22. Juni 2005
Auf der 51. Biennale in Venedig repräsentiert die Künstlergruppe et al. Neuseeland mit einer neuen ortsspezifischen Installation, betitelt
the fundamental practice. In ihrer Wirkung ähnelt diese einer grotesk-komischen Maschinerie, die von ihrem potentiellen Erdenker und Erbauer sich selbst überlassen wurde. Vermeintliche Schaltstelle ist ein kleiner Arbeitstisch mit Computer, dessen Monitor lakonisch ein gleichförmiges Wellenmuster zeigt. Der leere Stuhl davor suggeriert dem Besucher zwar, er könne nun selbst die Kontrolle übernehmen, jedoch ist dies nicht der Fall und so tritt die Abwesenheit einer die Szenerie scheinbar beherrschenden Autorität umso beunruhigender vor Augen.
Metallene, schrankartige Kästen, voneinander durch Gitter und Baustellenzäune abgetrennt, führen ein bizarres, mechanisches Ballett auf: Von unsichtbarer Hand gesteuert rollen sie in ihren Käfigen vor und zurück, während aus ihnen Stimmen und Musik dringen. Der Raum, sowie die Objekte darin, sind von einem einheitlichen Grauton überzogen, dem Markenzeichen von et al. Die Farbe hält die Installation optisch zusammen und neutralisiert die früheren Bedeutungen und Nutzungen all ihrer Komponenten.
Die aus den Kästen dringenden Laute – von Computerstimmen vorgetragene Texte – stellen Passagen dar aus nicht näher bestimmbaren religiösen, wissenschaftlichen und philosophischen Werken, in denen dogmatische Wahrheiten etabliert und behauptet werden. Diese Kästen, die metallischen Stimmträger, werden von et al. als „Autonomous Purification Units“ bezeichnet. Sie tragen reine Dogmen vor; und sind durch ihre Einspeisung in das gleichgültige Computersystem zugleich gereinigt von Emotionen und von Glauben.
Wie in vielen ihrer Installationen bezweifelt die Gruppe et al. auch bei the fundamental practice den Wahrheitsanspruch der vorgestellten Welterklärungsmodelle und steht den Versuchen des menschlichen Geistes, fundamentale Ordnungen und Strukturen aufzustellen, skeptisch gegenüber. Doch stellen sie dementsprechend keine Antithese auf – die verschiedenen Systeme lassen sie in einer Kakophonie gegeneinander antreten und sich so ad absurdum führen.
Indem die Künstler das „Subjekt“ als bloße Konstruktion der westlichen Philosophie der Moderne auffassen, umgehen sie in ihrer Arbeit eigens die Vorstellung vom individuellen Künstler und verbergen sich hinter einem mehrgestaltigen, vagen Pseudonym. In seiner Neutralität löscht es jegliche geschlechtsspezifische, ethnische oder ideologische Konnotation aus. Mehr noch, in dieser Installation verwischen sich auch die Grenzen zwischen Mensch und Maschine. Den „APU’s“ haftet durch ihre Dimensionen, ihre scheinbare Sprachfähigkeit und ihre Bewegungen etwas Humanoides an.
In der Verbindung aus Low und High Tech erinnert der Aufbau des Künstlerkollektivs et al. an die ersten, gigantischen Rechenzentren, in denen brummende und summende Kisten ihre digitalen Aufgaben bewältigten, aber auch an die absurden Szenarien aus Science-Fiction-Filmen, in denen durchgeknallte Wissenschaftler gewaltige Computer philosophische Fragestellungen berechnen lassen.
Um mit ihrer Kunst die enormen Wahrheitsansprüche westlicher Dogmen und Orthodoxien in Frage zu stellen, betreibt et al. einen enormen Aufwand. Zugleich stellt die Gruppe ein künstlerisches Projekt dar, das sich wohltuend abhebt von dem Aufwand, den manche Künstler betreiben, um ihr Ich zu feiern.
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