„Rosa Barba, Amy Sillman“
bei
carlier | gebauer
Ein Schälchen Buntes
von Daniel Kletke und Astrid Mania
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Wie planen Galeristen ihre Ausstellungen? Wieso zeigen sie zwei Künstler in benachbarten Räumen, wenn deren Kombination nicht zu einer konzeptuellen Kernfusion führt? Es muss das Prinzip Nummer sicher sein, wenn man die abstrahierenden Leinwände von Amy Sillman im Hauptraum, eine Erinnerungskonstruktionen nachspürende, selbstreferenzielle Filminstallation von Rosa Barba im Projektraum zeigt. Hier etwas für den Malerfreund, dort etwas für den Fan des Filmischen. Kunsthistorische Verweise in beiden Werken – aber auf welches Œuvre träfe das nicht zu? Für sich betrachtet behaupten sich beide Künstlerinnen. Die spannendere von beiden? Rosa Barba. Denn ihre bilderlose Lichtprojektion evoziert mit blinder Mühelosigkeit Bildergeschichten.
Dennoch hat die Position von Amy Sillman etwas höchst Lehrreiches an sich, dass man einer unermüdlich für die abstrakte Malerei eintretenden Künstlerin buchstäblich beim Produzieren ihrer Kunst zuschauen kann. Einer Kunst, die sich bis heute vom weiblichen Standpunkt aus am männlich dominierten Malereiuniversum New Yorks seit den Abstrakten Expressionisten abarbeitet. Hilfreich sind in diesem Kontext die Handzeichnungen, die wie Stenogramme Elemente der Leinwände aufbewahren, die vom Gemälde wieder verschwunden sind. Die Malerin bearbeitet ihre Oberflächen heftig und merzt viele Gegenstände aus, denen man in den Papierarbeiten jedoch andauernd begegnet. Insofern ist dies fast schon eine didaktische Schau mit museumspädagogischem Anspruch.
Geradezu entkörperlicht dagegen die Installation von Rosa Barba. Sie verwickelt zwei Filmprojektoren in einen Dialog: Jeder der Apparate wirft seine Bilder – reines Licht – auf den jeweils anderen. Zu sehen gibt es darüber hinaus nichts. Das Kopfkino wird von der Tonspur angestoßen, bearbeitete Filmmusik zu einem Fellini-Streifen. Inhaltlichen Aufschluss gewährt allein der Titel der Arbeit, Western Round Table 2027. Er bezieht sich auf eine Reihe von Gesprächen unter der Überschrift „The Western Round Table on Modern Art“, 1947 in Kalifornien mit Vertretern verschiedener Künste veranstaltet. Das muss man natürlich wissen, sonst setzt sich die Assoziationsmaschinerie zum Thema kulturelles Gedächtnis und Utopien der Moderne nicht in Gang. Was so schlimm aber auch nicht wäre. Denn selbst ohne diese Kenntnis funktioniert das Gespräch der Maschinen als Metapher für Selbstreferenzschleifen, als Selbstbespiegelung von Projektionsmechanismen ganz wunderbar. Hermetisch, automatisch, es ist, wie es ist.
„Amy Sillman“ und „Rosa Barba“ – carlier|gebauer, Berlin. Vom 1. Mai bis 13. Juni 2009
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