Dingen und deren Klassifikation entscheidend, was er vor allem auch in seinen Arbeiten über das Verhältnis zur Natur und deren Repräsentationen im Naturkundemuseum und in den Wissenschaften thematisiert.

Mark Dion, Analytiker unserer Verwissenschaftlichung der Natur, wurde 1961 in New Bedford, Massachusetts, geboren und lebt im steten Wechsel zwischen Stadt und Land: in Beach Lake, Pennsylvania und New York.