Wie keinem anderen Künstler seiner Generation ist Daniel Buren das Kunststück gelungen, trotz einer harschen Revision der Kunstbetriebsideologie mit ihren Machtstrukturen, mit ihren Mythen von Originalität und Autorschaft selbst zum wohlgelittenen und bewunderten Markenartikel eben dieses Kunstbetriebs zu werden. Seine Kritik an den Maklern und Verwaltern der Kunst und ihren Institutionen, an ihrem Einfluss auf die Praxis und unser Verständnis von Kunst, seine Analysen der Kanonisierung und Warenwerdung der Kunst sind ungeheuer effiziente Trademarks, ja, aus ihnen ist eine Art Buren’scher Personalstil entstanden.
In La cabane éclatée luminescente, transparente et translucente (2000) begegnet uns das Update einer erstmals 1975 konzipierten und seitdem situationsspezifisch immer wieder variierten Werkreihe: architektonisches Objekt innerhalb der und wider die Ausstellungsarchitektur, zugleich ein Erlebnisraum zu Fragen der Wahrnehmung. La Cabane éclatée, frei etwa „die explodierte Hütte“, ist eine vor allem formal unmittelbar wirksame Arbeit. In blauem Licht erstrahlend, ganz symmetrisch angelegt, besteht der begehbare Kubus mit seiner zentralen Säule aus einer mit transparent-weißem Textil bezogenen Holzkonstruktion; ein frei davor platzierter Wandschirm behindert die direkte Einsicht. Als Bühnenvorhang oder Repoussoir setzt er Überlegungen zu Themen wie Figur und Grund, Betrachterstandpunkt und Perspektive in Gang. Im Innern am Holzgerüst angebrachte schwarze Streifen erinnern an das historische Projekt Burens, das sich aus der Malerei herleitet: aus ökonomisch produzierten „Streifenbildern“ ein Modell über die generellen Konditionen der Kunstwahrnehmung zu machen.
Mit ebenso viel Pragmatismus wie konzeptueller Konsequenz hat der 1938 geborene Buren ein fein verästeltes Werk etabliert, das sich ausgehend von einer rigiden Analyse der formalen und kontextuellen Bedingungen des Mediums „Malerei“ das Kunstsystem selbst zum Thema macht.