Die Galerie Konrad Fischer zeigt eine Arbeit des amerikanischen Objektkünstlers Carl Andre aus dem Jahr 1978, unverbrauchbares Kapital eines Wegbereiters des Minimalismus, der seit über 40 Jahren von der Galerie vertreten wird. 30 Meter lang ist die gerade Reihe aus 90 Zentimeter langen, roh geschnittenen Holzblöcken, die – mit einer Grundfläche von 30 mal 30 Zentimetern im Quadrat – abwechselnd nebeneinander positioniert wurden, liegend und stehend, horizontal und vertikal. Die Wirkung dieser Skulptur konzentriert sich ganz auf ihre reduktionistische Materialität und geometrisch klare Reihung. Einhundert solcherart platzierter und auf den ersten Blick absolut identischer Formate schaffen selbst in einer virulenten Umgebung ein Wellenfeld feierlicher Ruhe – hölzerne Throne. Was einmal ein radikaler Aufbruch, ja eine Rebellion gegen Illusion, Metaphysik und Pathos war, ist selbst zu einem meditativen Mittelpunkt der Welt, zugleich aber auch zu einem Markenzeichen geworden.

Mit Thrones schrieb Andre vor dreißig Jahren den Titel über die Arbeit und gleichzeitig ein dialektisches Poem mit einem Wort. Es ist der Schlüssel für dieses dualistische Nebeneinander, denn mit der Fülle wird auch die Leere dazwischen beschrieben. Aufstieg und Niedergang. Kommen und Gehen. Sein und Nichtsein. Der Künstler selbst wünscht sich, dass seine Skulpturen „keinen festgelegten Blickpunkt“ haben und mehr als Flächen oder Wege erlebt werden. Bis heute versieht er seine Arbeiten mit Zertifikaten, nimmt ihre wechselnden „updates“ in Augenschein und legt die Codes der Präsentation fest. Manchmal ist nicht nur die Kunstgeschichte, sondern auch der Kunstbetrieb ein großes Kontinuum. Hier bei Andre fällt alles in eins und ruht am Ende in sich.

Carl Andre, 1935 in Quincy, Massachusetts geboren, ist einer der letzten großen Minimalisten und hält ungebrochen an dem halb mathematisch-rationalen, halb theatralischen Aufbruch der 1960er Jahre fest.