Ernst Ludwig Kirchner bei Van Ham in Köln

Nur ein sanftes Blätterrauschen

Stefan Kobel
19. Mai 2009
Mit den Vorgängen um Ernst Ludwig KirchnersStraßenszene hat sich nicht nur das artnet Magazin eingehend beschäftigt. Das Gemälde wurde 2006 unter unschönen Umständen restituiert. Dass es auch anders geht, zeigt sich nun am Fall von Drei Akte im Wald, einem Gemälde, das am 27. Mai bei Van Ham in Köln mit einer Taxe von 400.000 bis 600.000 Euro versteigert wird. Dabei teilt es sich die Provenienz mit der Straßenszene: Beide Werke stammen aus der Sammlung des Erfurter Schuhfabrikanten und Kunstsammlers Alfred Hess. Das skizzenhafte Ölgemälde entstand im Jahr 1912 und damit zur besten Brücke-Zeit. Zusammen mit anderen Werken des deutschen Expressionismus wurde es von der Witwe Thekla Hess und ihrem Sohn im Jahr 1934 dem Kunsthaus Zürich überantwortet. Von dort gelangte es in den Kölnischen Kunstverein, der sich zu einer kostenlosen Lagerung bereit erklärt hatte. Andere Werke gingen an die Berliner Kunsthandlung Thannhauser zur Vermarktung, da die verfolgungsbedingt im Exil lebende Familie Hess ihren Lebensunterhalt bestreiten musste.

Wann genau Drei Akteim Wald in den Besitz des Kölner Notars Robert Sterck kam, der in den wenigen Unterlagen des Kölnischen Kunstvereins mindestens zweimal erwähnt wird, ist ebenso unklar wie die Frage, ob Thekla Hess oder ihr Sohn Hans einen angemessenen Kaufpreis erhielten. Jedenfalls befand sich das Gemälde seitdem ununterbrochen in Besitz der Familie Sterck. Dass es jetzt ungehindert verkauft werden kann und nicht unter unschönen Umständen Schlagzeilen macht, liegt vor allem an der bedachten Vorgehensweise der Beteiligten. Obwohl kein rechtsverbindlicher Anspruch auf Rückerstattung bestand, wandte sich das Auktionshaus sofort an die Hess-Erbin. Es wurde eine Einigung erzielt, bei der laut Geschäftsführer Markus Eisenbeis kein Geld geflossen ist. „Wir sind von uns aus auf die Erbin zugegangen, während sich bei der Straßenszene die Erben an das Brücke-Museum gewandt haben. Das ist der entscheidende Unterschied“, erklärt Eisenbeis. Das Ergebnis: Kein Streit, keine Schlagzeilen und nach langen Jahren wieder ein Kirchner-Werk dieser Güte auf dem deutschen Auktionsmarkt.


Mehr im Dossier  Causa Kirchner

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In den Auktionshäusern geht die Saison zu Ende. Noch einmal werden Kunstwerke und andere wertvolle Objekte versteigert. Die Auswahl reicht vom Zahnwehherrgott bis zum Reyle-Gemälde.


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