24. November 2005
Wichtige Ölgemälde von Adolph Menzel (1815-1905) kommen nicht so oft auf den Markt. Über lange Jahre quasi als Staatskünstler fest im Dienste Preußens, kam nach seinem Tod auch noch der gesamte Nachlass des Künstlers in den Besitz der Berliner Sammlungen. Wo die zeitgenössischen Franzosen gleichen Kalibers schon deswegen mühelos achtstellige Preise erreichen können, weil von ihnen Arbeiten, wenngleich oft exorbitant teuer, so doch verfügbar sind, sieht es bei dem deutschen Großmeister trübe aus.
Unlängst hat Dresdens Galerie Neue Meister eines ihrer bedeutenden Menzelgemälde verloren. Ein Nachmittag im Tuileriengarten in Paris (1867) war 1999 durch die Jewish Claims Conference als aus der Sammlung Estella Meyer identifiziert und von deren Erben beansprucht worden. Die Sache mit dem Restituieren hat in den letzten Jahren etwas an Fahrt zugelegt und sicherlich hieße es, Eulen nach Athen zu tragen, wenn man noch extra betonte, dass die unter den Nationalsozialisten getätigten Verkäufe vielfach unrecht waren und nun jedenfalls den späten Erben irgendeine Form von Gerechtigkeit widerfahren sollte. Auf diese Weise sind Ansprüche mancher berücksichtigt worden. Meistens war dabei Ziel der Restitutionsverhandlungen, dass Bilder, die oft schon seit mehr als einem halben Jahrhundert in öffentlichen Sammlungen gehangen hatten, auch dort zu bewahren – wenn das Geld stimmte, das gezahlt wurde.
Frau Meyer, 1942 von den Nationalsozialisten verschleppt, hatte vom damaligen Dresdner Galeriedirektor Hans Posse im Jahr 1935 die Summe von 25.000,- Reichsmark für das Menzel-Tableau erhalten, was die Vermutung nahe legt, es habe sich um einen erzwungenen Verkauf gehandelt. Jetzt forderten die Meyer-Erben drei Millionen Euro, die der Freistaat Sachsen nicht aufzubringen vermochte, und der US-Händler Alfred Bader erwarb das Gemälde für 2,8 Millionen Euro. Solche Verhandlungen pflegen eigentlich diskret vonstatten zu gehen, was allerdings in diesem Fall nicht gesagt werden kann. Denn wo Bader noch im Sommer zugesichert haben soll, das Bild werde – mindestens – in Dresden und auch in einem anderen, noch zu bestimmenden Museum zu sehen sein, wanderte es jetzt sang- und klanglos gegen den Preis von 4,7 Millionen Euro an die National Gallery in London.
Klar, es ist bekannt, dass die National Gallery seit langer Zeit auf der Suche nach einem erstklassigen Menzel gewesen ist. Und mindestens ebenso klar ist es, dass auf dem Kunstmarkt mit harten Bandagen gespielt wird. Aber diese Entwicklung ist mit Verlaub geschmacklos. Ob es legal oder illegal ist, ist hier eigentlich – und abermals mit Verlaub: scheißegal! – wer aus solchen höchst delikaten Transaktionen derartige Profitmargen schlägt und sich dann noch wundert, dass dieses auf Missverständnis oder gar Empörung stößt, dem sollte man eigentlich mal die Elgin Marbles empfehlen.
Wenn VW jetzt so transparent wird, wie die Führer es öffentlich gelobten, dann wären die Elgin Marbles doch eine schmucke Deko für die Gläserne Manufaktur, die Volkswagen in Dresden betreibt. Und das, was bisher für Sexorgien aus der Portokasse genommen wurde, könnte hübsch umgewidmet werden und man könnte dann schmunzelnd sagen: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Denn dass die armen Elgin Marbles recht illegal in London hängen, weiß auch jedes Kind. Da könnte Herr Bader vermutlich so richtig absahnen! Go for it, Herr Bader. Der Rest ist eigentlich ziemliche Sprachlosigkeit vor so wenig Feingefühl.