3. September 2010
Man würde sich wünschen, Düsseldorf oder Köln hätten ein Museum, in dem gleichzeitig Peter Piller und Sam Windett, Donald Judd und Joel Shapiro, David Reed und Alfonso Hüppi, Desmond Lazaro und Stephan Melzl, Luis Camnitzer und Christian Boltanski, Rob Scholte und Lewis Baltz zu sehen wären. In einer mehrwöchigen Gruppenausstellung, mit solider Werkkenntnis von 69 Kuratoren betreut und dezentral durch alle urbanen Strukturen verteilt. Ein Museum, geprägt von privatem Engagement und besucht von einem überregionalen, teils internationalen Publikum. Würden die beiden Kommunen den Gründer einer solchen Einrichtung nicht mit Orden und Auszeichnungen überschütten?
Sicher würden sie das. Der Mäzen wäre ein gefeierter Mann oder eine gefeierte Frau. Erführe man dann noch, dass dieses Museum nicht bloß die Ausstülpung privater Besitztümer ist, sondern am laufenden Band neue Werke produziert, hätte man es mit einer Institution legendenhafter Reputation zu tun. Bald käme selbst der Kulturstaatsminister an einem solchen Ort vorbei. Er würde den Einsatz des honorigen rheinischen Citoyens für die Zivilgesellschaft loben und im kleinen Kreis eine launige Bemerkung darüber machen, dass hier keine Offshore-Stiftung Steuern spare, sondern ehrlich die Ärmel aufgekrempelt würden und zum Frommen der heimischen Kreativwirtschaft Mehrwert geschaffen werde. Ach, man male sich das Glück und die Freude an einem solchen Ort aus! Doch leider machen die rheinischen Museen dieser Tage nicht gerade durch übermütigen Einfallsreichtum von sich reden. Traurig sei der Mainstream in der staatlich geförderten bildenden Kunst geradezu, flüstert man hinter vorgehaltener Hand. Laut kann man es ja nicht sagen, weil die Kommunen dann wieder ein Argument für ihre Sparwut fänden. Kunstfreunde schauen unauffällig zur Seite, wenn es um ihre Museen geht. Aber sie gehen auch nicht freiwillig hin.
Nun will es aber das Schicksal, dass das Rheinland zwar ein paar schwerfällig gewordene, große alte Museen hat, zugleich aber das wundersame Haus mit den 69 Kuratoren. Dieses plurale Privatmuseum ist sehr wohl existent. Es besteht aus der Summe aller privaten Galerien, in denen schneller und engagierter zu sehen ist, was die großen Häusern um ihre Besucherzahlen fürchten lässt. Schwieriges Material, mutige Installationen finden in diesen Galerien auch dann noch statt, wenn den Museen bereits jeder Ankaufsetat gestrichen wurde. Galerien sind nicht karitativ. Sie sollen dem Galeristen, der Galeristin Geld einspielen. Die Ferne heutiger staatlicher Kulturförderung zur Finanzierung qualitativ hochwertiger Kunst blockiert aber vielerorts die Kunstproduktion. Anders als vor nicht allzu langer Zeit wäre ohne die Galerien die Entwicklung neuer Arbeiten gar nicht mehr zu denken.
Was folgt daraus? Nicht, dass der Steuerzahler Galeristen reich machen soll. Nein, das Land und die Kommunen aber müssen in die Infrastruktur ihrer Kunstszene investieren. Daraus folgt, dass man die überschaubare Anzahl deutscher Kunst-Regionen, die man international wiedererkennt, unterstützt und erweitert, ausbaut und vernetzt, statt bei jedem zukunftsweisenden Projekt über die engen Grenzen der schon immer kleinen Etats zu lamentieren. Der Austausch der Informationen, die Lenkung der Besucher, die Erfindung neuer Formate sind Dinge, die sich eine Kommune künftig leisten muss. Die Kreativwirtschaft ist einer der größten deutschen Wirtschaftszweige. Es ist unbegreiflich, dass auch bei einem Event wie der DC Open die Galerien Bittsteller und Antragspartner werden – weil die Politik keine Visionen hat, wie der Kunstmarkt statt bei der Entwicklung hoher Preise bei der Investition in Nachhaltigkeit unterstützt werden kann.
Gefordert ist Goodwill, Improvisation, Cluster-Bildung. Gefordert ist der lockere Zusammenschluss der Partner auf beiden Seiten: Genau jene Qualitäten also, die die DC Open gerade sinnfällig beweist, indem das Projekt vielfältig und ohne zentrale Steuerung eine plurale Ausstellung an zwei Standorten möglich macht. Wären nun nicht die Städte am Zug? Um zu erklären, wie Kulturförderung neue Wege geht und private und öffentliche Beiträge nicht allein auf der Ebene der Mäzene, sondern der Produktion zu verknüpfen sind?
artnet ist auch deshalb Medienpartner der DC Open, weil wir als Unternehmen erkennen, wo qualitativ hochwertige Kunst hergestellt wird: An regionalen Orten mit internationalem Renommee, an Standorten, die langfristige Sammler und junge Nachwuchsgalerien mit Kunstvereinen verbinden. Es wäre an der Zeit, dass nicht nur Köln und Düsseldorf, sondern ein halbes Dutzend weiterer Standorte zeigen, wie die beste Kunst entsteht. Die DC Open jedenfalls sind ein Geschenk für die Kölner und die Düsseldorfer. Und für den Markt, der nicht nur das Vertrauen der Sammler, sondern auch der Künstler braucht. Die DC Open haben viel für das Rheinland gebracht. Nun muss sich auch die Politik bewegen und erkennen lassen, wie Wachstum möglich ist.
DC Open 2010 auf artnet