„Saâdan Afif“
bei
Galerie Mehdi Chouakri
Symphonisches Bremsgeräusch
von Dominikus Müller
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Was denn? Nichts Neues zum Gallery Weekend? Und das von einem Künstler, der dafür bekannt ist, stets mit dem Prinzip Variation zu arbeiten! Doch die Werke, die Saâdane Afif hier in Form einer „Ausstellung in der Ausstellung“ präsentiert, stammen aus seiner letztjährigen Retrospektive im Rotterdamer Witte de With. Damals hatte er von jeder ausgewählten Arbeit noch eine neue, veränderte Version gezeigt und sich so dem Prinzip „Retrospektive“ entzogen. Nun erwartet alle Welt seinen allerneuesten Zug im Schachspiel mit dem Publikum – und erhält eine unerwünschte Rückschau unter dem hämischen Titel „Varieté“. Mitten in der Rezession ist das Stillstand pur. Die Ökonomie hatte sich schon vor Afif entschleunigt. Der ausgebremste Kunstbetrieb blickt in den Spiegel.
So ganz hat Afif die Produktion dann aber doch nicht eingestellt. Für eine simple Skulpturen-Edition, die sich auf Man Ray genauso bezieht wie auf den französischen Karikaturisten Jean-Marc Reiser, hat er Autoren gebeten, Texte zu verfassen, die er in einer zukünftigen Ausstellung variieren will. Vorgriff, Rückgriff, Ankündigung, Umwidmung, Afifs Maschine läuft natürlich weiter. Kein Werk ist allein zu begreifen, will er uns immer noch zeigen. Nur aus dem Prozess heraus ist Kunst zu verstehen, aus dem Verweis und der Öffnung auf etwas anderes hin – sei es das Zukünftige oder das Vergangene, die Referenz, die Kooperation oder die Variation.
Und doch, die Pointe ist diesmal gut gesetzt. Was im Hauptraum auf einem schwarz-glänzenden Sockel präsentiert wird – immerhin neun der insgesamt 14 im Rahmen von Afifs Retrospektive realisierten Arbeiten –, hat einfach die Luft angehalten und bewegt sich nicht. Statt permanentem Verweis auf die Veränderung sieht man einen selbstbezüglichen Bruch mit dem eigenen System. Zwar schaffen Teile des Ausgestellten Rückkoppelungen, wenn etwa ein kleiner LCD-Bildschirm nicht in den Raum gerichtet ist, sondern gegen einen großformatigen Spiegel. Erst ein erneuter Blick durch den Konzeptspiegel, erst der Rekurs auf die Entstehung dieser Arbeiten im Rahmen einer musealen Retrospektive lässt aber die beabsichtigte Tragweite von Afifs Ansatz erahnen. Dann dehnt sich das Prinzip der Variation mit einer einfachen Verschiebung auf den Rahmen des Ausstellungsraums aus. Was gleich bleibt, schafft nun Aufmerksamkeit. So verdaut die Ortsspezifität sich selbst. Heilige Prinzipien des Kunstbetriebs stehen zur Disposition. Wie lang kann das noch weitergehen, fragt man sich. Schwer zu sagen. Diesmal jedenfalls hat es funktioniert.
Saâdane Afif: „Varieté“ – Galerie Mehdi Chouakri, Berlin. Vom 1. Mai bis 13. Juni 2009
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