Ermutigende Halbjahreszahlen bei Sotheby's und Christie's

Die Elefanten sind glücklich

Stefan Kobel
7. August 2010

Die Elefanten sind glücklich. Denn die Zahlen der beiden Auktionsriesen Christie's und Sotheby's sehen gut aus, besser zumindest als letztes Jahr. Natürlich war das auch nicht besonders schwer, nach den katastrophalen Ergebnissen des Jahres 2009. Nun hat Christie's im ersten Halbjahr nach eigenen Angaben umgerechnet 2,57 Milliarden US-Dollar eingenommen, das ist ein Anstieg um 46 Prozent gegenüber der ersten Jahreshälfte 2009. Sotheby's hat demgegenüber mit 2,2 Milliarden US-Dollar etwas weniger Umsatz erzielt. Der Zuwachs fällt mit 116 Prozent jedoch ungleich kräftiger aus, weil das Unternehmen in der Krise mehr gelitten hatte. Obwohl die direkten Kosten um 46 Prozent gestiegen seien, hätten sie den niedrigsten Anteil am Umsatz seit gewiss einem Dutzend Jahren, hieß es bei einer Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen am Donnerstagnachmittag. Das verwundert wenig, hatte man doch im letzten Jahr nach Kräften Personal abgebaut. Aus einem Verlust in der ersten Jahreshälfte 2009 wurde in dieser Saison mit 106,4 Millionen US-Dollar der zweithöchste Reingewinn in der Unternehmensgeschichte.

Es besteht also durchaus Grund zum Jubeln. Beide Häuser etwa konnten den jeweils höchsten jemals auf einer Kunstauktion erzielten Preis vermelden. 106.482.500 US-Dollar inklusive Aufgeld nahm Christie's im Mai für Pablo Picassos Nude, Green Leaves and Bust im Mai in New York ein, nachdem Alberto Giacomettis L’Homme qui marche I für umgerechnet 104,3 Millionen US-Dollar brutto im Februar in London über den Block gegangen war.

Allerdings steckt der Teufel wie immer im Detail. Und das meint nicht einmal die komplexe Bruchrechenaufgabe, die Christie's seinen Aktionären auferlegt, wenn es in seiner Pressemitteilung behauptet, mit vier Werken über 50 Millionen US-Dollar einen Marktanteil von 75 Prozent in diesem Segment zu haben. Erkenntnisträchtiger sind die Verschiebungen innerhalb der Marktsegmente und der Kontinente. Denn vordergründig hat sich das alte Gleichgewicht wieder eingestellt. Bei Christie's bedeutet das, dass Impressionist & Modern Art weiterhin Spitzenreiter beim Umsatz sind wie vor dem Zeitgenossen-Boom: 852,9 Millionen US-Dollar gegenüber 460,7 Millionen US-Dollar für Post-War & Contemporary Art. Und die USA haben mit 999,6 Millionen US-Dollar die Nase leicht vor Europa inklusive Großbritannien, wo umgerechnet 975,4 Millionen US-Dollar umgesetzt wurden. Interessant wird es bei den Verschiebungen. Dass London wieder den Primat unter den europäischen Märkten hat, ist weniger dem Wiedererstarken der Insel geschuldet, sondern vielmehr dem Ausreißer der Yves Saint Laurent-Auktion, die Paris letztes Jahr einen Lauf beschert hatte. Nach einer kurzen Schwächephase ist Asien wieder auf der Überholspur. Mit 368,2 Millionen US-Dollar trennt Asian Art bei Christie's nicht mehr viel von dem Volumen, das mit Post-War & Contemporary Art (460,7 Mio. USD) erzielt wird. Und bei Sotheby's freut man sich jetzt schon auf die Asienwoche im Oktober, von der man sich über 200 Millionen US-Dollar erhofft. Etwas abgehängt ist der Altmeister-Markt, der bei Sotheby's zwar um 31 Prozent auf 93 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahr zulegte. Doch allein 44,9 Millionen US-Dollar gingen auf das Konto von William Turners Modern Rome – Campo Vaccino. Hätte sich das Werk zum Schätzpreis verkauft, hätte das Segment auf dem niedrigen Vorjahresniveau stagniert.

Verschiebungen innerhalb des von beiden Unternehmen abgedeckten Top-Segmentes zeigen jedoch, dass sich auch hier die Spreu vom Weizen trennt. Ein Indikator ist die „Commission Margin“, also die Provisionsspanne, von der Auktionshäuser leben. Die ist bei Sotheby's von 21,3 auf 18,7 Prozent zurückgegangen. Das liegt vor allem daran, dass bei Verkäufen über einer Million das Aufgeld von 20 auf 12 Prozent sinkt. Und diese Saison war eben geprägt von Rekordzuschlägen. Bei Christie's hingegen findet sich ein Hinweis darauf, dass gerade das mittlere Segment schwächelt. 169 Werke hätten über eine Million erzielt – ob es sich dabei um britische Pfund oder um amerikanische Dollar handelt, weiß die entsprechende Pressemitteilung allerdings selber nicht genau. Ein Jahr zuvor seien es hingegen noch 201 Werke gewesen.

Das superreiche Top-Ende des Marktes ist also spendierfreudig wie eh, während der Normalreiche etwas zurückhaltender ist. Und, wie man bei Sotheby's feststellte, die asiatischen beziehungsweise chinesischen Käufer sind stark im Kommen. Europäer hingegen würden vornehmlich als Verkäufer in Erscheinung treten. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es sich bei diesen Beobachtungen um Ausreißer handelt. Genau hier zeichnet sich ein Trend ab, der den Kunstmarkt in den nächsten Jahren bestimmen dürfte.


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